Razzia, Krefeld

Razzia in Krefeld: 15.000 gefÀlschte Smartphones aus minderwertigen Teilen entdeckt

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Ermittler stellten in Krefeld Smartphones sicher; der Betrug verursachte laut SchÀtzungen mindestens 300 Millionen Euro VerbraucherschÀden.

Operation Troja: Ermittler decken europaweiten Handel mit Fake-Smartphones auf
Leere Industrielagerhalle mit aufgestapelten Holzpaletten und Betonboden in einer großen Logistikanlage. Illustration mit AI erstellt.

In einer großangelegten europaweiten Operation unter dem Codenamen „Troja“ haben das EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft (EUStA) und das Zollfahndungsamt Essen ein weitreichendes Betrugssystem mit gefĂ€lschten Mobiltelefonen aufgedeckt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht eine Lagerhalle in Krefeld, in der Fahnder nach aktuellen Berichten schĂ€tzungsweise 10.000 bis 15.000 Smartphones sicherstellten. Die GerĂ€te seien aus minderwertigen Einzelteilen zusammengesetzt worden, um sie anschließend als Neuware zu vertreiben.

Internationales Logistiknetzwerk mit Schwerpunkt in NRW

Die Ermittlungen des Zollfahndungsamtes Essen, die in enger Abstimmung mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und der Polizei DĂŒsseldorf koordiniert wurden, offenbarten eine hochprofessionell agierende kriminelle Vereinigung.

Insgesamt vollstreckten rund 1.770 EinsatzkrĂ€fte in 19 LĂ€ndern etwa 160 DurchsuchungsbeschlĂŒsse. Ein regionaler Schwerpunkt der Maßnahmen lag dabei auf Nordrhein-Westfalen, insbesondere in Krefeld. Begleitend zu den Durchsuchungen fand zudem eine Zeugenvernehmung im Vereinigten Königreich statt.

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Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelte es sich bei den sichergestellten GerĂ€ten ĂŒberwiegend um Modelle des Herstellers Samsung, die Ă€ußerlich kaum von Originalprodukten zu unterscheiden waren. In der Krefelder Lagerhalle, die bereits seit lĂ€ngerer Zeit unter Beobachtung der Behörden gestanden haben soll, scannten Beamte GerĂ€t fĂŒr GerĂ€t die Seriennummern ein.

Der Modus Operandi der Bande war dabei komplex: Gebrauchte Teile wurden in WerkstĂ€tten in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu funktionsfĂ€higen Handys verbaut, gereinigt und professionell verpackt. Der Versand erfolgte anschließend ĂŒber die Niederlande zu LagerstĂ€tten in Deutschland.

MillionenschĂ€den fĂŒr Verbraucher und Fiskus

Seit dem Jahr 2018 nutzte die Organisation laut den vorliegenden Erkenntnissen ein Netz aus Briefkastenfirmen in Deutschland, Österreich, Bulgarien, den Niederlanden und der Schweiz.

Durch die Anwendung der Differenzbesteuerung gelang es den HintermĂ€nnern, die Herkunft der Ware zu verschleiern und diese als angebliche Neuware ĂŒber gĂ€ngige EU-Online-MarktplĂ€tze zu verĂ€ußern. SchĂ€tzungen zufolge wurden auf diesem Weg mindestens 1 Million Mobiltelefone verkauft.

Der finanzielle Schaden fĂŒr die europĂ€ischen Verbraucher wird auf mindestens 300 Mio. Euro beziffert. Neben dem bandenmĂ€ĂŸigen Betrug und MarkenrechtsverstĂ¶ĂŸen steht zudem der Vorwurf des massiven Einfuhrschmuggels im Raum.

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Der entstandene Mehrwertsteuerausfall belĂ€uft sich nach Berechnungen der Behörden auf insgesamt 30 Mio. Euro, wovon mindestens 25 Mio. Euro auf Deutschland entfallen sollen. Die Ermittlungen gehen ursprĂŒnglich auf einen Bericht des EuropĂ€ischen Amtes fĂŒr BetrugsbekĂ€mpfung (OLAF) zurĂŒck.

Festnahmen und strafrechtliche Konsequenzen

Bereits am 26. September 2026 kam es im Vorfeld der großflĂ€chigen Durchsuchungen zu ersten Festnahmen. Insgesamt wurden sieben Haftbefehle in Deutschland, Österreich und Spanien vollstreckt. In Deutschland nahmen Beamte vier VerdĂ€chtige fest, darunter zwei mutmaßliche AnfĂŒhrer der Bande aus dem Raum DĂŒsseldorf. Ein Zugriff erfolgte direkt in der nordrhein-westfĂ€lischen Landeshauptstadt.

Auslöser fĂŒr den Zeitpunkt dieser frĂŒheren Verhaftungen war eine TelefonĂŒberwachung, durch die die Ermittler von einer geplanten Auslandsdienstreise der VerdĂ€chtigen erfuhren. Den Beschuldigten werden gewerbsmĂ€ĂŸiger Bandenbetrug sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Das Zollfahndungsamt Essen gab im Zuge der Ermittlungserfolge erste Hinweise fĂŒr betroffene Verbraucher heraus. KĂ€ufer sollten die GerĂ€te-Identifikationsnummer (IMEI) beim jeweiligen Hersteller prĂŒfen lassen und bei Online-KĂ€ufen konsequent auf den KĂ€uferschutz der Plattformen setzen. FĂŒr Hinweise im Zusammenhang mit dem Ermittlungskomplex „Troja“ haben die Behörden eine zentrale E-Mail-Adresse eingerichtet.

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de | wissenschaft | 70201105 |