Rentner im Visier: 626.555 Spam-Anrufe im Juni – 19,5% Anstieg
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 15:29 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine massive Betrugswelle zielt gezielt auf Senioren ab. Die Täter nutzen Künstliche Intelligenz für täuschend echte Mails und Videos – und erbeuten Millionen.
So tricksen die BetrĂĽger mit KI
Die Masche ist perfide: Kriminelle verschicken Phishing-Mails, deren Sprachstil kaum noch von echten Schreiben der Rentenversicherung zu unterscheiden ist. KI macht's möglich. In den Nachrichten fordern sie Rentner auf, persönliche Daten preiszugeben.
Noch dreister sind gefälschte Deepfake-Videos. Sie behaupten, bis August müsse ein „Lebensnachweis“ erbracht werden – sonst drohe der Zahlungsstopp. Ein Schock für viele Ältere.
Auch am Telefon wird der Ton aggressiver. Die Anrufer drohen mit Rentenkürzungen, wenn nicht sofort gezahlt wird. Die Behörden stellen klar: Die DRV fordert niemals Daten oder Geld per Mail oder Telefon.
Die Welle kommt nicht von ungefähr. Seit dem 1. Juli steigen die Renten um 4,24 Prozent. Mehr Geld bedeutet für viele: Sie rutschen über den steuerlichen Grundfreibetrag von 12.348 Euro. Die Verunsicherung ist groß – und genau das nutzen die Betrüger aus.
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Millionenschäden durch Deepfakes und Schockanrufe
Die Folgen sind dramatisch. In Sachsen verlor eine Frau über eine Million Euro. Sie fiel auf ein Deepfake-Video herein, das eine angebliche Finanzexpertin zeigte. Die versprach hohe Renditen mit Gold, Öl und Kryptowährungen auf der Plattform „Investhub 3.0“. Die Kriminalpolizei Chemnitz ermittelt seit Anfang Juli.
Auch klassische Schockanrufe hinterlassen eine Spur der VerwĂĽstung:
- In Karlsruhe ĂĽbergab ein Ehepaar Bargeld und Schmuck im Wert mehrerer Hunderttausend Euro.
- Ein 94-Jähriger in Stuttgart verlor Gold im fünfstelligen Wert.
- Eine Seniorin in Oberösterreich wurde um fast eine Million Euro betrogen.
- In Landstuhl ergaunerte eine falsche Polizistin einen fĂĽnfstelligen Betrag.
Die Zahlen belegen das Ausmaß: Der Dienst Clever Dialer registrierte im Juni 626.555 Spam-Anrufe – ein Anstieg von 19,5 Prozent zum Vormonat. Besonders häufig taucht die Düsseldorfer Vorwahl 0211 auf. Die Anrufer geben sich als Bankmitarbeiter, Energieversorger oder Datenschützer aus.
Werden persönliche Konten erst einmal gehackt, drohen oft massive finanzielle Schäden durch Identitätsdiebstahl. Experten raten deshalb dazu, unsichere Passwörter durch neue Technologien zu ersetzen, die Hackern keine Chance mehr lassen. Kostenlosen Report: Sicher und passwortlos anmelden lesen
Was Sie jetzt tun können
Die Polizei rät: Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Im Zweifel gilt: Auflegen. Banken fordern niemals telefonisch zu Überweisungen auf.
Die Rentenversicherung hat ein kostenfreies Servicetelefon eingerichtet: 0800 1000 4800. Hier können Sie Schreiben verifizieren lassen.
Experten empfehlen zudem, verdächtige Rufnummern über spezialisierte Portale oder Apps zu prüfen und direkt im Smartphone zu blockieren. Bei unrealistischen Renditeversprechen im Internet gilt: Finger weg – solange der Anbieter nicht zweifelsfrei verifiziert ist.
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