Rechtsstreit eskaliert: 800 Kreative gegen KI-Piraterie
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 07:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte zum Training Künstlicher Intelligenz eskaliert zu einem Rechtsstreit historischen Ausmaßes. Fast 400 US-Zeitungen, über 100 Autoren und rund 800 Kreativschaffende gehen gemeinsam gegen die Tech-Branche vor.
Medienkrieg: Fast 400 Lokalzeitungen verklagen OpenAI und Microsoft
Am 24. Juni 2026 reichten fast 400 lokale US-Zeitungsverlage eine Sammelklage gegen OpenAI und Microsoft ein. Der Vorwurf: Die Tech-Konzerne hätten urheberrechtlich geschützte Journalismus-Inhalte genutzt, um ihre KI-Systeme ChatGPT und Microsoft Copilot zu trainieren – ohne Erlaubnis oder Vergütung.
Die Klage, die unter anderem von der Kanzlei des früheren New Jersey Attorney General Matthew J. Platkin eingereicht wurde, wirft den Beklagten vor, Urheberrechtsvermerke wie Autorennamen und Quellenangaben systematisch entfernt zu haben. Die Verlage fordern Schadensersatz nach dem US-Urheberrechtsgesetz und dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA).
Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Klagen aus der Medienbranche. Während einige Verlage inzwischen auf Lizenzvereinbarungen mit den Tech-Giganten setzen, gehen andere den Rechtsweg – mit potenziell weitreichenden Folgen für die gesamte KI-Industrie.
Autoren fordern Millionen: Piraterie-Vorwürfe gegen Anthropic
Noch härter trifft es den KI-Entwickler Anthropic. Mehr als 100 Autoren und Rechteinhaber verklagten das Unternehmen am 17. Juni 2026 in Nordkalifornien. Der Vorwurf: Anthropic habe über 500 urheberrechtlich geschützte Bücher aus illegalen Quellen wie Library Genesis und Pirate Library Mirror verwendet, um sein KI-Modell Claude zu trainieren.
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Die Kläger fordern bis zu 150.000 Dollar pro Werk – insgesamt über 75 Millionen Dollar. Die Klage richtet sich gegen die Führungsspitze des Unternehmens, darunter CEO Dario Amodei und Mitgründer Benjamin Mann. Besonders brisant: Die Autoren hatten sich bewusst gegen einen früheren Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar entschieden, um ihre individuellen Ansprüche separat zu verfolgen.
Midjourney geht in die Offensive: Hollywood soll eigene KI-Praktiken offenlegen
In einem ungewöhnlichen Schachzug geht der KI-Bildgenerator Midjourney in die Gegenoffensive. Das Unternehmen hat einen Antrag gestellt, um große Hollywood-Studios zur Offenlegung ihrer eigenen KI-Trainingspraktiken zu zwingen.
Hintergrund ist eine Urheberrechtsklage von Disney, Universal und Warner Bros. gegen Midjourney. Die Studios werfen der Plattform vor, urheberrechtlich geschützte Figuren ohne Erlaubnis generiert zu haben. Midjourney kontert: Die Studios hätten „schmutzige Hände" – sie nutzten selbst ähnliche KI-Methoden für ihre Geschäftsprozesse.
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Das Unternehmen fordert Zugang zu internen Dokumenten, Datensätzen und Storyboarding-Modellen der Studios. Ein Richter hatte die Offenlegungspflicht zunächst auf verbrauchernahe KI-Anwendungen beschränkt. Midjourney will diese Entscheidung nun kippen lassen.
„Stehlen ist keine Innovation": 800 Kreative schlagen Alarm
Parallel zu den Gerichtsverfahren formiert sich eine öffentliche Bewegung. Rund 800 Künstler, Autoren und Musiker – darunter Cate Blanchett, Cyndi Lauper und George Saunders – haben die Kampagne „Stealing Isn't Innovation" (Stehlen ist keine Innovation) unterzeichnet.
Die Unterzeichner fordern von KI-Unternehmen formelle Lizenzvereinbarungen und ein Widerspruchsrecht für Kreative gegen die Nutzung ihrer Werke in Trainingsdatensätzen. Die Kampagne warnt vor einer Zukunft voller minderwertiger KI-Inhalte und betont: Die unerlaubte Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials untergräbt die gesamte Kreativwirtschaft.
Die Bewegung reiht sich ein in eine Reihe prominenter Rechtsstreitigkeiten, die die Frage klären sollen: Wem gehören die Daten, die die KI-Revolution antreiben?
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