Robotik-Boom: Tech-Giganten investieren 23 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Statt auf Chat-Interfaces setzen Nvidia, OpenAI, Meta und Tesla jetzt auf physische Robotik. Zwischen dem 31. Mai und dem 1. Juni 2026 präsentierten die Konzernchefs ihre Strategien für humanoide Maschinen und industrielle Infrastruktur.
OpenAI kehrt zur Robotik zurück
OpenAI-CEO Sam Altman erklärte die Robotik zum nächsten großen Ziel des Unternehmens. Die Firma, die ihr ursprüngliches Robotik-Team 2021 aufgelöst hatte, sucht jetzt gezielt Ingenieure für eine neue Abteilung.
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Kurzfristig will OpenAI Roboter entwickeln, die beim Bau von Rechenzentren und Stromnetzen helfen. Langfristig sind persönliche Roboter für Verbraucher geplant. Zwar investierte das Unternehmen zuvor in Startups wie 1X Technologies und Figure AI – doch dieser Schritt markiert die Rückkehr zur eigenen Hardware-Software-Integration.
Nvidia präsentiert Referenzdesigns und Weltmodelle
Auf der GTC Taipei und der Computex am 1. Juni 2026 stellte Nvidia die Plattform Cosmos 3 vor. Es handelt sich um ein offenes KI-Weltmodell für physische Robotik und autonome Fahrzeuge. Das System kombiniert Text, Bilder, Videos und Aktionsdaten – und verkürzt Trainingszyklen von Monaten auf Tage.
Ebenfalls neu: der Isaac GR00T-Referenz-Humanoid mit der Bezeichnung H2+. Er nutzt das Chassis des Unitree H2 Plus und Sharpa-Wave-Hände, angetrieben vom Nvidia Jetson AGX Thor-Modul. Ab Oktober 2026 sollen Forschungseinrichtungen wie Stanford und die ETH Zürich beliefert werden. Die breite Verfügbarkeit ist für Ende des Jahres geplant.
Milliardenschwere Investitionen in die Robotik
Die Branche erlebt einen beispiellosen Kapitalzufluss. Startups sammelten in den ersten fünf Monaten 2026 weltweit über 23 Milliarden Euro ein. Das entspricht fast der Gesamtsumme von 2025 (26 Milliarden Euro) und bedeutet einen massiven Sprung gegenüber den 4 Milliarden Euro von 2019.
Am 2. Juni 2026 wurde bekannt, dass SoftBank eine 800-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde für Agile Robots anführen will – mit einem eigenen Anteil von über 300 Millionen Euro. Parallel dazu erreichte Figure AI eine Bewertung von 39 Milliarden Euro und sicherte sich einen Handelsvertrag mit Catalyst Brands. Die Vereinbarung sieht den Einsatz von Robotern bei Einzelhändlern wie JCPenney und Brooks Brothers vor.
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Sam Altman beteiligte sich zudem an einer Finanzierungsrunde für Alfred, eine firma für physische KI-Software, die von ehemaligen Tesla- und Meta-Mitarbeitern gegründet wurde.
Chinesische Firmen drängen an die Börse
Während der Wettbewerb eskaliert, bereiten sich chinesische Unternehmen auf eine Welle von Börsengängen vor. Am 1. Juni 2026 erhielt Unitree Robotics die Zulassung für einen Börsengang in Shanghai. Angestrebt werden umgerechnet rund 620 Millionen Euro. Branchendaten zufolge befinden sich mindestens 46 weitere Robotikfirmen im IPO-Prozess in Hongkong.
Die Zahlen aus 2025 sprechen eine deutliche Sprache: China produzierte 50 Prozent aller Industrieroboter und 85 Prozent der humanoiden Roboter weltweit. Analysten gehen davon aus, dass humanoide Roboter bis 2035 rund 3,8 Prozent der chinesischen Arbeitskräfte ersetzen könnten. Am 2. Juni 2026 reagierten die Aktienkurse von Zulieferern entsprechend: OneRobotics legte um 18 Prozent zu, Leader Harmonious um 11 Prozent.
Hardware-Boom und neue Infrastruktur
Der Trend zur physischen KI treibt die Nachfrage nach Spezialkomponenten an. Goldman-Sachs-Analysten beobachten, dass Investitionen von Data-Center-GPUs hin zu robotikspezifischer Hardware und Software wandern. Als Schlüsselkomponenten für die kommerzielle Massenproduktion, die zwischen 2027 und 2029 erwartet wird, gelten Aktuatormodule und harmonische Getriebe.
Am 2. Juni 2026 meldete Signaloid die Fertigstellung seines C0-ASIC-KI-Beschleunigers – ein Chip für energieeffiziente physische KI. Muster sollen Kunden im dritten Quartal 2026 erhalten. Parallel dazu testen große Player weiterhin ihre Systeme: Der Digit-Humanoid von Agility Robotics arbeitet bereits in Anlagen von Amazon, GXO und Schaeffler. Hyundai und Boston Dynamics planen, bis 2028 rund 10.000 Atlas-Roboter in Fabriken einzusetzen.
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