RAM-Preise: DDR5 um 440 Prozent teurer, Speicherkrise bis 2030
05.07.2026 - 03:34:01 | boerse-global.de
Die Preise für Arbeitsspeicher steigen im dritten Quartal 2026 um bis zu 18 Prozent – und das könnte erst der Anfang sein.
Preisspirale dreht sich ungebremst weiter
Die Speicherindustrie erlebt einen beispiellosen Preisschub. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass DDR4-Chips im Vergleich zum Mittelfeld 2025 zwischen 200 und 300 Prozent teurer geworden sind. Bei DDR5 fällt der Anstieg mit bis zu 440 Prozent noch dramatischer aus. Zwar treibt die enorme Nachfrage aus dem KI-Server-Segment die Preise weiter nach oben, doch erste Anzeichen deuten auf eine nachlassende Dynamik hin: Verbraucher stoßen zunehmend an ihre finanziellen Grenzen.
Hintergrund der Knappheit ist eine Verlagerung der Produktionskapazitäten. Die Hersteller fokussieren sich verstärkt auf den lukrativen Servermarkt, während die Versorgung mit PC-DRAM eingeschränkt wird. Taiwanesische Anbieter bauen zwar ihre DDR4-Fertigung aus, doch diese Bemühungen können die Angebotslücke nicht schließen.
Branche rechnet mit dauerhaft höheren Preisen
Auf der ISC 2026 im Juni machte Lenovo deutlich, was viele bereits befürchten: Die Zeiten günstiger Speicherpreise sind vorbei. Vertreter des Unternehmens prognostizieren, dass die Kosten bis mindestens 2030 nicht mehr auf das Niveau vor 2025 fallen werden. Die Branche müsse sich auf ein „neues Normal" auf höherem Niveau einstellen.
Intel und AMD reanimieren alte Plattformen
Die Hersteller reagieren mit ungewöhnlichen Maßnahmen. Intel hat die Produktion seiner 13. und 14. Raptor-Lake-Generation wieder angefahren – gezielt für den chinesischen DIY-Markt. Auch die Auslieferungen von 10. und 12. Generation-Chips werden hochgefahren. Besonders bemerkenswert: Der Sockel LGA 1700 erhält eine unerwartete Verlängerung. Ein „Raptor Lake Next" soll in der ersten Jahreshälfte 2027 erscheinen und weiterhin DDR4 unterstützen.
Die RAM-Preise steigen weiter – DDR5 ist bis zu 440 Prozent teurer als vor einem Jahr. Doch es gibt Auswege: DDR4-kompatible Hardware erlebt ein Comeback, und clevere Tricks wie Metas CXL-Lösung helfen, Kosten zu senken. Unser Report zeigt, wie Sie Ihr System jetzt günstig aufrüsten. Jetzt kostenlosen Spar-Report anfordern
Die Motherboard-Hersteller ziehen mit. Auf der Computex Taipei im Juni 2016 bestätigten sie, die Produktion DDR4-kompatibler Boards bis mindestens 2027 hochzufahren.
AMD setzt auf eine ähnliche Strategie. Der Hersteller hält an der beliebten AM4-Plattform fest und hat den Ryzen 7 5800X3D als Zehnjahres-Edition neu aufgelegt. Das Angebot richtet sich an preisbewusste Kunden, die den teuren Umstieg auf DDR5-only-AM5-Systeme vermeiden wollen.
Meta trickst mit Eigenentwicklung
Einen kreativen Lösungsansatz präsentierte Meta am 3. Juli 2016: Der hauseigene Vistara-ASIC ermöglicht den Einsatz von DDR4-Speicher in modernen DDR5-Server-Umgebungen. Über CXL 2.0 per PCIe 5.0 x16 angebunden, unterstützt der Chip zwei 72-Bit-DDR4-Kanäle und Kapazitäten bis zu 256 GB.
Meta integriert die Technologie in seine MemServer-Plattform mit 158-Kern-AMD-EPYC-Turin-Prozessoren. Die Systemkonfiguration kombiniert 768 GB DDR5-6400 mit 256 GB CXL-attached DDR4-2400. Der ältere Speicher fungiert dabei als separater NUMA-Knoten und kommt gezielt bei KI-Inferenz, CDN-Vorverarbeitung und Datenbank-Caching zum Einsatz – eine clevere Methode, um Infrastrukturkosten zu senken.
Klagen und steigende Endverbraucherpreise
Wer jetzt noch teures DDR5 kauft, zahlt drauf – denn die Speicherkrise könnte bis 2030 anhalten. Intel und AMD reanimieren alte Plattformen, und Motherboard-Hersteller produzieren DDR4-Boards bis mindestens 2027. Unser Leitfaden verrät, welche Hardware-Kombis sich lohnen und wie Sie mit CXL-Technik alten RAM weiternutzen. DDR4-Spar-Leitfaden jetzt sichern
Die anhaltend hohen Speicherpreise haben nun auch juristische Konsequenzen. Am 25. Juni 2026 reichten Kläger eine Sammelklage gegen die großen Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron ein. Der Vorwurf: illegale Preisabsprachen.
Die Kostenexplosion schlägt sich zunehmend auf die Verbraucherpreise nieder. Die Xbox Series X soll ab dem 1. August 2026 rund 800 Euro kosten. Auch Handhelds wie das Steam Deck OLED lagen im Mai 2026 bereits bei umgerechnet knapp 740 Euro. Branchenexperten rechnen nicht vor 2028 mit einer Entspannung des Marktes.
