Renteneintritt, Arbeitnehmer

Renteneintritt: Ältere Arbeitnehmer scheitern – 10,5% arbeitslos

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In beiden Ländern stoßen längere Beitragszeiten auf Kritik, weil ältere Beschäftigte geringere Jobchancen haben und Ausbildungswege später beginnen.

Pensionsdebatte in Ă–sterreich und Deutschland: Neue HĂĽrden umstritten
Ein minimalistischer, sonnendurchfluteter BĂĽroraum mit klaren Linien und Schattenwurf, der eine ruhige Arbeitsumgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion um höhere Hürden beim Pensionsantritt beschäftigt derzeit sowohl Österreich als auch Deutschland. In Österreich hat PVÖ-Präsidentin Gerstorfer einen Vorschlag zurückgewiesen, wonach künftig 40 Beitragsjahre Voraussetzung für eine Vollpension sein sollen.

Dieser Vorschlag von Korosec wurde im Seniorenrat nicht akkordiert. Gerstorfer fordert stattdessen, keine neuen HĂĽrden aufzubauen, sondern die Finanzierung der Pensionen breiter aufzustellen.

Ă–sterreich: Warnung vor neuen HĂĽrden

Gerstorfer verweist auf mehrere Entwicklungen, die aus ihrer Sicht gegen eine reine Verlängerung der Beitragsjahre sprechen. So ist die Arbeitslosenquote der Frauen zwischen 60 und 64 Jahren 2025 auf 7,2 Prozent gestiegen, ein Plus von 1,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Laut Arbeitsmarktservice hängt dieser Anstieg auch mit der Anhebung des Frauenpensionsalters zusammen.

Insgesamt lag die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen 2025 bei 10,5 Prozent. Hinzu kommt, dass nur rund 19 Prozent der österreichischen Betriebe überhaupt mindestens eine Person ab 60 Jahren beschäftigen – ein Hinweis darauf, dass längere Erwerbsbiografien in der Praxis auf begrenzte Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer treffen.

Auch die längeren Ausbildungswege spielen laut Gerstorfer eine Rolle: Das Medianalter bei einem Masterabschluss liegt bei 27,4 Jahren, bei einem Doktorat bei 32,1 Jahren. Wer erst spät ins Erwerbsleben eintritt, hat es entsprechend schwerer, lange Beitragszeiten zu erreichen. Zur Einordnung: Im österreichischen Pensionskonto werden je Versicherungsjahr 1,78 Prozent der Beitragsgrundlage gutgeschrieben.

Die Regelungen wurden bereits in den vergangenen Jahren verschärft. Seit 1. Jänner 2026 gilt in Österreich eine neue Teilpension. Bei der Korridorpension wurde das Antrittsalter von 62 auf 63 Jahre angehoben, die notwendige Versicherungsdauer von 40 auf 42 Jahre. Vor diesem Hintergrund lehnt Gerstorfer eine weitere Verschärfung in Form eines pauschalen 40-Jahre-Erfordernisses für die Vollpension ab.

Deutschland: Ähnliche Debatte um abschlagsfreie Rente

Eine vergleichbare Auseinandersetzung läuft in Deutschland um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, die aktuell mit 64,5 Jahren möglich ist und umgangssprachlich als „Rente mit 63“ bekannt ist.

Ihre Abschaffung ist Kernpunkt der geplanten schwarz-roten Rentenreform und geht auf einen Vorschlag der Alterssicherungskommission zurück. Die Kommission empfiehlt, die Regelung nach § 38 SGB VI abzuschaffen und lehnt eine reine Beitragsjahre-Rente ab.

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Wer mit 60 noch im Erwerbsleben steht, merkt es zuerst: Die Arbeitslosenquote der 60- bis 64-Jährigen lag 2025 bei 10,5 Prozent, und nur rund 19 Prozent der Betriebe beschäftigen überhaupt jemanden ab 60. Wer seine Beitragsjahre kennt, kann früher gegensteuern. Kostenlosen Leitfaden zu Beitragsjahren und Pensionskonto anfordern

Stattdessen soll ein neuer Zugang mit mindestens 35 Versicherungsjahren und GesundheitsprĂĽfung gelten, abschlagsfrei zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze. 2025 lag die durchschnittliche Zugangsrente bei 1.677 Euro; die Kommission beziffert die Einsparung auf rund 430 Millionen Euro je Rentenjahrgang.

Die SPD-Fraktion Baden-Württemberg unter Fraktionschef Sascha Binder will demgegenüber die abschlagsfreie Rente um fünf Jahre verlängern, um den Wandel in der Autoindustrie abzufedern – für Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren, die von erheblichem transformationsbedingtem Personalabbau betroffen sind, nach vorheriger Prüfung von Arbeitsplatzerhalt, Qualifizierung oder neuer Vermittlung. SPD-Chefin Bas zeigte sich offen für eine Übergangszeit von etwa fünf Jahren, während CDU-Fraktionschef Frei eine kürzere Übergangsphase bevorzugt.

Der Verband Die Familienunternehmer warnt dagegen, dass Übergangsfristen, Vertrauensschutz und Ausnahmen die Reform zur Symbolpolitik machen könnten. Präsidentin Ostermann argumentiert, die geburtenstarken Jahrgänge, die von Übergangsregelungen profitieren sollen, seien genau jene, deren Verrentung die Reform erst notwendig mache.

Die Rente mit 63 habe Fachkräfte zum früheren Austritt motiviert und die Belastung für Beitragszahler und jüngere Generationen erhöht. Der Verband fordert, das Rentenpaket vollständig umzusetzen.

Finanzielle Auswirkungen bei Wegfall der Regelung

Bei einem Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren wĂĽrde laut Alterssicherungskommission ein Abschlag von 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat greifen, bei 24 Monaten also dauerhaft 7,2 Prozent.

Bei einer Bruttorente von 1.000 Euro entspräche das 72 Euro weniger im Monat, bei 1.800 Euro rund 130 Euro. Zusätzlich soll das Zugangsalter für die Rente für langjährig Versicherte (35 Jahre, ab 63) von 63 auf 64 Jahre steigen und ab 2031 mit der Regelaltersgrenze mitwachsen.

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In Deutschland steht die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren zur Debatte: Bei einem Wegfall drohen 0,3 Prozent Abschlag pro vorgezogenem Monat, bei 24 Monaten dauerhaft 7,2 Prozent. Wer die geplanten Zugangsregeln kennt, kann seine letzten Jahre planbar aufstellen. Leitfaden zu Teilpension und Korridorpension sichern

Im Gespräch ist zudem eine Schutzrente mit mindestens 35 Versicherungsjahren plus Gesundheitsprüfung sowie eine Anhebung des Mindestalters für die Altersteilzeit von 55 auf 58 Jahre. Ein für September angekündigter Gesetzentwurf lag bislang nicht vor.

Beide Debatten – die österreichische um zusätzliche Beitragsjahre für die Vollpension und die deutsche um die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren – zeigen ein gemeinsames Muster: Reformpläne zur Verlängerung von Erwerbsbiografien treffen auf Bedenken, dass ältere Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt schlechtere Chancen haben und spätere Ausbildungswege längere Beitragszeiten erschweren.

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