Robotaxis verstopfen Städte: Studie zeigt 15% mehr Leerfahrten
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Autonome Taxis sollen den Verkehr revolutionieren – doch neue Studien zeigen massive Probleme. Die Fahrzeuge verstopfen Städte, ignorieren Polizeianweisungen und blockieren Rettungsfahrzeuge.
„Leerfahrten" verschärfen das Verkehrsproblem
Eine Studie des Sam-Schwartz-Forschungsprogramms am Hunter College und der Organisation Open Plans hat die Auswirkungen von Robotaxis auf den New Yorker Verkehr untersucht. Die am 21. Juli 2026 veröffentlichte Analyse zeigt: Waymo-Fahrzeuge legen 0,71 Meilen ohne Passagiere zurück – pro beförderter Meile. Zum Vergleich: Bei Uber und Lyft beträgt dieser Wert nur 0,49 Meilen. Das entspricht einer Steigerung von knapp 15 Prozent.
Die Forscher warnen: Würden 2.000 Robotaxis in die Stadt gebracht, ohne bestehende Fahrten zu reduzieren, könnten die täglich gefahrenen Kilometer um fast 294.000 Meilen steigen. Besonders problematisch: In New York gibt es weniger Parkplätze als in Kalifornien. Das könnte die Leerfahrten um bis zu 37 Prozent erhöhen.
Waymo kontert: Die eigene Flotte umfasse landesweit nur rund 3.500 Fahrzeuge – ein Bruchteil der über 100.000 Mietwagen in New York. Zudem sollten die Leerfahrten mit der Zeit sinken.
Sicherheit: Ein zweischneidiges Schwert
Die Studie liefert ein differenziertes Bild zur Sicherheit autonomer Fahrzeuge. Waymo verzeichnete 67 Prozent weniger Unfälle mit Verletzten pro Million Meilen als die New Yorker Mietwagenflotte. Doch bei schweren und tödlichen Unfällen liegt der nationale Wert 1,5-mal höher. In der San Francisco Bay Area ist die Rate sogar dreimal so hoch wie bei professionellen Fahrern.
Noch gravierender sind die Probleme im Einsatz. In Austin blockierten Robotaxis in 25 Prozent der gemeldeten Vorfälle den Verkehr oder ignorierten Polizeianweisungen. Der Zeitraum: Juli 2023 bis Juni 2026. Am 1. März 2026 blockierte ein Waymo-Fahrzeug einen Krankenwagen – der zu einem Massenanschlag unterwegs war.
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Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat reagiert. Sie forderte Waymo, Tesla und Zoox auf, bis Ende Juli 2026 ihre Protokolle zur Vermeidung von Behinderungen an Einsatzorten offenzulegen. Auslöser war unter anderem ein Vorfall am 4. Juli 2026 in San Francisco: Rund 100 Waymo-Fahrzeuge strandeten im Presidio-Park, weil sie wegen ungeplanter Straßensperrungen und leerer Batterien nicht mehr weiterkonnten.
BĂĽrgermeister fordert strengere Regeln
San Franciscos Bürgermeister Daniel Lurie schaltete die kalifornischen Regulierungsbehörden ein. In zwei Schreiben vom 15. und 16. Juli 2026 verlangte er: Autonome Fahrzeugbetreiber müssen nachweisen, dass sie mit größeren Notfällen umgehen können. Zudem forderte er die Echtzeit-Weitergabe von Daten vor weiteren Ausbaustufen.
Aktuell erlauben kalifornische Vorschriften der Polizei zwar, Verstoßmeldungen einzureichen – aber keine normalen Verkehrsstrafzettel an fahrerlose Fahrzeuge auszustellen. Ein rechtliches Vakuum, das die Behörden zunehmend kritisch sehen.
Technische Pannen und RĂĽckrufe
Die jüngsten Rückrufe zeigen, wie anfällig die Technik noch ist:
- Waymo: Am 12. Juni 2026 rief der Konzern 3.871 Fahrzeuge zurĂĽck. Ein Softwarefehler hatte sie in gesperrte Autobahnbaustellen gelotst.
- Zoox: Am 8. Juli 2026 folgte der Rückruf von 105 Fahrzeugen. Auslöser: Ein Robotaxi war am 20. Juni in Las Vegas in dichten Rauch an einer Brandstelle gefahren und stehengeblieben.
- Tesla: Im Mai 2026 krachte ein Model Y in Houston gegen einen Baumstumpf – während es ferngesteuert wurde. Es war der dritte gemeldete Unfall dieser Art.
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Expansion trotz aller Widrigkeiten
Die Branche lässt sich von den Problemen nicht bremsen. Am 21. Juli 2026 startete Tesla unbemannte Robotaxi-Pilotprojekte mit Model-Y-Fahrzeugen in Orlando und Tampa, Florida. Zudem kündigte das Unternehmen die Ausweitung seines Fahrdienstes in der Bay Area auf den Flughafen San Francisco (SFO) an.
Doch der Haken: Teslas aktuelle Genehmigung – gültig vom 20. März 2026 bis 31. Januar 2027 – ist eine Limousinenlizenz. Sie erfordert einen menschlichen Sicherheitsfahrer und erlaubt keinen vollautonomen Betrieb. Waymo pausierte unterdessen seinen eigenen Flughafenservice, um Software-Updates nach dem Baustellen-Rückruf einzuspielen.
Wenn Passagiere zum Problem werden
Neben Technik und Regulierung kämpfen die Betreiber mit einer weiteren Herausforderung: den Fahrgästen selbst. Die Unternehmen melden einen Anstieg von Notrufen und Reinigungskosten. Passagiere schlafen in den Fahrzeugen ein, verschütten Getränke oder erleiden medizinische Notfälle – bis hin zu Geburten in den fahrerlosen Autos.
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