Rheumatoide Arthritis: CAR-T-Zelltherapie bringt 90% Autoantikörper-Senkung
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung chronischer Schmerz- und Entzündungserkrankungen bleibt medizinisches Neuland mit vielen offenen Fragen. Mehrere aktuelle Forschungsarbeiten aus den Jahren 2024 bis 2026 zeigen jedoch, dass sich sowohl bei schwerkranken Patienten mit pulmonaler Hypertonie als auch bei rheumatoider Arthritis, chronischen Schmerzsyndromen und neurologischen Erkrankungen neue Behandlungswege abzeichnen – wenn auch mit unterschiedlich belastbarer Evidenz.
Inhalatives Treprostinil als Brücke zur Lungentransplantation
Eine Fallserie aus den Jahren 2024 und 2025 dokumentiert den Einsatz von inhaliertem Treprostinil bei sechs Patienten mit pulmonaler Hypertonie im Rahmen interstitieller Lungenerkrankungen (PH-ILD), median 52,5 Jahre alt, vor einer geplanten Lungentransplantation. Der mMRC-Dyspnoe-Score verbesserte sich im Mittel von Grad 4 auf Grad 3, bei zwei Patienten um jeweils eine Stufe.
Vier Patienten, die einen Wert von mindestens 8 bps erreichten, konnten von der ECMO entwöhnt werden. Alle sechs Patienten wurden letztlich erfolgreich aus der Klinik entlassen. Die Fallzahl ist klein, doch die Ergebnisse deuten darauf hin, dass inhalatives Treprostinil als überbrückende Therapie vor einer Transplantation eine Rolle spielen könnte.
Ergänzend weist ein Fachartikel zur Diagnostik der pulmonalen Hypertonie darauf hin, dass das Verhältnis von FEV1 zu DLCO helfen kann, schwere Verlaufsformen der PH bei COPD-Patienten frühzeitig zu erkennen.
Zelltherapie bei rheumatoider Arthritis: die COMPARE-Studie
An der Charité Berlin wurde im Rahmen der COMPARE-Studie eine CAR-T-Zelltherapie namens Miv-cel (gerichtet gegen CD19) bei sechs Patienten mit therapierefraktärer, seropositiver rheumatoider Arthritis untersucht.
Drei der Behandelten befanden sich bis zu zwölf Monate in anhaltender Remission ohne weitere Medikation, die Autoantikörperspiegel sanken um mehr als 90 Prozent. Der DAS28-CRP-Wert, ein zentraler Krankheitsaktivitätsindex, fiel bis Woche 24 um 49 Prozent und blieb bis zur letzten Nachbeobachtung um 34 Prozent reduziert.
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Vier Patienten erreichten eine DAS28-CRP-Remission, drei erfüllten die strengen ACR70-Kriterien. Auch die synoviale Hypervaskularisierung, ein Marker für Gelenkentzündung, bildete sich im Median vollständig zurück. Als Nebenwirkung trat bei den Patienten ein leichtes bis mittelschweres Zytokin-Freisetzungssyndrom auf. Miv-cel ist bislang nicht zugelassen.
Strukturelle Hirnveränderungen bei chronischen Schmerzen
Eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Studie mit Beteiligung der Universität Bern verglich 30 Personen mit chronischen primären Schmerzen mit 30 gesunden Kontrollpersonen mittels MRT. Dabei zeigten sich bei den Betroffenen strukturelle Unterschiede in der Großhirnrinde – eine stärkere Faltung auf der linken und eine geringere Furchtiefe auf der rechten Seite.
Die untersuchten Patientinnen und Patienten litten im Durchschnitt seit mehr als 13 Jahren unter ihren Beschwerden. Nach Angaben der Studie sind in Europa rund ein Fünftel der Bevölkerung von chronischen Schmerzen betroffen.
Cannabisbasierte Arzneimittel: begrenzter Nutzen laut Cochrane
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit vom August 2026 kommt zu einem nüchternen Fazit zum Einsatz von THC bei chronischen Nervenschmerzen: 39 von 100 Behandelten mit cannabisbasierten Arzneimitteln erreichten eine Schmerzlinderung von mindestens 30 Prozent, gegenüber 33 von 100 in der Placebogruppe – ein Zusatznutzen von lediglich sechs Prozentpunkten.
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Die Autoren bewerten den Nutzen als unsicher bis gering, während Nebenwirkungen häufiger auftraten. Als Standardmedikament bei akuten Schmerzen oder Arthrose seien die Präparate nicht geeignet.
Magnesium bei COPD-Exazerbationen
Zur Rolle von Magnesium bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung zeigt sich ein gemischtes Bild: Intravenöses Magnesiumsulfat kann bei akuten Exazerbationen die Lungenfunktion (FEV1) verbessern, die Evidenzlage gilt jedoch als uneinheitlich.
Orale Supplementierung in der stabilen Krankheitsphase zeigte hingegen keine signifikante Verbesserung. Bei nachgewiesenem Magnesiummangel kann eine Gabe sinnvoll sein, ersetzt aber keine etablierte medikamentöse Therapie.
Autoantikörper als neue Erklärung für neurologische Symptome
Ein Forschungsteam der LMU München identifizierte bei vier von rund 300 untersuchten Patienten mit multipler-Sklerose-ähnlicher Symptomatik Autoantikörper gegen das Astrozyten-Oberflächenprotein MLC1. Diese Anti-MLC1-Antikörper induzieren laut den Forschenden eine Zerstörung von Astrozyten und verstärken Entzündungsprozesse im Rückenmark – ein Befund, der neue diagnostische Differenzierungsmöglichkeiten bei unklaren neurologischen Beschwerdebildern eröffnen könnte.
Fazit
Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen ein heterogenes Bild: Während CAR-T-Zelltherapien bei rheumatoider Arthritis und inhalatives Treprostinil bei pulmonaler Hypertonie in kleinen Fallserien vielversprechende, aber vorläufige Resultate liefern, bestätigt die Cochrane-Analyse zu Cannabis-Präparaten, dass nicht jeder neue ansatz den Erwartungen standhält.
Größere, kontrollierte Studien sind in den meisten Bereichen nötig, um die bislang kleinen Patientenkollektive zu bestätigen und Therapieempfehlungen abzuleiten.
