Quantencomputer-Skandal, Forscher

Quantencomputer-Skandal: Forscher zerlegt Microsofts Qubit-Durchbruch

25.06.2026 - 00:14:45 | boerse-global.de

Eine Nature-Publikation stellt Microsofts Quantencomputer-Fortschritt infrage. Ein Physiker kritisiert fehlerhafte Analysen und Software-Probleme.

Microsofts Quanten-Durchbruch: Neue Studie erhebt schwere Vorwürfe
Quantencomputer-Skandal - A glowing blue abstract quantum bit with subtle red glitches, symbolizing the scrutiny of quantum computing claims. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Physiker Dr. Henry Legg von der University of St Andrews veröffentlichte heute im Fachjournal Nature eine formelle Kritik, die den Forschungsansatz des Tech-Riesen erschüttert.

Software-Fehler statt wissenschaftlicher Sensation?

Im Zentrum der Kritik steht Microsofts Forschungsarbeit aus dem Jahr 2025, die angeblich einen Durchbruch bei der Schaffung eines topologischen Qubits erzielt hatte. Laut Legg basieren diese Behauptungen auf fehlerhaften Datenanalysen und Software-Problemen.

Der Forscher identifizierte konkrete Mängel in den Python-Skripten des Microsoft-Teams. Der sogenannte „Topological Gap Protocol" (TGP) – ein Programm zur Verarbeitung von Messdaten – enthielt demnach einen fest codierten Filter, der nur die größten Datenbereiche hervorhob. Kleinere, möglicherweise widersprüchliche Signale wurden dagegen systematisch aussortiert.

Besonders brisant: Die Software lieferte inkonsistente Ergebnisse. Schon eine Verschiebung der Messfenster veränderte die Klassifikation. Die von Microsoft als Belege für Majorana-Partikel interpretierten Signale könnten laut Legg ebenso gut von Quantenpunkten oder bloßem Rauschen stammen. Die Rohdaten zeigten eher Unordnung als die saubere „topologische Lücke", die für ein funktionierendes Quantenbit nötig wäre.

Microsoft verteidigt sich – und verweist aufs Pentagon

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Microsofts Forschungschef Chetan Nayak konterte in einer ebenfalls in Nature veröffentlichten Erwiderung. Er bezeichnete die umstrittene Software als praktisches Abstimmungswerkzeug, nicht als fehlerhafte Metrik. Das Unternehmen betont zudem, dass die Ergebnisse mit der US-Forschungsbehörde DARPA geteilt und evaluiert wurden.

„Skepsis gehört zum wissenschaftlichen Prozess", so Nayak. Er hält an der Robustheit der Daten fest. Erst am 2. Juni 2026 hatte Microsoft mit der Vorstellung von „Majorana 2" seine Strategie bekräftigt. Damals versprach das Unternehmen, die Quanteninformationen im Schnitt 20 Sekunden stabil halten zu können – und setzte sich das Ziel, bis 2029 einen skalierbaren, kommerziellen Quantencomputer zu präsentieren.

Wiederholte wissenschaftliche Rückschläge

Für Microsoft ist dieser neue Zweifel kein Einzelfall. Bereits 2021 und 2018 musste das Unternehmen Forschungsarbeiten aus Nature zurückziehen – ebenfalls wegen Bedenken zur Datenverarbeitung und Reproduzierbarkeit. Anfang 2025 hatte Nature zudem einen Warnhinweis zu einem weiteren Microsoft-Artikel hinzugefügt.

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Selbst Konkurrenten wie Amazon hatten öffentlich Skepsis gegenüber dem topologischen Ansatz geäußert. Sergey Frolov von der University of Pittsburgh fordert nun sogar eine vollständige Rücknahme der umstrittenen Arbeit von 2025. Seine Einschätzung: Es gebe derzeit keine Grundlage für die Majorana-Behauptungen.

Während die US-Regierung in den letzten Jahren rund zwei Milliarden Euro in die Quantenforschung investiert hat, bleibt die Frage nach der praktischen Umsetzung offen. Legg warnt: Ein wirklich funktionierender topologischer Quantencomputer könnte noch Jahrhunderte entfernt sein – nicht nur Jahrzehnte.

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