REHACARE, Aussteller

REHACARE 2026: Knapp 1.000 Aussteller zeigen neue Rollstühle und Exoskelette

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die REHACARE zeigt neue Mobilitäts- und Assistenztechnik. Zugleich plant Salzburg Investitionen von rund 45 Millionen Euro in die Pflege bis 2031.

REHACARE 2026: Robotik und digitale Pflegehilfen im Fokus
Heller, moderner Innenraum einer Rehabilitationsklinik mit natürlichem Lichteinfall und minimalistischem Design. Illustration mit AI erstellt.

Die Fachmesse REHACARE in Düsseldorf präsentiert im September 2026 unter dem Leitthema „Selbstbestimmt leben“ aktuelle Fortschritte in der Rehabilitation und Pflege. Knapp 1.000 Ausstellende aus 43 Ländern zeigen Lösungen, die von assistiver Robotik bis hin zu digitaler Infrastruktur reichen. Im Zentrum stehen dabei technische Hilfsmittel, die Autonomie fördern und das Pflegepersonal entlasten sollen.

Fortschritte in der Mobilität und autonomen Assistenz

Ein Schwerpunkt der Entwicklungen liegt auf der Weiterentwicklung von Mobilitätshilfen. Das Unternehmen Trekinetic stellt mit der GTE Series 4 einen geländegängigen Rollstuhl vor, der über ein Carbon-Monocoque und zwei 150-W-Nabenmotoren verfügt. Das Modell erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h sowie eine Reichweite von bis zu 25 km und wiegt 37 kg bei einer Bodenfreiheit von 120 mm. Für dieses System wurden bereits Patente angemeldet.

Parallel dazu zeigt Xcanbot den Mobilitätsroboter Mate X, der für den Einsatz im Fachmarkt konzipiert wurde. Der sitzende Roboter navigiert autonom nach Zielauswahl und überwacht seine Umgebung mittels LiDAR-, Time-of-Flight- und Kamerasensoren.

Das System wurde bereits im Vorfeld der Messe mit Innovationspreisen in den Kategorien „Tech for Good & Accessibility“ sowie „IFA NEXT & Emerging Tech“ ausgezeichnet. Eine Crowdfunding-Kampagne für den europäischen Markt befindet sich in Vorbereitung.

Weitere Ansätze umfassen den Schweizer Elektro-Rollstuhl GO, der Geschwindigkeiten von bis zu 12 km/h ermöglicht. Ein optionales Treppensteigmodul soll Hindernisse bis 40 Grad Steigung sowie Schwellen bis 7,5 cm bewältigen. Die Preisspanne liegt zwischen 18.500 Euro für die Grundversion und 37.700 Euro mit Treppenmodul.

Assistive Robotik und Exoskelett-Technologien

In der Rehabilitation gewinnen Exoskelette zunehmend an Bedeutung. Das Unternehmen Marsi Bionics präsentiert mit dem Modell EXPLORER ein mitwachsendes System für gehbehinderte Kinder. Im Bereich der Unterstützung für Erwachsene vergleicht Hypershell verschiedene Konzepte: Die X-Serie mit zwei Hüftmotoren wird der Halo-Serie gegenübergestellt, die zusätzlich Kniemotoren nutzt.

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Während die X-Serie Spitzenleistungen von bis zu 1.000 W und eine hohe Mensch-Maschine-Synchronisation von 97,5 % erreicht, bietet das Halo-System bis zu 1.490 W für anspruchsvollere Einsatzbedingungen.

In der Forschungskooperation zwischen der Universität Duisburg-Essen (UDE) und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) liegt der Fokus auf menschenzentrierter Robotik. Im Projekt ExoAssist wird seit Juli 2026 an einem Ganzkörper-Exoskelett gearbeitet, das für die Steuerung entfernter Roboter sowie für die Rehabilitation nach Schlaganfällen genutzt werden kann.

Automatisierung und digitale Lösungen im Pflegealltag

Zur Entlastung des Pflegepersonals werden verstärkt Roboter für spezialisierte Aufgaben erprobt. Das Fraunhofer IPA testet den Roboter „Helga“ zur Überwachung von Kindern mit Gehirnerschütterungen.

Das System führt selbstständig Tests zu motorischen Reaktionen durch und misst Vitalparameter wie Puls und Pupillenreaktion, um das Personal bei Routinekontrollen zu unterstützen. In der Logistik setzt das Start-up sewts KI-basierte Robotik zur Sortierung kontaminierter Schmutzwäsche ein, um körperliche Belastungen für Beschäftigte zu reduzieren.

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Auf administrativer Ebene bietet Sachsen-Anhalt einen digitalen Pflegeplatzfinder an, der mit 240.000 Euro gefördert wurde und auf gesetzlichen Grundlagen vom Juni 2026 basiert. Die Anwendung ermöglicht eine verbindliche Suche nach freien Kapazitäten in stationären Einrichtungen. Das Land Nordrhein-Westfalen informiert zudem über barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung und VR-Modellwohnungen.

Regulatorische Rahmenbedingungen und Bedarfsentwicklung

Die technologische Aufrüstung wird durch politische Initiativen flankiert. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht vor, dass stationäre Einrichtungen zwischen 2028 und 2032 einen Teil ihrer Personalstellenanteile als „fiktive Transformationsstellen“ für den Einsatz entlastender Technik umwidmen können. Dies geschieht vor dem Hintergrund steigender Zahlen: Waren Ende 2023 rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, prognostiziert das Statistische Bundesamt für das Jahr 2070 einen Anstieg auf bis zu 7,7 Millionen Betroffene.

In Österreich setzt das Land Salzburg die Plattform Pflege III um. Bis 2031 sind Investitionen von rund 45 Millionen Euro geplant, unter anderem für einen Pflegenotdienst ab 2027 und die Anbindung aller Seniorenwohnhäuser an die elektronische Gesundheitsakte ELGA bis Ende 2026.

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