Quantensicherheit: 90% der Systeme nicht auf Angriffe vorbereitet
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Untersuchungen von Forescout Research zeigen eine deutliche SicherheitslĂŒcke bei der Vorbereitung auf das Zeitalter der Quantencomputer. Von rund 160 Millionen analysierten SSH-Hosts unterstĂŒtzen lediglich 11,88 Prozent moderne Post-Quanten-Kryptographie (PQC). Damit sind etwa 90 Prozent der untersuchten Systeme derzeit nicht in der Lage, Angriffen durch kĂŒnftige Hochleistungs-Quantenrechner standzuhalten.
Kritische Defizite in Industrie und Medizintechnik
Besonders deutlich treten die VersĂ€umnisse im Bereich der operativen Technologie (OT) und des Gesundheitswesens zutage. Laut den im Zeitraum Ende August bis Anfang September 2026 veröffentlichten Daten von Forescout Research verfĂŒgen im OT-Sektor nur 16 Prozent der GerĂ€te ĂŒber PQC-FĂ€higkeiten.
Noch kritischer stellt sich die Situation bei vernetzten medizinischen GerĂ€ten (IoMT) dar, von denen lediglich 6 Prozent die entsprechenden Sicherheitsstandards unterstĂŒtzen. Zudem ist der VerschlĂŒsselungsstandard TLS 1.3 bisher nur auf 30 Prozent der Server implementiert, was die Modernisierung der digitalen Infrastruktur weiter erschwert.
Analysen von Rongtao Medical untermauern diese Problematik fĂŒr den medizinischen Bereich. Eine Untersuchung von 2.066 FDA-Zulassungen fĂŒr UltraschallgerĂ€te aus den Jahren 1977 bis 2026 ergab, dass 90,1 Prozent dieser Zulassungen aus der Zeit vor den verschĂ€rften Cybersicherheits-Anforderungen der US-Gesundheitsbehörde FDA vom MĂ€rz 2023 stammen.
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FĂŒr viele dieser BestandsgerĂ€te (Legacy-Systeme) fehlen effektive Sicherheitslösungen: Von 18 entsprechenden CISA-Warnmeldungen bietet die HĂ€lfte keinen Software-Fix an. Alle vier spezifisch fĂŒr UltraschallgerĂ€te herausgegebenen Warnungen gelten als unvollstĂ€ndig gepatcht.
Regulatorischer Druck und zeitliche Fristen
Angesichts der drohenden Gefahr durch Quantencomputer verschĂ€rfen Behörden weltweit die Anforderungen. Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat festgelegt, dass klassische kryptographische Verfahren bis Ende 2031 nur noch in Kombination mit PQC-Verfahren (hybrid) eingesetzt werden dĂŒrfen.
Ăhnliche Ziele verfolgt die US-Regierung, die eine breite Nutzbarkeit von PQC bis zum Zeitraum 2030/31 anstrebt. Ab dem 1. Januar 2027 mĂŒssen Neubeschaffungen der US-Behörden bereits PQC-kompatibel sein. Bis 2035 soll veraltete Kryptographie vollstĂ€ndig aus den Systemen entfernt werden.
Die FDA nutzt bereits seit Oktober 2023 ihre Befugnis, ZulassungsantrĂ€ge fĂŒr vernetzte MedizingerĂ€te abzulehnen, wenn diese keine ausreichenden CybersicherheitsplĂ€ne enthalten. Laut Marktexperten entfĂ€llt mittlerweile rund ein Drittel der Engineering-Zeit in der Produktentwicklung auf Sicherheitsaspekte. Zudem wurde eine Pflicht zur Erstellung von Software-StĂŒcklisten (SBOM) eingefĂŒhrt.
Technologische LösungsansĂ€tze und operative HĂŒrden
Die Industrie reagiert mit unterschiedlichen Strategien auf die Bedrohungslage. Der CTO der Intel-Sparte Federal wies darauf hin, dass ein herkömmlicher Windows-Laptop etwa 20.000 kryptographische Elemente enthĂ€lt. Intel integriert PQC-Funktionen bereits seit fĂŒnf Hardware-Generationen direkt in das Silizium.
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Gleichzeitig belasten bekannte Schwachstellen den Betrieb in KrankenhĂ€usern. Daten von Trimedx zeigen, dass ĂŒber 50 Prozent der vernetzten MedizingerĂ€te mindestens eine kritische Schwachstelle aufweisen, wovon 99 Prozent der KrankenhĂ€user betroffen seien.
Um die Behebung dieser MÀngel zu beschleunigen, setzen Dienstleister verstÀrkt auf KI-basierte Systeme. Eine entsprechende Lösung (TMX Protect) könne die Zeit zur Schwachstellenbehebung um 75 Prozent reduzieren, bei einer Erkennungsgenauigkeit von 95 Prozent.
Trotz technologischer Fortschritte bleiben die Herausforderungen groĂ. So gilt die vom CISA-Katalog vorgegebene 21-Tage-Frist fĂŒr Patches bei Ă€lteren UltraschallgerĂ€ten als unrealistisch.
Zudem steigt der Ressourcenbedarf der digitalen Infrastruktur massiv an: Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert den Stromverbrauch von Rechenzentren fĂŒr das Jahr 2024 auf 415 Terawattstunden und prognostiziert einen Anstieg auf 945 Terawattstunden bis 2030.
