Reisebetrug: 2.291 Cyberangriffe pro Woche – 24% mehr als 2025
19.06.2026 - 14:44:40 | boerse-global.de
Die Täter kontaktieren Opfer über WhatsApp mit gestohlenen Buchungsdaten – und setzen sie massiv unter Druck.
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Perfekte Tarnung durch echte Reisedaten
Die Masche ist besonders perfide: Die Kriminellen kennen Namen, Hotel, Ankunftszeit und Reservierungsnummer. Sie geben sich als Hotelmitarbeiter aus und drohen mit Stornierung der Buchung innerhalb von 12 bis 24 Stunden – es sei denn, das Opfer bestätigt sofort die Zahlungsdaten.
Die Empfänger landen auf täuschend echten Buchungsseiten. Die Betrüger statten sie mit TLS-Zertifikaten und automatisch generierten Domains aus. Experten von Bitdefender Labs vermuten, dass die Daten aus einem Leak bei Booking.com stammen. Im April 2026 waren dort Namen, E-Mails, Telefonnummern und Buchungsinfos abgeflossen. Zahlungsdaten blieben nach Unternehmensangaben damals unversehrt.
Angriffswelle auf die Reisebranche
Die Zahlen sind alarmierend. Check Point Research verzeichnete im Mai 2026 durchschnittlich 2.291 Cyberangriffe pro Woche auf die Reise- und Gastgewerbebranche. Das ist ein Plus von 24 Prozent zum Vorjahr und 122 Prozent mehr als im Mai 2023.
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Über 47.300 neue reisebezogene Domains wurden im Mai registriert. Etwa jede 112. davon ist bösartig. Gleichzeitig hat sich die Umgehung von Multi-Faktor-Authentifizierungen seit Jahresbeginn um das 37-Fache erhöht. Rund 82 Prozent der Phishing-Versuche im Finanzsektor sind mittlerweile KI-generiert – für Laien kaum noch erkennbar.
Hohe Schäden – und erste Gegenmaßnahmen
Die Folgen sind existentiell. Ein Reisender aus Johannesburg verlor rund 60.000 Euro, ein Betroffener aus Estland fast 1.700 Euro. Auch Airbnb meldet eine deutliche Zunahme von Kontoübernahmen und gefälschten Inseraten.
Booking.com hat vorsorglich PIN-Nummern zurückgesetzt. Das Unternehmen stellt klar: Niemals werden Kreditkartendaten über Messenger oder soziale Medien angefordert. Meta kündigt für WhatsApp neue Schutzfunktionen an – darunter Warnhinweise bei verdächtigen QR-Codes und eine verbesserte KI-Erkennung.
Ramona Pop, Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, fordert schärfere Regulierungen. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät: „Klicken Sie auf keinen Fall auf Links. Kontaktieren Sie die Unterkunft über offizielle Kanäle.“ Wer bereits Daten eingegeben hat, muss sofort die Bank informieren, die Karte sperren und Strafanzeige erstatten.
