Rohmilch-Studie: Gummichemikalien in 41% der Schweizer Proben
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer Untersuchung der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) wurden chemische Verbindungen, die üblicherweise in Gummiprodukten vorkommen, in Proben von Schweizer Rohmilch identifiziert.
Die in der Fachzeitschrift Food Chemistry X publizierte Studie entstand unter wissenschaftlicher Beteiligung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope.
Die Ergebnisse liefern erste Anhaltspunkte für die Verbreitung dieser Substanzen in der Lebensmittelkette, lassen jedoch Fragen zur langfristigen gesundheitlichen Relevanz offen.
Untersuchungsergebnisse und regionale Unterschiede
Im Rahmen der Erhebung wurden 17 Rohmilchproben von verschiedenen Schweizer Bauernhöfen analysiert. Laut Berichten vom 14.09.2026 wurde in 7 dieser 17 Proben mindestens eine von vier untersuchten Gummichemikalien nachgewiesen. Ein leicht abweichender Befund in französischsprachigen Medienberichten nannte zeitgleich 8 betroffene Proben, während 9 ohne Befund blieben.
Ein wesentliches Merkmal der Studienergebnisse ist die geografische Verteilung der Funde. In drei Proben, die von Alpbetrieben stammten, konnten keine der Zielverbindungen nachgewiesen werden. Diese Betriebe zeichnen sich durch ihre Lage fernab von stark befahrenen Straßen aus. Im Gegensatz dazu stammten alle Proben mit positivem Befund aus Gebieten in Straßennähe.
Die Forscher der EPFL wiesen jedoch darauf hin, dass die vorliegende Stichprobe zu klein sei, um einen statistisch gesicherten Kausalzusammenhang mit der Nähe zum Straßenverkehr herzustellen. Die Konzentrationen der nachgewiesenen Substanzen wurden in den meisten Fällen als niedrig eingestuft.
Die EPFL hat in 7 von 17 Schweizer Rohmilchproben Gummichemikalien nachgewiesen — die gesundheitlichen Folgen sind noch unklar, die Verunsicherung bei Familien ist es nicht. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie risikoarme Milchprodukte erkennen und worauf Sie beim Einkauf achten sollten. Jetzt kostenlosen Milch-Ratgeber anfordern
Potenzielle Quellen für chemische Rückstände
Die Studie identifiziert zwei primäre Pfade, über welche die Chemikalien in die Rohmilch gelangt sein könnten. Ein Fokus der Analyse lag auf den technischen Melkanlagen der Betriebe. In den verwendeten Schläuchen und Dichtungen wurden insgesamt 14 verschiedene Chemikalien nachgewiesen. Darunter befand sich auch die Substanz 6PPD-Chinon (6PPD-Q), die in der Umweltforschung bereits als schädlich für bestimmte Fischarten bekannt ist.
Als zweite mögliche Quelle gilt der diffuse Eintrag über die Umwelt, insbesondere durch Reifen- und Straßenabrieb. Den Daten zufolge entstehen weltweit schätzungsweise 6 Mio. t Gummipartikel pro Jahr durch diesen Abrieb. Die Partikel können sich in der Umgebung der Landwirtschaftsflächen verteilen und so indirekt den Weg in die Produktion finden.
Wissenschaftliche Einordnung und offene Fragen
Trotz des qualitativen Nachweises der Substanzen bleibt die Bewertung der Risiken für den menschlichen Konsum vorerst vage. Die gesundheitlichen Folgen beim Menschen sind derzeit unklar, weshalb die Forschungsergebnisse vor allem als Grundlage für weiterführende Untersuchungen dienen.
Alle Proben mit positivem Befund stammten aus Betrieben in Straßennähe — die drei Alpbetriebe blieben ohne Nachweis. Wenn Sie wissen wollen, was das für die Milch auf Ihrem Tisch bedeutet, gibt Ihnen unser kostenloser Ratgeber eine klare Orientierung. Orientierung für Ihre Familie sichern
Die Zusammenarbeit der EPFL mit staatlichen Institutionen wie dem BLV und Agroscope unterstreicht die Relevanz des Themas für die Lebensmittelsicherheit.
Während die niedrigen Konzentrationen und das Fehlen von Rückständen in alpinen Lagen ein differenziertes Bild der Belastung zeichnen, verdeutlicht die Studie den Forschungsbedarf hinsichtlich der Materialbeschaffenheit von Melkanlagen und der Auswirkungen von Umweltemissionen auf landwirtschaftliche Erzeugnisse.
