Resistente, Hypertonie

Resistente Hypertonie: Meta-Analyse vergleicht 12 Therapien bei 8.648 Patienten

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Leitlinien erweitern Therapieoptionen und senken die Schwelle fĂŒr erhöhten Blutdruck auf 130/80 mmHg.
Ein glĂ€sernes LaborgefĂ€ĂŸ mit einer klaren FlĂŒssigkeit in einer sterilen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck steht vor methodischen Neuerungen. Im Mai 2026 erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung fĂŒr Baxdrostat unter dem Handelsnamen Baxfendy von AstraZeneca.

Das PrĂ€parat ist als Zusatztherapie fĂŒr Erwachsene mit unkontrollierter Hypertonie vorgesehen und fungiert als weltweit erster hochselektiver Aldosteron-Synthase-Hemmer. Die Behörde stufte das Mittel ausdrĂŒcklich nicht als Ersatz fĂŒr bestehende Antihypertensiva ein, sondern als ergĂ€nzende Behandlungsoption bei unzureichender Blutdruckkontrolle.

Regulatorische Schritte und klinische Studiendaten

Bereits vor der Entscheidung der FDA hatte das Emirates Drug Establishment in den Vereinigten Arabischen Emiraten Baxfendy als erstes Land weltweit genehmigt. Zugelassen wurden dort Dosierungen von 1 mg und 2 mg als Zusatztherapie fĂŒr Erwachsene, deren Blutdruck trotz einer bestehenden Standardtherapie unkontrolliert bleibt. Nach Angaben der dortigen Regulierungsbehörden ist etwa jeder dritte Erwachsene in den VAE von Bluthochdruck betroffen.

Der Wirkmechanismus beruht auf der gezielten Hemmung eines Enzyms, das fĂŒr die Produktion von Aldosteron verantwortlich ist. Die Zulassung in den VAE stĂŒtzt sich auf Ergebnisse der klinischen Phase-III-Studien BaxHTN und Bax24, in denen eine statistisch signifikante Senkung des Blutdrucks nachgewiesen wurde.

Meta-Analyse zur Wirksamkeit bei resistenter Hypertonie

Die Einordnung der neuen Substanzklasse wird durch eine in der Fachzeitschrift JACC: Advances veröffentlichte Meta-Analyse gestĂŒtzt. Diese umfasste 35 randomisierte Studien mit 8.648 Patienten und 12 untersuchten Therapieformen. In der Gesamtschau ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Zusatztherapien bei resistenter Hypertonie.

Im Vergleich zur jeweiligen Ausgangstherapie senkte Spironolacton den systolischen BĂŒro-Blutdruck um ?12,43 mm Hg (95%-KI ?17,68 bis ?7,18; CINeMA moderat), wĂ€hrend die radiofrequente renale Denervation eine Verringerung um ?8,74 mm Hg (95%-KI ?12,96 bis ?4,52; CINeMA moderat) erzielte.

In direkten Paarvergleichen zeigten sich Aprocitentan, Baxdrostat und Darusentan der Ausgangstherapie ĂŒberlegen. Die Autoren der Meta-Analyse hielten fest, dass Spironolacton, Baxdrostat sowie die renale Denervation durch eine konsistente Evidenz gestĂŒtzt werden.

Anpassung der internationalen Behandlungsleitlinien

Die therapeutischen Entwicklungen spiegeln sich in den neuen globalen Leitlinien der Internationalen Hochdruckgesellschaft wider, die am 24. Oktober 2026 in Dubai vorgestellt und im Journal of Hypertension publiziert wurden.

Erarbeitet wurden sie von 13 Autoren und 24 Experten aus 23 LĂ€ndern. Die Leitlinien definieren die Kategorie eines erhöhten Blutdrucks neu bei Werten von systolisch 130–139 mmHg oder diastolisch 80–89 mmHg; zuvor lag der diastolische Schwellenwert bei 85–89 mmHg.

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Bei bestĂ€tigten erhöhten Werten und niedrigem kardiovaskulĂ€rem Risiko sehen die Richtlinien eine medikamentöse Therapie vor, falls nach drei Monaten LebensstilĂ€nderung keine Senkung eintritt. Der Zielwert von unter 130/80 mmHg gilt nun breiter und schließt viele Ă€ltere Personen ein.

Eine Individualisierung wird ab einem Alter von 85 Jahren, bei FragilitĂ€t, orthostatischer Hypotonie oder begrenzter Lebenserwartung empfohlen. Als Standardmethode fĂŒr die Kontrolle ist das Heimmonitoring vorgesehen.

Zudem benennen die Leitlinien neue Wirkstoffklassen, darunter Aldosteronsynthase-Inhibitoren und Endothelin-Rezeptor-Antagonisten, sowie die renale Denervation bei therapierefraktÀren VerlÀufen.

Ebenso wird die Einbindung nichtÀrztlicher FachkrÀfte aus Pflege und Apotheken empfohlen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation fordern Bluthochdruckerkrankungen jÀhrlich etwa 11 Millionen TodesfÀlle weltweit.

Rund 1,4 Milliarden Menschen im Alter von 30 bis 79 Jahren sind betroffen, was einer Verdopplung seit 1990 entspricht. Bis 2030 wird ein Anstieg auf ĂŒber 1,5 Milliarden prognostiziert, wĂ€hrend gegenwĂ€rtig lediglich 20 Prozent der Betroffenen Werte von unter 140/90 mmHg erreichen.

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Differenzierung zu bestehenden Aldosteron-Antagonisten

Neben den neuen Inhibitoren der Aldosteronbildung bleiben selektive Aldosteronrezeptorantagonisten wie Eplerenon relevant. Eplerenon bewirkt eine Blutdrucksenkung ĂŒber eine gesteigerte Natrium- und Wasserausscheidung und wird als Zusatztherapie bei therapieresistenter Hypertonie genutzt, insbesondere bei vorliegender HyperaldosteronĂ€mie wie dem primĂ€ren Hyperaldosteronismus.

Die Anwendung beginnt ĂŒblicherweise mit einer Dosierung von 50 mg einmal tĂ€glich und kann je nach Ansprechen und VertrĂ€glichkeit auf 50 mg zweimal tĂ€glich angepasst werden. Wegen des Risikos einer HyperkaliĂ€mie, insbesondere bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion oder gleichzeitiger Einnahme anderer kaliumsparender Substanzen, erfordert dieser Ansatz eine engmaschige Kontrolle des Serumkaliums.

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