Rheumatoide, Arthritis

Rheumatoide Arthritis: Bei 24,4 Prozent bleiben Nervenschmerzen bestehen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung in Rabat ermittelte neuropathische Schmerzsymptome bei rund einem Viertel der behandelten RA- und SpA-Patienten.
Abstrakte Darstellung eines Nervensystems als fein verzweigtes, leuchtendes Netzwerk vor einem dunklen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Bei der Behandlung von chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen rückt die Vielschichtigkeit des Schmerzgeschehens zunehmend in den Fokus. Wie eine Querschnittsstudie der Rheumatologie am Mohammed V Military Teaching Hospital im marokkanischen Rabat zeigte, weisen viele Betroffene trotz moderner zielgerichteter Therapien neuropathische Schmerzsymptome auf.

Die Untersuchung, die im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. März 2026 an 155 Patienten unter einer Behandlung mit bDMARD oder tsDMARD durchgeführt wurde, umfasste 78 Personen mit rheumatoider Arthritis (RA) sowie 77 Personen mit Spondyloarthritis (SpA).

Ein Wert von mindestens 4 im DN4-Fragebogen (DN4 ?4), der als Indikator für neuropathische Schmerzen dient, lag bei 19 der RA-Patienten (24,4 Prozent) und bei 21 der SpA-Patienten (27,3 Prozent) vor. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Erkrankungsgruppen bestand dabei nicht (p=0,679).

Häufige Schmerzkomponente bei rheumatischen Erkrankungen

Rheumatischer Schmerz lässt sich selten auf einen einzelnen Entstehungsmechanismus reduzieren. Einer Fachübersicht der Medical Tribune zufolge umfasst er nozizeptive, entzündliche, neuropathische sowie noziplastische Prozesse nebeneinander.

Die Bedeutung von Nervenschmerzen im Rahmen chronischer Beschwerden ist insgesamt groß: Nach Angaben von Dr. Montserrat González Platas, Koordinatorin der Gruppe Neuropathischer Schmerz bei der Spanischen Neurologischen Gesellschaft (SEN), weisen über 60 Prozent der chronischen Schmerzpatienten eine neuropathische Komponente auf.

Weltweit sind schätzungsweise 7 bis 10 Prozent der Bevölkerung von neuropathischen Schmerzen betroffen. Vor diesem Hintergrund hat die International Association for the Study of Pain (IASP) das Jahr 2026 zum Weltjahr des neuropathischen Schmerzes erklärt.

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In Spanien beispielsweise klagen mehr als 30 Prozent der Bevölkerung über Schmerzen, wobei vor allem die Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen und zu 60 Prozent Frauen betroffen sind. 18 Prozent leiden an chronischen Schmerzen von mehr als drei Monaten Dauer, und über 5 Prozent haben täglich Schmerzen. Neuropathischer Schmerz betrifft dort mehr als 3 Millionen Menschen bei jährlich etwa 400.000 Neudiagnosen.

Hohe Krankheitslast und diagnostische Verzögerungen

Für die Betroffenen bringt die Nervenschmerzkomponente erhebliche Beeinträchtigungen mit sich. Nach Daten der SEN führt neuropathischer Schmerz bei 85 Prozent zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und bei 65 Prozent zu Aktivitätseinschränkungen. 60 Prozent der Patienten berichten über Schlafstörungen, 40 Prozent über Fatigue, 34 Prozent über Depressionen und 25 Prozent über Angstzustände.

Zudem sind 40 Prozent der Patienten bereits länger als fünf Jahre betroffen. Bei sechs von zehn Betroffenen verzögert sich die Diagnose um zwei oder mehr Jahre, und eine adäquate Schmerzlinderung wird bei weniger als 60 Prozent erreicht.

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Differenzierte Optionen in der medikamentösen Therapie

Die medikamentöse Schmerztherapie erfordert vor diesem Hintergrund eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken. Bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) gilt Ibuprofen in einer Dosis von maximal 1200 mg pro Tag als kardiovaskulär günstig.

Naproxen weist eine längere Halbwertszeit auf und gilt als das NSAID mit dem günstigsten kardiovaskulären Profil, während Diclofenac mit einem höheren kardiovaskulären Risiko assoziiert ist. Bei hohem gastrointestinalen Risiko bieten COX-2-selektive Wirkstoffe wie Celecoxib oder Etoricoxib Vorteile, gegebenenfalls kombiniert mit einem Protonenpumpeninhibitor.

Paracetamol mit einer Höchstdosis von 4 g täglich – bei älteren Personen oder Lebererkrankungen entsprechend weniger – gilt in Übersichten nicht mehr als Erstlinienoption. Metamizol dient als Alternative bei Kontraindikationen gegen NSAID, erfordert jedoch eine Beachtung des Risikos einer Agranulozytose. Opioide wie Tramadol sollten Fachleuten zufolge lediglich kurzzeitig und in der niedrigsten wirksamen Dosis angewendet werden.

Ergänzend bewirbt der Wirkstofflieferant nbinno.com Palmitoylethanolamid (PEA, Palmidrol), das Mast- und Gliazellen modulieren und den Abbau von Anandamid hemmen soll. Laut den Herstellerangaben führe der Stoff zu einer Schmerzreduktion und verbesserten Nervenfunktion bei Indikationen wie diabetischer Neuropathie, postzosterischer Neuralgie oder dem Karpaltunnelsyndrom, bei zumeist milden gastrointestinalen Nebenwirkungen.

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