Rechenzentrum-Kühlung: KIT-Forscher sparen 40% Strom ohne Stromanschluss
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 20:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Tsukuba hat einen Prototyp für ein Kühlsystem vorgestellt, das ohne elektrischen Antrieb auskommt. Die Technologie basiert auf sogenannten Formgedächtnis-Filmen und wurde in der Fachzeitschrift Nature Energy beschrieben. Bei einer Aktuatortemperatur von 86 Grad Celsius erreichte der Prototyp eine Temperaturdifferenz von 4 Grad Celsius.
Wärme treibt Kühlung an
Das Prinzip des Systems: Statt eines Elektromotors nutzt die Anlage elkalorische Effekte, die durch Wärme selbst angetrieben werden. Nach Angaben der Forscher aus Karlsruhe und Tsukuba könnte dieses wärmegetriebene Kühlsystem bis zu 40 Prozent des Stromverbrauchs einsparen, der derzeit für die Kühlung von Rechenzentren aufgewendet wird.
Die Idee dahinter: Die Abwärme, die Prozessoren in Rechenzentren ohnehin produzieren, ließe sich über Formgedächtnis-Legierungsfilme direkt zur Kühlung nutzen – ein Kreislauf, der den Bedarf an zusätzlicher elektrischer Energie für Kompressoren oder Pumpen reduzieren würde.
Allerdings weisen die Forscher auch auf physikalische Grenzen hin: Thermodynamische Beschränkungen begrenzen die erreichbare Effizienz des Verfahrens. Konkrete Leistungsdaten darüber hinaus, wie sich das Prinzip im großindustriellen Maßstab verhält, wurden im Rahmen der Vorstellung nicht genannt.
Bedeutung für die Branche
Rechenzentren stehen vor wachsenden Kühlkosten – Forscher des KIT und der Universität Tsukuba haben nun einen Prototyp vorgestellt, der ohne elektrischen Antrieb auskommt und bis zu 40% des Kühlstroms einsparen könnte. Was bedeutet das für Ihre Infrastruktur? Unser Leitfaden ordnet ein und zeigt, welche Technologien sich lohnen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Ankündigung reiht sich in eine Reihe aktueller Entwicklungen ein, die zeigen, wie stark der Kühlungsbedarf von Rechenzentren mittlerweile im Fokus von Forschung und Industrie steht.
Der Energie- und Wasserverbrauch für die Kühlung von Serverinfrastruktur ist angesichts wachsender KI-Rechenlasten zu einem zentralen Kostenfaktor geworden. Klassische Kühlverfahren wie Verdunstungskühlung oder Flüssigkeitskühlsysteme benötigen entweder erhebliche Mengen Wasser oder Strom für Pumpen und Kompressoren.
Ein System, das nach dem Prinzip der Formgedächtnis-Filme arbeitet und primär auf ohnehin vorhandene Abwärme setzt, würde diesen Ansatz grundlegend verändern: Statt zusätzliche Energie für die Kühlung aufzuwenden, würde die vom Prozessor erzeugte Wärme selbst den Kühlprozess in Gang setzen.
Sollte sich das Konzept über den Laborprototyp hinaus skalieren lassen, könnte dies insbesondere für Betreiber großer KI-Rechenzentren relevant werden, deren Stromrechnungen für Kühlung einen wachsenden Anteil der Betriebskosten ausmachen.
Die Kühlung macht einen wachsenden Anteil der Betriebskosten aus – klassische Verfahren verbrauchen viel Strom oder Wasser. Ein neuer Forschungsansatz nutzt die Abwärme der Prozessoren selbst. Unser Überblick zeigt, welche alternativen Kühltechnologien es gibt und wie Sie Ihre Anlage zukunftsfähig machen. Überblick jetzt sichern
Bislang handelt es sich jedoch um einen Forschungsprototyp mit begrenzter, im Labor gemessener Temperaturdifferenz. Wie sich die thermodynamischen Grenzen des Verfahrens auf einen praktischen Einsatz in großflächigen Rechenzentrumsumgebungen auswirken, bleibt nach den vorliegenden Angaben der Forschungsgruppe zunächst offen.
Weitere Details zur geplanten Weiterentwicklung oder einem möglichen Zeitplan für eine industrielle Anwendung wurden im Rahmen der Vorstellung nicht mitgeteilt.
