Rheuma-Therapie: Nanopartikel senken Gelenkdurchmesser auf 0,66 cm
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medikamentöse Behandlung von Gelenkentzündungen steht vor der Herausforderung, Wirkstoffe gezielt an den Entzündungsherd zu transportieren und gleichzeitig systemische Nebenwirkungen zu minimieren.
Einem Bericht vom 25. September 2026 zufolge haben Wissenschaftler der Riphah International University Islamabad und der Hanyang University Ansan in einer im Journal of Pharmaceutical Investigation veröffentlichten Studie (DOI 10.1007/s40005-026-00833-2) einen neuen Ansatz untersucht.
Im Fokus stehen mit Hyaluronsäure beschichtete Solid-Lipid-Nanopartikel (SLNs), die eine Kombination aus dem konventionellen Rheumamittel Methotrexat (MTX) und dem pflanzlichen Wirkstoff Curcumin transportieren.
Gezielte Wirkstofffreisetzung durch nanotechnologische Beschichtung
Die Forscher entwickelten zunächst unbeschichtete Nanopartikel, die eine Größe von 111,4 Nanometern und ein Zeta-Potenzial von +26 mV aufwiesen. In diesen Partikeln konnten 91 Prozent des eingesetzten Methotrexats und 77 Prozent des Curcumins verkapselt werden.
Um die Stabilität und Zielgenauigkeit zu erhöhen, erfolgte eine Beschichtung mit Hyaluronsäure. Diese modifizierten Partikel wiesen eine Größe von etwa 160 Nanometern auf, wobei sich das Zeta-Potenzial auf -22,5 mV änderte.
Durch die Beschichtung konnte laut den Studienergebnissen eine langsamere und damit potenziell kontrolliertere Freisetzung der Wirkstoffe erreicht werden. Dies ist insbesondere für die Behandlung chronisch-entzündlicher Prozesse relevant, da eine verstetigte Wirkstoffabgabe die Belastung für den Organismus senken kann.
Signifikante Reduktion von Entzündungssymptomen im Modellversuch
Die Wirksamkeit der Hyaluronsäure-beschichteten Nanopartikel wurde in einem Carrageenan-induzierten Arthritis-Modell an Ratten erprobt. Einem Bericht vom September 2026 zufolge zeigten sich dabei deutliche Unterschiede in der Reduktion von Gelenkschwellungen.
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Während unbehandelte Tiere einen Gelenkdurchmesser von 0,84 cm aufwiesen, führte die Behandlung mit konventionellem Methotrexat zu einer Reduktion auf 0,79 cm. Die Gruppe, die mit den neu entwickelten HA-Nanopartikeln behandelt wurde, verzeichnete hingegen einen Rückgang des Gelenkdurchmessers auf 0,66 cm.
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betraf die Verträglichkeit. Die Kombination der Wirkstoffe in der Nanopartikel-Formulierung führte zu einer Reduktion der Leberenzymwerte ALT und AST im Vergleich zu den bei einer Methotrexat-Monotherapie üblichen Erwartungswerten. Dies deutet darauf hin, dass die gezielte Verabreichung die Lebertoxizität des Basismedikaments verringern könnte.
Als Limitation gaben die Forscher jedoch an, dass es sich um ein akutes Modell handelte und Erkenntnisse zur chronischen rheumatoiden Arthritis noch ausstehen.
Synergieeffekte und therapeutisches Potenzial von Curcumin
Das Potenzial von Curcumin, dem Wirkstoff aus der Wurzel von Curcuma longa, wird auch in anderen therapeutischen Kontexten analysiert. Das tschechische Unternehmen Lecebne konopi s.r.o weist darauf hin, dass Kombinationen von Curcumin mit anderen Stoffen, wie etwa Cannabidiol (CBD), synergistische Effekte erzielen können. Demnach hemmten beide Stoffe gemeinsam die Enzyme COX und LOX, was zu einer stärkeren entzündungshemmenden Wirkung führen könne.
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Zudem könne CBD die Bioverfügbarkeit von Curcumin steigern, indem es bestimmte Leberenzyme hemmt. Dies ist klinisch von Bedeutung, da Curcumin laut Untersuchungen der Universidade de Ribeirão Preto (Unaerp) und der University of Saskatchewan oft durch eine geringe Wasserlöslichkeit und Instabilität limitiert wird. In Deutschland leiden schätzungsweise 17 Millionen Menschen an Rheuma-Formen, was den Bedarf an verbesserten Therapieformen unterstreicht.
Weitere Forschungsfelder der Curcumin-Anwendung
Neben der Behandlung von Arthritis werden Curcuminoide auch in anderen medizinischen Bereichen untersucht. So wurde im Sommer 2026 über ein synthetisches Curcuminoid berichtet, das das Wachstum des Pilzerregers Trichophyton rubrum hemmt, ohne dabei toxisch auf Immunzellen zu wirken.
In der Onkologie deuten Analysen darauf hin, dass Curcumin die Wirkung von Immuncheckpoint-Inhibitoren unterstützen könnte, indem es beispielsweise bestimmte Immunzellen moduliert.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse im Nanopartikel-Modell der Riphah International University und der Hanyang University betonen Fachleute, dass weitere präklinische und klinische Sicherheitsuntersuchungen notwendig sind, bevor eine Anwendung am Menschen erfolgen kann. Insbesondere Wechselwirkungen mit bestehenden Medikamenten müssen dabei im Blick behalten werden.
