Roche-Bluttest, Alzheimer-Früherkennung

Roche-Bluttest soll Alzheimer-Früherkennung revolutionieren

14.05.2026 - 01:58:29 | boerse-global.de

Roche und Eli Lilly bringen einfachen Bluttest für Alzheimer auf den Markt. Studien zeigen zudem neue Risikofaktoren und Präventionsansätze.

Roche-Bluttest soll Alzheimer-Früherkennung revolutionieren - Foto: über boerse-global.de
Roche-Bluttest soll Alzheimer-Früherkennung revolutionieren - Foto: über boerse-global.de

Roche hat dafür am 12. Mai die EU-Zulassung erhalten.

Der „Elecsys pTau217"-Test misst das Protein pTau217 im Blut – ein zuverlässiger Marker für Alzheimer. Entwickelt wurde das Verfahren zusammen mit Eli Lilly. Bisher waren für eine gesicherte Diagnose aufwendige Hirnscans oder Nervenwasser-Punktionen nötig. Der neue Test kommt mit einer einfachen Blutabnahme aus und soll sowohl in Kliniken als auch in Hausarztpraxen einsetzbar sein.

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Die klinische Validierung basierte auf Studien mit Patienten in frühen Krankheitsstadien, die erste Gedächtnisprobleme zeigten.

Demografischer Druck: Demenzfälle könnten sich verdoppeln

Die Relevanz der Entwicklung ist enorm. Während 2018 in der EU etwa 9,1 Millionen Demenzfälle registriert wurden, erwarten Forscher bis 2050 einen Anstieg auf rund 18,7 Millionen. In Österreich leben derzeit etwa 130.000 Menschen mit Demenzdiagnose – bis 2050 könnten es 250.000 sein.

Ein früher Zugang zu präzisen Diagnosen gilt als Grundvoraussetzung für wirksame Therapien.

Biologisches Alter als Risikofaktor

Doch nicht nur die Labordiagnostik macht Fortschritte. Eine Studie des King's College London, veröffentlicht am 13. Mai im Fachjournal „Alzheimer's & Dementia", untersuchte 220.000 Teilnehmer der UK-Biobank.

Das Ergebnis: Ein höheres biologisches Alter – ermittelt über Metabolite im Blut – erhöht das allgemeine Demenzrisiko um 20 Prozent. Bei vaskulärer Demenz stieg das Risiko sogar um 60 Prozent. Besonders gefährdet sind Träger von zwei APOE4-Genen mit fortgeschrittener biologischer Alterung: Ihr Risiko ist bis zu zehnfach erhöht.

Mikrobiom als Frühwarnsystem

Ein weiterer Forschungszweig blickt in den Darm. Wissenschaftler der University of East Anglia veröffentlichten am 12. Mai in „Gut Microbes" Ergebnisse einer Studie mit 150 Erwachsenen über 50 Jahren.

Sie identifizierten sechs spezifische Mikrobiom-Metabolite im Blut, mit denen sich kognitiver Abbau mit 79 Prozent Genauigkeit vorhersagen lässt. Das Modell unterschied zwischen Gesunden und Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung mit über 80 Prozent Treffsicherheit. Neuroprotektive Moleküle wie Cholin waren bei Betroffenen niedriger konzentriert, zytotoxische Substanzen wie Kynurenin erhöht.

Vitamin D schützt vor Tau-Ablagerungen

Auch Prävention rückt in den Fokus – und sollte bereits in der Lebensmitte ansetzen. Eine gemeinsame Studie der Universität Galway und der Boston University, erschienen am 13. Mai in „Neurology Open Access", untersuchte 793 Personen über 16 Jahre.

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Die Ergebnisse: Ein höherer Vitamin-D-Spiegel mit etwa 40 Jahren korreliert mit geringeren Tau-Ablagerungen im Gehirn im Alter. Besonders deutlich war der Effekt in Regionen, die früh von Alzheimer betroffen sind – etwa der Amygdala oder dem entorhinalen Kortex. Interessant: Einen direkten Zusammenhang mit Amyloid-Beta-Ablagerungen fanden die Forscher nicht.

Digitale Trainings und lokale Screenings

Parallel gewinnen kognitive Trainingssysteme an Bedeutung. Der Anbieter NeuroTracker berichtet von Steigerungen der Konzentration um 40 Prozent und der Wahrnehmungsgeschwindigkeit um 52 Prozent – durch kurze Trainingseinheiten. Die NASA und Profisportler nutzen die Systeme bereits.

Auch auf kommunaler Ebene tut sich etwas: Das Digitale Demenzregister Bayern (digiDEM) führte am 13. Mai in Freising erstmals flächendeckende Früherkennungs-Tests durch. Ein 30-Punkte-Fragebogen prüfte unter anderem die zeitliche Orientierung und das Nachzeichnen von Objekten. Solche niederschwelligen Angebote sollen die Diagnosequote erhöhen – denn schätzungsweise 60 Prozent der Demenzkranken in Deutschland haben keine gesicherte Diagnose.

Infrastruktur als Flaschenhals

Der neue Bluttest ist ein technologischer Fortschritt, stellt das Gesundheitssystem aber vor Herausforderungen. Die Integration in die hausärztliche Routine erfordert klare Erstattungsregeln und eine Infrastruktur für Beratung und Therapie.

Dass 60 Prozent der Betroffenen keine Diagnose haben, zeigt: Der Zugang zu neurologischen Untersuchungen ist oft schwierig. Die Kombination aus molekularbiologischen Markern und digitalen Screenings, wie in Modellprojekten in Köln oder Freising erprobt, gilt als vielversprechendster Weg.

Ausblick: Früher handeln, gezielter behandeln

Die Forschung zu Mikrobiom und Vitamin-D-Spiegeln legt nahe: Die Weichen für gesundes Altern müssen deutlich früher gestellt werden als bisher angenommen. Für Ende Mai hat der Bundesverband Gedächtnistraining neue Informationsbroschüren angekündigt.

In der Fachwelt geht man davon aus, dass die Zulassung des pTau217-Tests den Markt für Alzheimer-Therapeutika ankurbeln wird. Denn erst wenn Patienten frühzeitig identifiziert werden, entfalten moderne krankheitsmodifizierende Therapien ihr volles Potenzial. Die steigenden Fallzahlen bis 2050 machen die Implementierung neuer Diagnostikstandards zur gesellschaftlichen Notwendigkeit.

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