Gamescom: Branche darf nicht auf Fördergeld-Plus hoffen
22.08.2023 - 07:27:30Zum Start der Computerspiel-Messe Gamescom muss die heimische Branche weiter um Fördergeld bangen. Denn nach einem Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums sollen im kommenden Jahr nur 48,7 Millionen Euro an Games-Firmen flieĂen und damit weniger als die 2023 vergebenen 70 Millionen.
Die bisher fĂŒr 2024 veranschlagten Mittel reichen wohl nur aus, um AnsprĂŒche aus bereits genehmigten AntrĂ€gen zu bedienen - neue FörderantrĂ€ge wĂ€ren kommendes Jahr nicht möglich. Der Branchenverband Game hĂ€lt 125 Millionen Euro fĂŒr nötig, um die Nachfrage zu decken. Bundespolitiker reagieren nun aber zurĂŒckhaltend auf die Forderung nach mehr Geld.
«Wir können nur mehr Geld ausgeben, wenn in anderen Bereichen des Haushalts des Bundeswirtschaftsministeriums gekĂŒrzt wird», sagt der gamespolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben. Einfach nur zusĂ€tzliche Mittel bereitzustellen, ohne anderswo den Rotstift anzusetzen, wĂ€re angesichts der angespannten Haushaltslage nicht richtig. Möglicherweise wĂŒrden aber noch Extra-Finanzmittel frei, sollte die SteuerschĂ€tzung im November positiv ausfallen.
Gamesförderung sei wichtig
Die Branche fĂŒr Computer- und Videospiele hat ein starkes Wachstum hinter sich, weil die Menschen in Corona-Zeiten viel Zeit zu Hause verbrachten und in virtuelle Gaming-Welten eintauchten. Allerdings sind nur etwa vier Prozent des Umsatzes, den die Branche mit Spielen und Hardware erzielt, auf heimische Entwicklungen zurĂŒckzufĂŒhren. 2022 bekam die Branche 50 Millionen Euro an Fördergeldern des Bundes, 2023 sind es 70 Millionen und 2024 laut Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums nur 48,7 Millionen Euro.
«Wir mĂŒssen daran arbeiten, dass Deutschland nicht nur ein groĂer Vertriebsmarkt fĂŒr Computerspiele ist, sondern auch als Entwicklungs- und Produktionsstandort eine gröĂere Rolle spielt», sagt der FDP-Politiker Houben. HierfĂŒr sei die Gamesförderung wichtig, allerdings seien Subventionen hierfĂŒr kein Allheilmittel in einer Kreativbranche. «Nur Geld löst keine Ideen fĂŒr eine gute Geschichte aus, die in einem Computerspiel erzĂ€hlt wird», sagt der Liberale und weist auf den bĂŒrokratischen Aufwand von Förderprogrammen hin.
Vage Aussagen aus der Politik
Bei der Frage nach einer Erhöhung der bisher angedachten Fördermittel fĂŒr 2024 bleiben sowohl der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Maik AuĂendorf als auch die SPD-Kollegin Anna Kassautzki vage. Die Sozialdemokratin fordert «eine zuverlĂ€ssige Wirtschaftsförderung fĂŒr die Gamesbranche in Deutschland, die aber gleichzeitig mit der angespannten Haushaltslage ĂŒberein gebracht werden muss». Ein Evaluationsbericht zum Fo?rderprogramm werde zeitnah folgen, «damit wir kla?ren ko?nnen, wo nachgesteuert werden muss», sagt Kassautzki.
Der GrĂŒne AuĂendorf sieht es positiv, dass die Computerspielförderung des Bundes sich «gröĂter Beliebtheit» erfreue. Mittel flössen «schnell dorthin, wo sie hin sollen - zu den Unternehmen, die den innovativen Games-Standort Deutschland ausmachen».
Langfristige Planungssicherheit wichtig
Dass es 2022 und 2023 vorzeitige Antragsstopps gegeben hat, weil die Budgets erschöpft waren und dadurch einige Firmen leer ausgingen, sehen Kassautzki und AuĂendorf kritisch. «Ein breiter Förderansatz nach dem Windhundprinzip bei begrenzten finanziellen Mitteln fĂŒhrt zu einer Unsicherheit der Projektförderung insgesamt», sagt der GrĂŒne. «Wir mĂŒssen hier fĂŒr langfristige Planungssicherheit sorgen.» AuĂendorf will sich fĂŒr «degressive Fördersummen» einsetzen - kleine Förderprojekte kĂ€men auf jeden Fall zum Zug, groĂe Projekte bekĂ€men hingegen verhĂ€ltnismĂ€Ăig wenig.
Die Gameswirtschaft setzt sich nicht nur fĂŒr Fördergelder ein, sondern auch fĂŒr Steuererleichterungen. Diesen Aspekt bewertet der Liberale Houben positiv: Entwicklungskosten steuerlich anzurechnen und dadurch die Steuerlast einer Firma zu reduzieren, wĂ€re «eine direkte und schnelle Art der Förderung». «Das wĂ€re ein neuer Ansatz, den wir im Bundestag diskutieren sollten.» Der GrĂŒne AuĂendorf sieht das hingegen kritisch, weil dann qualitative Förderkriterien fehlten.
GroĂer Andrang bei Gamescom erwartet
Am Abend wird in Köln die Gamescom mit einer BĂŒhnenshow eröffnet, es ist die weltweit gröĂte Messe fĂŒr Computerspiele und Videospiele. Am Mittwoch sind dann Journalisten, Fachpublikum und einige Spielefans zugelassen, von Donnerstag bis Sonntag darf dann das breite Publikum rein. Der Andrang dĂŒrfte groĂ sein, fĂŒr Samstag ist die Messe bereits ausverkauft.
Im Vorjahr waren 265.000 Besucher bei der Gamescom, dieses Jahr könnten es mehr werden. Das Angebot ist so groĂ wie noch nie, die Zahl der Aussteller hat sich von 1135 auf 1227 aus 63 Staaten erhöht und die AusstellungsflĂ€che um 10.000 auf 230.000 Quadratmeter vergröĂert. Als Gast wird auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) erwartet.


