Rente, Millionen

Rente ab Juli: 21 Millionen Rentner erhalten 4,24 Prozent Plus

27.06.2026 - 09:09:33 | boerse-global.de

Bundesregierung plant umfassende Sozialreformen. Neues Altersvorsorgedepot ab 2027, Elterngeld wird gekürzt, Renten steigen im Juli.

Sozialreformen 2027: Neue Regeln für Elterngeld, Rente und Vorsorge
Rente - Eine Familie (Eltern und zwei Kinder) sitzt in einem hellen Wohnzimmer und bespricht Finanzdokumente, die auf einem Tisch liegen. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Einige Änderungen treten bereits zum Jahreswechsel 2027 in Kraft.

Elterngeld: Wer künftig weniger bekommt

Das Bundesfamilienministerium unter Karin Prien will die Bezugsdauer des Elterngeldes neu regeln. Die volle Förderung von 14 Monaten soll es künftig nur geben, wenn beide Elternteile jeweils sieben Monate übernehmen. Bisher war eine Aufteilung von 12 zu 2 Monaten üblich.

Die Maßnahme ist Teil eines Sparkurses: Der Haushalt 2027 soll rund 500 Millionen Euro einsparen. Die grundlegenden Parameter bleiben bestehen: Die Lohnersatzrate liegt weiter bei 65 Prozent des Nettoeinkommens, gedeckelt auf 1.800 Euro monatlich. Die Einkommensgrenze für den Anspruch bleibt bei 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen.

Ein Koalitionsausschuss soll Anfang Juli 2026 über die Neuregelung beraten.

Altersvorsorge: Das Riester-Nachfolgemodell kommt

Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 dem Altersvorsorgereformgesetz zu. Ab dem 1. Januar 2027 steht ein neues Altersvorsorgedepot bereit. Es gibt drei Varianten: Depots ohne Beitragsgarantie, mit 80-prozentiger oder mit 100-prozentiger Garantie.

Die staatliche Förderung wird neu ausgerichtet. Geplant ist eine Grundzulage von bis zu 540 Euro bei einem jährlichen Eigenbeitrag von 1.800 Euro. Gutverdiener mit einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent könnten zusätzliche Steuervorteile von rund 443 Euro erhalten. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz.

Das Modell erlaubt Einzahlungen von bis zu 14.040 Euro pro Jahr – sofern zwei Depots geführt werden. Branchenanalysten rechnen vor: Bei einer angenommenen Rendite von 6,5 Prozent über 30 Jahre ließen sich erhebliche Kapitalstöcke aufbauen.

Rente: Plus im Juli und grundlegende Reformdebatte

Rund 21 Millionen Rentner erhalten ab Juli 2026 ein Plus von 4,24 Prozent. Bei einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren sind das monatlich etwa 77,85 Euro mehr.

Parallel zur kurzfristigen Erhöhung diskutiert die Politik über die langfristige Stabilität des Systems. Eine Rentenkommission legte im Juni 2026 einen Katalog mit 33 Reformvorschlägen vor. Ein Kernpunkt: Die Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung im Verhältnis 2:1 nach dem Jahr 2031.

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Vorgeschlagen wird zudem eine sogenannte Schutzrente, die die bisherige „Rente mit 63“ ersetzen soll. Kontrovers diskutiert wird der Entwurf der DGB-Rentenkommission. Er fordert ein Rentenniveau von 50 bis 53 Prozent und eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge mit einem zweiprozentigen Arbeitgeberbeitrag.

Marktexperten des DIW bewerten das Regierungskonzept als ausgewogen. Sie mahnen jedoch Unsicherheiten bei der geplanten Kapitalrente an und bringen eine Sonderabgabe für hohe Alterseinkünfte ins Gespräch.

Pflege: Höhere Hürden, mehr Belastung für Angehörige?

Gesundheitsministerin Warken hat einen Reformvorschlag vorgelegt, der unter anderem höhere Einstiegshürden für Pflegegrade vorsieht. Kritiker aus dem Pflegerat warnen vor einer zunehmenden Mehrbelastung für pflegende Angehörige. Auch Einschränkungen bei den Rentenansprüchen für Pflegeleistungen sind im Gespräch.

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Ein geplantes Familienpflegegeld als Lohnersatzleistung in Höhe von 65 Prozent des Nettoeinkommens befindet sich noch in der Abstimmung. Es wird frühestens für 2027 erwartet.

Kindervorsorge: Kombinierte Lösungen im Trend

Für die Absicherung von Kindern gewinnen fondsgebundene Rentenversicherungen an Bedeutung. Sie werden zunehmend mit Optionen zur Berufsunfähigkeitsabsicherung (BU) verknüpft.

Die Versicherungswirtschaft bietet unterschiedliche Deckelungssummen. Die LV 1871 ermöglicht Rentenhöhen von bis zu 2.000 Euro monatlich, die Baloise Absicherungspotenziale von bis zu 7.500 Euro. Branchenkenner betonen: Frühzeitige Vertragsabschlüsse sichern Gesundheitsprüfungen und Beitragsstrukturen langfristig.

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