Rosazea: Ohr-Akupressur verbessert nach acht Wochen die Haut bei 56,9 Prozent
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Rosazea stĂŒtzt sich in der klinischen Praxis meist auf medikamentöse und hautpflegende Standardtherapien. Eine randomisierte kontrollierte Studie von Xu B et al., die am 14. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology erschien, liefert nun wissenschaftliche Daten zum Nutzen einer gerĂ€telosen Ohr-Akupressur als ergĂ€nzendes Verfahren.
DurchgefĂŒhrt am Second Affiliated Hospital der Xi'an Jiaotong University in China, untersuchte das Forschungsteam um Wu Jiawen und An Peng aus den Fachbereichen Dermatologie und TCM-Akupunktur, inwieweit die traditionelle Methode dermatologische Behandlungsergebnisse messbar optimieren kann.
Studiendesign und klinische Befunde nach acht Wochen
An der Untersuchung nahmen zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 insgesamt 204 Rosazea-Patienten teil. Die Probanden wurden im VerhÀltnis 1:1 randomisiert aufgeteilt, sodass jeweils 102 Personen einer Interventions- und einer Kontrollgruppe angehörten.
In der aktiven Gruppe erfolgte eine Ohr-Akupressur mit Vaccaria-Samen am Cavum conchae zusÀtzlich zur dermatologischen Standardtherapie. Die Kontrollgruppe erhielt hingegen eine Scheinbehandlung (Sham), bei der die Samen am Ohrhöcker platziert wurden.
Die primÀre Beurteilung erfolgte nach acht Wochen Behandlung. Dabei erreichten 56,9 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe einen Wert von 0 oder 1 auf der IGA-Skala (Investigator's Global Assessment), was einer erscheinungsfreien oder fast erscheinungsfreien Haut entspricht.
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In der Sham-Gruppe lag dieser Anteil bei 35,3 Prozent. Dies entspricht einem relativen Risiko (RR) von 1,61 sowie einer Number Needed to Treat (NNT) von 5. Zudem wies die aktive Behandlungsgruppe nach acht Wochen eine signifikant höhere LÀsionsclearance, eine stÀrkere Besserung des Erythems sowie verbesserte Werte bei LebensqualitÀt und Stress auf.
Auch ĂŒber den Interventionszeitraum hinaus zeigten sich anhaltende Effekte: In Woche 20 blieben die IGA- und Erythemwerte in der Interventionsgruppe weiterhin niedriger.
Akute GefĂ€Ăreaktion und entzĂŒndliche Biomarker
Neben den mittelfristigen HautverĂ€nderungen erfassten die Forscher auch unmittelbare GefĂ€Ăreaktionen. Mittels Multispektralimaging zeigte sich direkt nach der Intervention eine GefĂ€Ăregulation: Eine sofortige GefĂ€Ăverbesserung wurde bei 59,3 Prozent der Teilnehmenden in der Interventionsgruppe dokumentiert, verglichen mit 7,4 Prozent in der Sham-Gruppe.
Auf labormedizinischer Ebene ging die Intervention mit einer deutlichen DĂ€mpfung inflammatorischer Prozesse einher. Xu B et al. berichteten, dass die zirkulierenden EntzĂŒndungsmediatoren und Biomarker LL-37, CGRP, TNF-? und IL-6 im Blut der Verum-Gruppe stĂ€rker gesenkt wurden als unter der Scheinbehandlung.
Das Team um Wu Jiawen und An Peng ordnet diese systemischen Effekte der cholinergen antiinflammatorischen Vagusbahn zu, ĂŒber die eine Reizung im Bereich des Cavum conchae vermittelnd auf EntzĂŒndungskaskaden und GefĂ€Ăspannung einwirken könnte.
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Methodische Grenzen und therapeutische Einordnung
Schwere Nebenwirkungen traten im Rahmen der Studie nicht auf. Dennoch weisen die Autoren auf methodische EinschrĂ€nkungen hin. Da es sich um eine monozentrische Studie an einem einzigen Zentrum in China handelte, sei eine ĂberprĂŒfung durch multizentrische Folgestudien erforderlich.
Zudem fehlte im Studienprotokoll eine direkte apparative Messung der VagusnervaktivitĂ€t, womit der postulierte Wirkmechanismus plausibel begrĂŒndet, aber funktionell noch nicht abschlieĂend direkt nachgewiesen ist.
Das Team um Wu Jiawen und An Peng betont entsprechend, dass die gerĂ€telose Ohr-Akupressur als adjuvante MaĂnahme zu verstehen sei. Sie diene der UnterstĂŒtzung des Krankheitsmanagements, stelle jedoch keinen Ersatz fĂŒr etablierte Standardtherapien dar.
