Reisepass in Alufolie: BSI sieht keinen Schutz vor Datendiebstahl
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 01:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf Plattformen wie TikTok und Reddit sowie in Reiseforen kursiert unter Nutzern und Reisenden vermehrt der Ratschlag, den eigenen Reisepass zum Schutz vor digitalem Datendiebstahl in Alufolie einzuwickeln.
Begleitend dazu werden in den sozialen Netzwerken auch Handy-Codes zur ĂberprĂŒfung der GerĂ€tesicherheit diskutiert, wie Berichte von Ende September 2026 zeigen. Fachleute und Behörden sehen in der provisorischen SchutzmaĂnahme mit Haushaltsfolie jedoch keinen praktischen Nutzen und warnen vor möglichen Nachteilen bei Grenzkontrollen.
Hohe HĂŒrden beim Auslesen der Passdaten
Cybersicherheitsexperten und das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stufen die Methode mit Alufolie als weitgehend ĂŒberflĂŒssig ein. Der integrierte RFID-Funkchip in modernen elektronischen PĂ€ssen arbeitet rein passiv und verfĂŒgt ĂŒber eine Ă€uĂerst geringe Reichweite.
Ein unbemerktes Auslesen aus gröĂerer Entfernung ist technisch ausgeschlossen, da sich ein entsprechendes LesegerĂ€t bis auf wenige Zentimeter an das Dokument annĂ€hern mĂŒsste.
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Zudem greifen bei den Dokumenten kryptografische Schutzmechanismen wie die Standards Basic Access Control (BAC) und Extended Access Control (EAC). Diese VerschlĂŒsselungsverfahren erfordern, dass zuvor die maschinenlesbare Zone (MRZ) des Dokuments optisch erfasst wird. Ohne diesen Abgleich lĂ€sst sich die Kommunikation mit dem Funkchip nicht initiieren, was ein kontaktloses AusspĂ€hen im Vorbeigehen effektiv verhindert.
Auf dem RFID-Chip des E-Passes sind grundlegende Personendaten wie Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Geschlecht, KörpergröĂe, Augenfarbe und Wohnort hinterlegt. Hinzu kommen das digitale Passfoto sowie zwei FingerabdrĂŒcke. Nach dem deutschen Passgesetz verbleiben die biometrischen FingerabdrĂŒcke jedoch nicht in Behördendatenbanken: Sie werden nach der AushĂ€ndigung des Dokuments irreversibel gelöscht und keinesfalls zentral gespeichert.
Risiken und praktikable Alternativen fĂŒr Reisende
Viele handelsĂŒbliche ReisepĂ€sse und SchutzhĂŒllen bieten bereits von Haus aus eine ausreichende Abschirmung gegen unbefugte Abfragen. Der Einsatz von Alufolie birgt demgegenĂŒber praktische Risiken.
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Bei Sicherheits- und Passkontrollen mĂŒssen Reisende die Folie ohnehin jedes Mal vollstĂ€ndig entfernen. Experten werten den Trend daher als unpraktisch und sehen darin vor allem eine psychologische Reaktion auf BefĂŒrchtungen, die ĂŒber soziale Medien geschĂŒrt werden.
DarĂŒber hinaus kann das wiederholte Einwickeln dem Dokument schaden: Knicke, Falten oder mechanisches Scheuern durch die Folie können die empfindliche Papier- und Kunststoffstruktur des Ausweises beschĂ€digen.
Ein abgenutzter oder beschĂ€digter Pass fĂŒhrt unter UmstĂ€nden zu Verzögerungen und Problemen bei der Einreise. Reisende, die zusĂ€tzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen möchten, sollten laut Expertenhinweisen auf dafĂŒr zertifizierte RFID-SchutzhĂŒllen zurĂŒckgreifen, anstatt improvisierte Hilfsmittel zu nutzen.
