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Rote Bete bei Bluthochdruck: Studien zeigen rund 5 mmHg weniger Druck

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rote Bete kann den systolischen Blutdruck moderat senken; Medikamente ersetzt sie nicht, und Wechselwirkungen sowie Überdosierung bergen Risiken.
Frische Rote Bete und eine Ingwerwurzel auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Hausmittel wie Rote Bete oder Ingwer erfreuen sich bei der Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems großer Beliebtheit. Der Herzspezialist Dr. Khaled Al-Nimer betont jedoch, dass beide Lebensmittel zwar in Maßen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein können, verordnete Blutdruckmedikamente aber keinesfalls ersetzen.

Zudem eignen sie sich nicht zur Behandlung plötzlicher Blutdruckanstiege. Während Rote Bete den Blutdruck dank gefäßerweiternder Nitrate um bis zu etwa 5 mmHg senken kann und damit einen stärkeren Effekt aufweist, entfaltet Ingwer laut Al-Nimer nur eine begrenzte, schwächere Wirkung – insbesondere in den üblichen Verzehrmengen als Tee oder Gewürz.

Studienlage zu Rote Bete und Gefäßgesundheit

Wissenschaftliche Untersuchungen stützen den gefäßerweiternden Mechanismus von Rote-Bete-Saft. Laut der British Heart Foundation enthält dieser Saft Nitrat, das blutdrucksenkend wirken kann. Eine Übersichtsarbeit über 11 klinische Studien mit 349 Menschen mit Bluthochdruck belegte einen durchschnittlichen Rückgang des systolischen Blutdrucks um etwa 5 mmHg.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit denselben Rahmendaten (11 klinische Studien, 349 Hypertoniker) wies eine durchschnittliche Senkung des systolischen Werts um ca. -5,3 mmHg aus, fand jedoch keine signifikante Verbesserung der diastolischen Werte. Zudem sei die Evidenzsicherheit niedrig und die langfristige Wirkung auf Herzinfarkte oder Schlaganfälle unklar.

In einer klinischen Studie aus dem Jahr 2015 tranken 68 Hypertoniker über vier Wochen täglich 250 ml Rote-Bete-Saft oder einen nitratfreien Kontrollsaft. Hier sank der systolische Praxiswert im Schnitt um ca. 7,7 mmHg, begleitet von einer Verbesserung der Diastole.

Eine Untersuchung der Universität Exeter zeigte zudem altersabhängige Effekte: Bei 36 Personen in den 60ern und 70ern sank der Blutdruck nach zweiwöchigem Konsum von nitrathaltigem Rote-Bete-Saft, während bei 39 Erwachsenen unter 30 Jahren kein Effekt eintrat.

Zugleich veränderte sich das orale Mikrobiom, bei dem Bakterien der Gattung Prevotella ab- und Neisseria zunahmen. Mundbakterien wandeln das Nitrat in Stickstoffmonoxid um, was die Gefäße entspannt. Eine verwandte Folgestudie aus dem Jahr 2025 mit 15 älteren Hochdruckpatienten stellte zwar Mikrobiomveränderungen fest, aber keine anhaltende Blutdruckverbesserung.

Kardiologin Dr. Annapurna Kini vom Mount Sinai Fuster Heart Hospital in New York erklärte, Rote Bete könne die Gefäße elastisch halten und erweitern, wobei die Wirkung individuell unterschiedlich ausfalle. Eine Ernährungsberaterin riet dazu, auch Rote-Bete-Blätter mit Olivenöl, etwas Knoblauch und einer Prise Salz zuzubereiten.

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Grenzen weiterer pflanzlicher Ansätze

Ein Übersichtsartikel zu alternativen Pflanzenmitteln unterstreicht die Begrenztheit der Datenlage. Hibiskus als Tee zeigte in einzelnen Untersuchungen bescheidene Resultate bei variierenden Studienbedingungen. Für Weißdorn reichen die Befunde nicht aus, um konsistente Blutdruckvorteile oder die Sicherheit verschiedener Formulierungen zu belegen.

Auch zu Zimt existieren lediglich kleine, vorsichtig zu bewertende Studien. Gewöhnliche Küchenkräuter sind nicht mit konzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln gleichzusetzen. Da keine kontrollierten Studien mehrere Kräuter direkt vergleichen, gelten sie in der Forschung lediglich als Kandidaten für weitere Analysen, nicht aber als nachgewiesene Therapien.

Risiken durch Wechselwirkungen und Überdosierung

Die American Heart Association warnt davor, Medikamente eigenmächtig abzusetzen oder ausschließlich auf Supplemente zu setzen. Dies könne zu Rebound-Hypertonie führen. In den USA gilt ein Wert ab 130/80 mmHg als Bluthochdruck; fast die Hälfte der Erwachsenen ist betroffen, viele davon unzureichend eingestellt.

Nach Angaben des NHS drohen bei unbehandeltem Bluthochdruck gravierende Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz- und Niereninsuffizienz, Aortenaneurysmen, vaskuläre Demenz, Sehverlust sowie sexuelle Funktionsstörungen.

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Patienten unter medikamentöser Behandlung sollten vor dem regelmäßigen Konsum von Rote-Bete-Saft ärztlichen Rat einholen und die Werte kontinuierlich überwachen. Vorsicht gilt zudem bei eingeschränkter Nierenfunktion, Kaliumrestriktionen oder einer Neigung zu Kalziumoxalatsteinen; eine einheitliche Verzehrempfehlung gibt es nicht.

Dass ein extremer Konsum lebensbedrohlich sein kann, zeigte der Fall eines 82-jährigen herzkranken Mannes in den USA: Nachdem er über Wochen hinweg wöchentlich knapp 3 kg gekochte Rote Bete samt Kochwasser konsumiert hatte, erlitt er einen Kollaps mit schiefergrauer Haut, bedrohlich niedrigem Blutdruck und einer Sauerstoffsättigung von 88 Prozent.

Die Kombination aus den Gemüsenitraten und seinem Herzmedikament Isosorbidmononitrat führte zu einer schweren Methämoglobinämie mit einem Methämoglobinwert von knapp 21 Prozent, die erst durch die Gabe von Methylenblau erfolgreich behandelt werden konnte.

Darüber hinaus bergen auch andere Nahrungsmittel Risiken: Grapefruitsaft hemmt den Abbau von Calciumkanalblockern wie Felodipin, Nisoldipin oder Nifedipin, was lebensgefährliche Blutdruckabfälle auslösen kann. Knoblauch sowie Ingwer in dosen von über 50 g pro Tag können die Wirkung von Gerinnungshemmern verstärken, während kaliumreiche Lebensmittel die Wirkung von Immunsuppressiva dämpfen können.

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