Reizdarm-Studie: 26 Teilnehmende vertrugen neue Ballaststoffmischung ohne Verschlechterung
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 16:26 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Reizdarmsyndrom betrifft SchĂ€tzungen zufolge zwischen 4 und 10 Prozent der Menschen weltweit. FĂŒr viele Patienten stellt die Zufuhr von Ballaststoffen eine therapeutische Herausforderung dar: WĂ€hrend Pflanzenfasern die Darmgesundheit fördern können, lösen sie bei empfindlichen Personen hĂ€ufig Beschwerden wie BlĂ€hungen, Schmerzen oder Verdauungsstörungen aus.
Eine Pilotstudie der australischen Edith Cowan University vom 21. Oktober 2026 liefert neue Erkenntnisse darĂŒber, wie bestimmte Faserkombinationen die Mikrobiota beeinflussen, ohne zusĂ€tzliche Symptome hervorzurufen.
Ergebnisse der Pilotstudie aus Australien
Im Mittelpunkt der Untersuchung an der Edith Cowan University stand eine patentierte Ballaststoffmischung namens âur gut", die von derselben Forschungsgruppe entwickelt worden war. Das PrĂ€parat kombiniert hochamylosige resistente StĂ€rke mit Flohsamen (Psyllium).
WÀhrend resistente StÀrke Darmbakterien als Substrat dient und bei der Fermentation vermehrt Gase bilden kann, soll der Zusatz von Flohsamen diesen Prozess verlangsamen. Der genaue Mechanismus, wonach Flohsamen der resistenten StÀrke helfen soll, den Dickdarm zu erreichen, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht bestÀtigt.
An der im European Journal of Nutrition veröffentlichten, randomisierten Doppelblindstudie nahmen Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren teil, die unter dem Reizdarmsyndrom litten und sich seit mindestens einem Monat fermentierungsarm im Rahmen einer Low-FODMAP-DiÀt ernÀhrten.
Insgesamt 26 Personen schlossen die Untersuchung nach drei Wochen ab â jeweils 13 in der Interventionsgruppe sowie 13 in der Kontrollgruppe, die ein Placebo aus Maismehl und Flohsamen erhielt. Beide Gruppen steigerten ihre Tagesdosis ĂŒber einen Zeitraum von elf Tagen schrittweise von 5 Gramm auf 40 Gramm.
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Ăber die dreiwöchige Dauer blieben Schmerzen, BlĂ€hungen, Durchfall und Verstopfung in beiden Gruppen stabil, sodass keine Symptomverschlechterung eintrat. Ebenso verĂ€nderten sich der Schweregrad der Beschwerden, die SchlafqualitĂ€t und die allgemeine ErnĂ€hrungsqualitĂ€t nicht.
In der Gruppe mit der Fasermischung stieg die Aufnahme resistenter StÀrke, wodurch die empfohlene Gesamtballaststoffmenge erreicht wurde. Zugleich verÀnderte sich die Gesamtzusammensetzung der Darmmikrobiota: Die relative HÀufigkeit der Bakterienarten Prevotella und Ruminococcus E nahm zu, wobei fast alle Teilnehmenden der Interventionsgruppe einen Anstieg von Ruminococcus E verzeichneten.
Zudem sank die gastrointestinal spezifische Angst vor Verdauungssymptomen. Keine VerÀnderungen zeigten sich hingegen bei Blutmarkern sowie den kurzkettigen FettsÀuren im Stuhl.
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Die Aussagekraft der Daten unterliegt methodischen EinschrÀnkungen. Neben der kurzen Dauer von drei Wochen und der geringen Teilnehmerzahl von 26 Personen nahmen lediglich drei MÀnner an der Studie teil.
Die Auswertung erfolgte ausschlieĂlich unter den AbschlieĂenden, zudem ging die statistische Signifikanz nach Korrekturen fĂŒr Mehrfachvergleiche teilweise verloren. Eine Tagesdosis von 40 Gramm ist zudem nicht zwingend fĂŒr alle Betroffenen geeignet.
Erkenntnisse britischer Forschender und therapeutische Einordnung
ErgĂ€nzend zu diesen Beobachtungen untersuchten britische Forschende den Einsatz einer gezielt fĂŒr die Darmmikrobiota konzipierten Ballaststoffmischung bei Reizdarmpatienten. Diese Studie verzeichnete Verbesserungen sowohl bei den Gesamtsymptomen als auch spezifisch bei Bauchschmerzen und BlĂ€hungen, begleitet von VerĂ€nderungen der Mikrobiota-Zusammensetzung und der Metaboliten.
Den britischen Wissenschaftlern zufolge könne die Kombination mehrerer Fasern das Mikrobiom stabiler regulieren als eine Einzelfaser. Dies stelle einen denkbaren Ansatz fĂŒr Personen dar, bei denen herkömmliche Ballaststoffe Beschwerden verstĂ€rken. FĂŒr eine Empfehlung als Standardtherapie reichen die aktuellen Daten jedoch nicht aus.
Da das Reizdarmsyndrom erhebliche individuelle Unterschiede aufweist â darunter Diarrhö-, Verstopfungs- und Mischtypen â, mĂŒssen Langzeitwirkungen sowie die Ăberlegenheit gegenĂŒber etablierten DiĂ€ten oder medikamentösen Behandlungen in gröĂeren klinischen Studien geprĂŒft werden.
