Renteneintritt: Ăber 60-JĂ€hrige 20 Tage krank â lĂ€ngeres Arbeiten fraglich
Veröffentlicht am: 04.06.2026 um 23:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: WĂŒrde die abschlagsfreie Rente mit 63 abgeschafft, könnte der Staat pro Rentnerjahrgang rund 9,5 Milliarden Euro sparen. Die Rentenversicherung wĂŒrde um 10,4 Milliarden Euro entlastet, bei Steuern und Sozialabgaben stĂŒnden Mindereinnahmen von etwa 860 Millionen Euro gegenĂŒber. Die Bertelsmann-Stiftung hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben.
ZusÀtzliche ArbeitskrÀfte durch spÀtere Verrentung
Neben den finanziellen Effekten hebt die Studie die Arbeitsmarkt-Wirkung hervor. Rund 125.000 zusĂ€tzliche VollzeitkrĂ€fte könnten mobilisiert werden, weil Betroffene ihren Renteneintritt im Schnitt um zehn Monate verschieben wĂŒrden. Derzeit nutzen jĂ€hrlich zwischen 250.000 und 280.000 Menschen die Rente mit 63 ohne AbschlĂ€ge.
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Die Autoren betonen aber: Bei einer Neuregelung mĂŒssten Ausnahmen fĂŒr HĂ€rtefĂ€lle erhalten bleiben.
Hallesches Modell: Flexibler Renteneintritt zwischen 65 und 70
Parallel dazu schlagen Ăkonomen der UniversitĂ€t Halle-Wittenberg ein alternatives Konzept vor. Versicherte sollen ihren Renteneintritt individuell zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr wĂ€hlen können â und die Entscheidung alle fĂŒnf Jahre anpassen.
Der Beitragssatz wÀre direkt an das gewÀhlte Alter gekoppelt: Bei Rente mit 70 Jahren lÀge er bei 14,5 Prozent, bei Renteneintritt mit 65 bei 21,7 Prozent. Zum Vergleich: Der aktuelle Satz betrÀgt 18,6 Prozent. Ziel ist es, das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent zu halten.
Die IHK Halle-Dessau unterstĂŒtzt das âHallesche Wahlrentenmodellâ. IHK-PrĂ€sident Sascha GlĂ€Ăer warnt: âEine Fixierung auf starre Altersgrenzen fĂŒhrt in eine Sackgasse.â Nötig seien Ausgleichsmechanismen fĂŒr körperlich belastende Berufe.
Rentenalter 70: Experte fordert schnelle Umsetzung
Der Rentenexperte Bernd RaffelhĂŒschen geht noch weiter. Er spricht sich fĂŒr eine Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 70 Jahre aus â wirksam spĂ€testens ab 2030. Seine BegrĂŒndung: Die Babyboomer-Generation habe das Problem mitverursacht und mĂŒsse daher in die Lösung einbezogen werden. RaffelhĂŒschen verweist auf skandinavische Modelle, die das Rentenalter an die durchschnittliche Lebenserwartung koppeln.
Politik gespalten: CDU zeigt Offenheit, SPD lehnt ab
Die politischen Reaktionen sind geteilt. CDU-Politiker wie Thorsten Frei und Katherina Reiche signalisieren GesprÀchsbereitschaft. SPD und Gewerkschaften lehnen eine weitere Anhebung des Rentenalters dagegen strikt ab.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte in einer Diskussion: Ohne Reform könnten die Sozialabgaben bis 2040 auf 50 Prozent steigen. Die Bundesregierung will bis zur Sommerpause ein Reformpaket vorlegen. Eine Rentenkommission soll Ende Juni konkrete VorschlÀge prÀsentieren.
GesundheitshĂŒrden: Ăltere Arbeitnehmer hĂ€ufiger krank
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Doch wie realistisch ist lĂ€ngeres Arbeiten? Daten aus betriebsmedizinischen Untersuchungen zeigen: Das tatsĂ€chliche Renteneintrittsalter lag 2024 bei 64,7 Jahren â unter der Regelaltersgrenze von 66,2 Jahren.
Krankenkassen-Berichte fĂŒr 2025 belegen die gesundheitlichen HĂŒrden: Ăber 60-JĂ€hrige waren im Schnitt 20 Tage krankgeschrieben, der Gesamtdurchschnitt liegt bei 9,8 Tagen. Besonders Langzeiterkrankungen betreffen Ă€ltere Arbeitnehmer.
Fachleute fordern daher mehr betriebsĂ€rztliche Betreuung, ein engmaschiges Monitoring ab 55 und verstĂ€rkte PrĂ€ventionsmaĂnahmen. Nur so lieĂe sich die ArbeitsfĂ€higkeit bis ins höhere Alter sichern.
