Rauchentwöhnung, Apotheken

Rauchentwöhnung in Apotheken: Beratung steigert die Ausstiegschance um 70 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umfragen zeigen Rückhalt für Rauchstopp-Beratung und weitere Angebote in Apotheken. Personalmangel und Bürokratie erschweren jedoch die Umsetzung.

Apotheken stärken Prävention mit Rauchstopp-Beratung und neuen Leistungen
Ein heller, minimalistischer Beratungsraum in einer modernen Apotheke mit medizinischer Ausstattung im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Seit der Erweiterung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) durch das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG) im Mai 2026 hat die Apotheke vor Ort ihre Rolle in der Gesundheitsprävention gefestigt.

Ein zentraler Bestandteil dieser Reform ist die Einführung einer strukturierten Rauchentwöhnungsberatung. Aktuelle Daten und Erhebungen verdeutlichen das Potenzial dieser Leistungen für die öffentliche Gesundheitsversorgung sowie die damit verbundenen strukturellen Herausforderungen für die Branche.

Rauchentwöhnung als erweiterte Kernkompetenz

Die Einbindung der Apothekenteams in die Tabakprävention stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach eine professionelle Beratung die Erfolgschancen eines Rauchstopps signifikant steigert. Laut Fiore et al. erhöhen solche Interventionen die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Ausstiegs um 70 % im Vergleich zu Versuchen ohne professionelle Unterstützung.

Eine im Zeitraum von Januar bis Februar 2026 durchgeführte Umfrage von Kenvue unter 250 deutschen Apotheken unterstreicht die Akzeptanz dieser Maßnahmen innerhalb der Facherschaft.

Demnach befürworten 72 % der befragten Apotheken die pharmazeutischen Dienstleistungen. Rund 70 % der Teilnehmer sehen ein deutliches Potenzial zur Senkung der nationalen Raucherquote, während 69 % angaben, die Rauchentwöhnungsberatung aktiv in ihr Portfolio aufnehmen zu wollen.

Eine breite Mehrheit von 84 % fordert dabei eine strikte Orientierung der Empfehlungen an der medizinischen S3-Leitlinie. Als wesentliche Hürden für eine flächendeckende Umsetzung identifizierten die Apotheken jedoch den anhaltenden Personalmangel sowie den hohen bürokratischen Aufwand.

Patientenbedürfnisse und Akzeptanz in der Bevölkerung

Die Nachfrage nach Beratung in der Apotheke scheint stabil. Eine Untersuchung im Rahmen des Better Health Report 2026 unter 500 Apothekerinnen und Apothekern in Europa ergab, dass 59 % der Befragten in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien eine gestiegene Beratungsnachfrage im Vergleich zu den Vorjahren beobachten. In Deutschland folgen laut dem Bericht 71 % der Kundinnen und Kunden den Empfehlungen ihres Apothekers, sofern eine Beratung stattfindet.

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Daten einer Civey-Umfrage unter 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zeigen zudem die Prioritäten der Verbraucher beim Kauf rezeptfreier Medikamente (OTC). Während die eigene Erfahrung für 48,7 % ausschlaggebend ist, folgt die Apothekenberatung mit 38,8 % bereits an zweiter Stelle, noch vor der ärztlichen Empfehlung mit 35,4 %.

Das Vertrauen in die Apotheke vor Ort ist insbesondere in der Altersgruppe über 65 Jahren mit 38,3 % stark ausgeprägt. Bei der Inanspruchnahme zusätzlicher Leistungen zeigen sich die Befragten offen: 36,2 % sprechen sich für Impfungen in der Apotheke aus, 32,9 % für Impfberatungen und 29,6 % für Blutuntersuchungen.

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Ökonomische Bedeutung und regulatorischer Rahmen

Die volkswirtschaftliche Relevanz der Selbstmedikation wird durch Zahlen der Global Self-Care Federation verdeutlicht. Die OTC-Versorgung spart demnach weltweit jährlich rund 144 Mrd. US-Dollar sowie 2,2 Mrd. Arztstunden ein.

In Deutschland werden nach Angaben von Pharma Deutschland jährlich etwa 730 Mio. Packungen nicht verschreibungspflichtiger Medikamente abgegeben, was jeder zweiten verkauften Packung entspricht. Dennoch entfallen über 80 % des Branchenumsatzes weiterhin auf verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx).

Der regulatorische Rahmen für die rund 16.000 deutschen Apotheken mit ihren 160.000 Beschäftigten wurde durch das jüngste Reformpaket angepasst. Ab 2028 können Apothekenhonorare jährlich neu mit den Krankenkassen verhandelt werden; zudem wurde das Skontoverbot aufgehoben. Während die Standesvertretung ABDA die Änderungen grundsätzlich begrüßt, bleibt die Kritik an der Regulierung des ausländischen Versandhandels bestehen.

Parallel dazu verschärft sich der Wettbewerb durch Drogeriemärkte. Das Landgericht Karlsruhe verhandelt derzeit eine Klage gegen den Drogerieriesen dm, der seit Ende 2025 apothekenpflichtige Medikamente über eine tschechische Tochtergesellschaft vertreibt.

Ein weiterer Wettbewerber, Rossmann, hat den Start einer eigenen Versandapotheke für Ende 2026 angekündigt. Angesichts eines Marktwachstums im Online-Medikamentenhandel von 6 % im Vorjahr gewinnt die Positionierung der Vor-Ort-Apotheke durch spezialisierte Dienstleistungen wie die Rauchentwöhnung zunehmend an strategischer Bedeutung.

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