Reisesicherheit: Zwei Drittel nutzen WLAN ohne VPN-Schutz
22.06.2026 - 00:17:36 | boerse-global.de
Doch für Urlauber wird die Bezahlung im Ausland zunehmend zur Herausforderung. Zwischen digitalen Bezahlsystemen, neuen Währungsvorschriften und wachsenden Betrugsmaschen müssen Reisende mehr denn je aufpassen.
Bargeld bleibt Pflicht – trotz Digitalisierung
Auch wenn die Welt immer digitaler wird: Experten raten dringend dazu, weiterhin Bargeld mitzuführen. Selbst in Ländern wie Schweden, wo nur noch rund zehn Prozent der Zahlungen bar erfolgen, sollte man für Notfälle eine physische Reserve dabei haben.
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Für Europäer gilt: Die heimische Girocard oder EC-Karte ist im Ausland oft wertlos – es sei denn, sie trägt ein Co-Badge von Visa oder Mastercard. Wer weltweit zahlen will, greift besser zu einer Kreditkarte dieser Anbieter. Ein entscheidender Tipp: An ausländischen Geldautomaten immer die lokale Währung wählen, nicht die Heimatwährung. Sonst drohen schlechte Wechselkurse durch die sogenannte Dynamic Currency Conversion.
In Südostasien verschärfen sich die Regeln. Indonesien hat bekräftigt: Auf Bali muss zwingend in der Landeswährung Rupiah bezahlt werden – das gilt für den gesamten Tourismussektor. Mit diesem Schritt will die Regierung die eigene Währung stabilisieren. Bali peilt für 2026 rund 6,6 Millionen internationale Besucher an.
Digitale Geldbörsen: Sicherer als die Plastikkarte
Der Trend zum mobilen Bezahlen hat einen handfesten Sicherheitsvorteil. Cybersicherheitsexperten betonen: Dienste wie Apple Pay oder Google Pay sind physischen Kreditkarten überlegen. Der Grund: die Tokenisierung. Dabei wird die statische Kartennummer durch einmalige Codes ersetzt. Karten-Skimming wird so praktisch unmöglich.
Hinzu kommt die biometrische Absicherung. Wer sein Smartphone mit Gesichtserkennung oder Fingerabdruck schützt, hat eine zusätzliche Hürde gegen Missbrauch eingebaut. Und sollte das Gerät verloren gehen? Lässt es sich aus der Ferne löschen. Eine verlorene Kreditkarte hingegen muss manuell gesperrt werden – und bis dahin können Betrüger bereits zugreifen.
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Doch die Technik hat eine Schwachstelle: das Internet. Eine aktuelle Studie zum digitalen Reiseverhalten in Deutschland zeigt: Zwei Drittel der Urlauber nutzen öffentliche WLAN-Netze im Ausland. Aber nur sechs Prozent verwenden dabei ein VPN. Branchenzahlen zufolge hat bereits jeder vierte Reisende einen Sicherheitsvorfall erlebt – häufig über sogenannte „Evil Twin"-Netzwerke oder Man-in-the-Middle-Angriffe. Die Devise der Experten: Automatische Verbindungen deaktivieren, keine Bankgeschäfte oder Buchungen über öffentliche Netze tätigen.
Europa baut eigene Bezahlsysteme auf
Die Zahlungsbranche durchläuft einen grundlegenden Wandel. Europa will unabhängiger von US-Netzwerken werden. Aktuell laufen rund 77 Prozent des digitalen Zahlungsverkehrs in Europa über Visa oder Mastercard. Das soll sich ändern.
Die Europäische Zahlungsinitiative hat mit „Wero" bereits 53 Millionen Nutzer in Deutschland, Frankreich und Belgien erreicht. Bis Ende 2026 soll das System auf Händlerzahlungen ausgeweitet werden, 2027 dann an die physischen Kassen kommen. Parallel dazu arbeitet die Europäische Zentralbank am digitalen Euro – allerdings wird dieser frühestens 2029 eingeführt.
Auch private Investoren wittern Chancen. Das Startup Karta hat sich in einer Series-A-Finanzierungsrunde unter Führung von Galaxy Ventures umgerechnet rund 14 Millionen Euro gesichert. Das Unternehmen bietet Premium-Kreditkarten für vermögende Privatpersonen und verzeichnete 2025 sowie im ersten Quartal 2026 deutliches Wachstum.
Betrugswelle: Falsche Tickets und ĂĽberteuerte Visa
Die Behörden schlagen Alarm: Reisebetrug nimmt massiv zu. In Deutschland warnen Verbraucherzentralen vor „abzockenden" privaten Websites, die Reisegenehmigungen wie das US-ESTA oder die britische ETA zu überhöhten Preisen anbieten. Die offizielle Gebühr für die UK ETA liegt bei umgerechnet rund 23 Euro – private Anbieter verlangen ein Vielfaches.
In Asien hat Thailand ähnliche Warnungen ausgesprochen wie bereits andere Länder der Region. Betrüger zielen gezielt auf Touristen ab, die nach Südkorea reisen wollen. Die Maschen: gefälschte K-Pop-Konzerttickets und illegale Flugbuchungen. Die Behörden raten, ausschließlich offizielle Kanäle zu nutzen.
Auch Sicherheitswarnungen der Regierungen mehren sich. Die US-Botschaft hat eine Reisewarnung für Trinidad und Tobago herausgegeben. Hintergrund: Der dortige Ausnahmezustand wegen Kriminalität wurde um drei Monate verlängert und gilt voraussichtlich bis zum 17. September 2026. Wegen ausgesetzter Rechtsgarantien und hoher Gewaltkriminalität raten die Behörden von Reisen in die Region ab.
