Robotik-Durchbruch: Figure AI sortiert 249.560 Pakete in 200 Stunden
28.05.2026 - 00:31:23 | boerse-global.deDie globale Robotikbranche hat diese Woche einen entscheidenden Schritt von der Testphase zur industriellen Massenanwendung gemacht. Gleich mehrere Hersteller verkündeten am Dienstag, den 26. Mai 2026, kommerzielle Durchbrüche und Produktionspläne, die den Sektor auf eine neue Stufe heben.
Figure AI schließt ersten Großauftrag ab
Ein Meilenstein gelang dem US-Unternehmen Figure AI: Die Firma unterzeichnete einen Vertrag mit Catalyst Brands, dem Mutterkonzern von JCPenney, Aéropostale und Brooks Brothers. Figure wird seine humanoiden Roboter in einem großen Logistikzentrum in Reno, Nevada, einsetzen. Dort sollen die Maschinen künftig repetitive Sortieraufgaben im sogenannten „Joey Pouch"-System übernehmen. Das Lager wurde bereits 2024 für umgerechnet rund 37 Millionen Euro modernisiert – die ideale Infrastruktur für die Roboter-Integration.
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Der Deal basiert auf einem überzeugenden Praxistest: Vom 22. Mai an absolvierte Figure eine 200-stündige Dauerprüfung seines Modells Figure 03. Fünf Roboter – sie tragen die Namen Rose, Jim und Bob – sortierten im Schichtbetrieb insgesamt 249.560 Pakete. Die durchschnittliche Leistung: 1.248 Pakete pro Stunde, also etwa ein Karton alle 2,88 Sekunden.
Die 173 Zentimeter großen und 61 Kilogramm schweren Roboter arbeiten mit dem KI-Modell Helix-02 und bewältigten den Test ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Zwar gab es kleinere Fehler wie herunterfallende Pakete, doch die Maschinen luden sich selbstständig auf und hielten den Betrieb über die gesamten acht Tage aufrecht. Figure AI kündigte daraufhin an, die jährliche Produktion innerhalb von vier Jahren auf 100.000 Einheiten hochzufahren.
LimX bringt erschwinglichen Humanoiden auf den Markt
Während Figure auf schwere Logistik setzt, zielen andere Hersteller auf den kommerziellen Markt. Das chinesische Unternehmen LimX Dynamics startete am Dienstag den Verkauf seines humanoiden Roboters Luna – zum Preis von umgerechnet rund 38.000 Euro. Das 160 Zentimeter große Modell verfügt über 27 Freiheitsgrade und wird von einer zweiten Generation des Bewegungsantriebs angetrieben, der die Gelenktemperatur um 30 Prozent senkt und die Akkulaufzeit deutlich verlängert.
Luna beherrscht das sogenannte „Video-to-Motion"-Lernen: Der Roboter kann komplexe Bewegungen wie Tanzen oder Büroaufgaben durch bloße visuelle Eingabe erlernen. LimX Dynamics, inzwischen ein Einhorn mit einer Bewertung von über 900 Millionen Euro, plant den internationalen Marktstart für 2027.
Der Preis von Luna liegt zwischen den teuren Industriemodellen von Agibot und UBTECH (über 90.000 Euro) und günstigeren Angeboten wie dem Unitree G1 für rund 14.500 Euro.
Unitree bereitet Börsengang vor
Auch Unitree machte von sich reden. Am Montag stellte das Unternehmen sein KI-Modell WVLA2.0 vor und zeigte, wie der G1-Roboter eigenständig einen Konferenzraum aufräumt. Die Finanzzahlen belegen das rasante Wachstum: Unitree verdoppelte 2025 seine Forschungsausgaben auf umgerechnet rund 24 Millionen Euro und erzielte einen Umsatz von etwa 220 Millionen Euro. Der Börsengang an der Shanghaier STAR-Markt ist für den 1. Juni 2026 angesetzt.
Hyundai und Apptronik setzen auf Massenproduktion
Die Automobilindustrie bleibt das wichtigste Testfeld für hochentwickelte Roboter. Apptroniks Modell Apollo ist bereits in mehreren Mercedes-Benz-Werken in Europa im Einsatz. Der Roboter trägt bis zu 25 Kilogramm, hat wechselbare Akkus für vier Stunden Laufzeit und wird für Qualitätskontrollen und innerbetriebliche Logistik genutzt. Die jüngste Finanzierungsrunde über umgerechnet rund 860 Millionen Euro – die größte ihrer Art in der Branche – soll die kommerzielle Flotte bis 2027 ausbauen.
Hyundai Motor Group stellt derweil seine Produktion um. Der koreanische Konzern kündigte die Gründung einer neuen Abteilung für softwaredefinierte Fertigung (SDF) sowie einer eigenen Einheit für Roboter-Komponenten an. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2028 sollen jährlich 30.000 humanoide Roboter produziert werden, davon 25.000 für den internen Einsatz in Hyundai- und Kia-Werken.
Auch Boston Dynamics, eine Hyundai-Tochter, zeigte am Dienstag neue Aufnahmen der Produktionsversion seines Roboters Atlas – wie er Fußballtricks und komplexe Tänze vorführt. Der praktische Einsatz beginnt jedoch erst 2028 mit der Teilesortierung in Hyundais Georgia-Metaplant. Vollständige Montageaufgaben sollen ab 2030 folgen.
Neue Trainingszentren für die KI von morgen
Der Boom an humanoiden Robotern erfordert auch neue Infrastruktur für das Training der KI-Modelle. Im Juli 2026 eröffnet in Shanghai die erste heterogene Trainingsanlage für humanoide Roboter. Auf über 5.000 Quadratmetern können dort mehr als 100 verschiedene Robotertypen in simulierten Haushalts- und Arbeitsumgebungen lernen.
Ein ähnliches Projekt entsteht mit dem TUM RoboGym nahe des Münchner Flughafens. Die Technische Universität München und NEURA Robotics schaffen dort auf 2.322 Quadratmetern eine Testumgebung für robotische Autonomie. Diese Einrichtungen liefern die riesigen Datenmengen, die Roboter für den Einsatz in unberechenbaren realen Umgebungen benötigen.
Ausblick: 2027 als Schlüsseljahr
Die Branche verlässt das Prototypen-Stadium. Der Vertrag zwischen Figure AI und Catalyst Brands ist einer der ersten Großeinsätze, bei dem humanoide Roboter mit bestehenden automatisierten Systemen zusammenarbeiten. Entscheidend für den Durchbruch sind die immer leistungsfähigeren KI-Modelle: Figure 03 erkennt inzwischen Druck von nur drei Gramm – und kann so von einfachen Transportaufgaben zu heiklen Montagearbeiten übergehen.
Für 2027 erwarten Analysten die internationale Verfügbarkeit von Modellen wie Luna und Apollo. 2028 dürfte dann das Jahr der Massenproduktion werden, wenn Hyundai und Figure AI ihre Kapazitäten hochfahren. Zwar sind vollständig autonome Roboter in unkontrollierten Umgebungen noch Zukunftsmusik. Doch in Logistik und Fertigung ist die humanoide Arbeitskraft keine Vision mehr – sie wird gerade Realität.
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