Robotische, Biopsien

Robotische Biopsien: NHS behandelt 215 Krebspatienten erfolgreich

21.06.2026 - 09:32:51 | boerse-global.de

KI-Systeme und Roboter erzielen Durchbrüche bei Krebsfrüherkennung, Diagnose seltener Krankheiten und Rehabilitation.

KI und Robotik revolutionieren die medizinische Versorgung weltweit
Robotische - A robotic arm with a medical instrument working over a holographic display showing medical data in a hospital setting. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Durchbrüche in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik versprechen eine effizientere und personalisiertere Patientenversorgung – von der Früherkennung seltener Krankheiten bis zur Rehabilitation nach Schlaganfällen.

Großoffensive bei der Lungenkrebs-Früherkennung

Das britische Gesundheitssystem NHS weitet seine Lungenkrebs-Screening-Programme massiv aus. Ziel ist die flächendeckende Versorgung aller berechtigten Patienten bis 2030. Im Zentrum steht eine KI-Software, die Aufnahmen analysiert und mit einem robotischen Kathetersystem zusammenarbeitet. Dieses System kann selbst kleinste Knoten von nur sechs Millimetern für Biopsien erreichen.

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Die Bilanz des Guy's and St Thomas' NHS Trust spricht für sich: 300 robotische Biopsien wurden bereits durchgeführt, bei 215 Patienten führte dies zu einer Krebsbehandlung. Ein neues Pilotprojekt soll weitere 250 Patienten einschließen. Gesundheitsminister Wes Streeting, selbst bereits robotisch operiert, zeigte sich überzeugt vom Potenzial der Technologie. Seit 2019 wurden rund 1,5 Millionen Menschen zwischen 55 und 74 Jahren mit Raucherhistorie eingeladen, weitere 1,4 Millionen sollen im kommenden Jahr folgen.

Parallel setzt der NHS auf eine Smartphone-App namens Derm AI zur Hautkrebserkennung. Das Tool hat bereits 20.000 Krebsfälle bei 230.000 Patienten identifiziert. Die neueste Version kommt ohne spezielle Kameraaufsätze aus und erreicht eine Trefferquote von 99,8 Prozent bei der Melanom-Erkennung – zum Vergleich: Dermatologen liegen bei 98,9 Prozent.

KI entschlüsselt seltene Kinderkrankheiten

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Boston Children's Hospital und OpenAI liefert bemerkenswerte Ergebnisse. Das KI-Modell o3 analysierte 376 zuvor ungelöste pädiatrische Fälle und führte zu 18 neuen Diagnosen bei neurologischen Entwicklungs- und Muskelerkrankungen. OpenAI investierte 50 Millionen Euro in die Initiative, die nach Angaben der Beteiligten rund 60.000 klinische Arbeitsstunden eingespart hat – ein Gegenwert von über sieben Millionen Euro.

Auch in Deutschland tut sich einiges. Forscher der Uniklinik Köln haben KI-Diagnosemodelle, die ursprünglich für Prostatakrebs entwickelt wurden, auf Lungen-, Darm- und Brustkrebs ausgeweitet. Die Gewebeanalyse, die früher über ein Jahr dauerte, ist nun in wenigen Tagen erledigt. In Dresden betont die TU Dresden die wachsende Bedeutung der KI in der Onkologie. Robotische Chirurgie und KI-gestützte Diagnostik sind dort bereits etablierte Praxis. Fiona Kolbinger erhielt für ihre Arbeit an KI-assistierter Krebschirurgie den Jung-Nachwuchsförderpreis 2026.

International sorgt der brasilianische Bundesstaat Paraná für Aufsehen: Als erste Region weltweit setzt er Googles KI-Tool „Capricorn" in Krankenhäusern ein. Das System verknüpft Patientendaten mit wissenschaftlicher Literatur und verkürzt die Recherchezeit für personalisierte Therapieoptionen von einer Woche auf eine Stunde.

Roboter helfen nach Schlaganfällen und bei Operationen

Der Markt für medizinische Robotik erlebt einen wahren Produktboom. Bioxtreme stellte sein System Dextreme 2.0 vor, das speziell für die Rehabilitation der oberen Extremitäten nach Schlaganfällen entwickelt wurde. Die Besonderheit: Die KI setzt auf eine Methode namens „Fehlerverstärkung". Klinische Studien zeigen, dass Patienten damit bis zu doppelt so hohe Fugl-Meyer-Werte erreichen wie mit herkömmlicher Roboter-Therapie.

Im chirurgischen Bereich starteten die Marengo Asia Hospitals in Faridabad ein Programm für „Tele-Proctor Robotic Surgery". Dabei können erfahrene Chirurgen robotische Eingriffe aus der Ferne begleiten. Die erste Knieoperation – ein Patient in Palwal, der Spezialist in Faridabad – verlief erfolgreich. Das Startup Channel Robotics aus San Diego sicherte sich eine Seed-Finanzierung von 2,5 Millionen Euro für die Entwicklung eines handgehaltenen, KI-gestützten Endoskopie-Roboters.

In Mailand testet die Maugeri-Klinik seit April den Roboter „Alter-Ego". Das 1,20 Meter große Gerät unterstützt ALS-Patienten: Es übermittelt Schmerzwerte und übernimmt einfache Aufgaben. Ab Juli soll es eigenständig arbeiten und das Pflegepersonal entlasten.

Roboter beschleunigen Wirkstoffsuche

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Auch in der Pharmaforschung machen Roboter von sich reden. Die University of California in San Francisco präsentierte ein neues System, das Tausende winziger Tumore gleichzeitig testen kann – auf der Suche nach Wirkstoffen gegen resistente Krebszellen. Bei Lungenkrebs identifizierte das System 10.000 zelluläre Variationen und fand neun von 94 getesteten Medikamenten, die durchgängig wirksam waren.

Ein Forscherteam der Universität Hongkong entwickelte eine Nahinfrarot-Fluoreszenzplattform zur Navigation magnetischer Nanoroboter im Körper. Die in „Science Advances" veröffentlichte Technologie ermöglicht eine hundertmal schnellere Bewegung und eine um 30 Prozent höhere Wirkstoffabgabe – erfolgreich getestet bei entzündlichen Darmerkrankungen im Tiermodell.

Die Universität Oxford erhielt Anfang Juni Fördermittel für das britische Krebsimpfstoff-Projekt. Der Supercomputer „Dawn" und die KI-Plattform „CIARA" analysieren Tumorbiologien, um personalisierte mRNA-Krebsimpfstoffe zu entwickeln. Ein vielversprechender Ansatz – die Zukunft der Krebstherapie könnte maßgeschneidert sein.

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