Roter Ginseng: Studie mit 900 Erwachsenen zeigt mehr Tiefschlaf und Vitalität
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas 14. Internationale Ginseng-Symposium auf der südkoreanischen Insel Jeju versammelt rund 800 Fachleute aus 14 Ländern, darunter Südkorea, die USA, Deutschland, Schweden, China und Japan.
Die traditionsreiche Konferenz, die seit 1974 alle vier Jahre unter der Schirmherrschaft des südkoreanischen Landwirtschaftsministeriums und der Korean Ginseng Association stattfindet, widmet sich der wissenschaftlichen Neubewertung der traditionellen Heilpflanze.
Im Mittelpunkt der jüngsten Präsentationen stehen vor allem klinische Daten zu altersbedingtem Muskelabbau sowie zur Regeneration bei chronischer Erschöpfung.
Muskelerhalt bei postmenopausalen Frauen im Fokus
Eine Untersuchung von Jeong Tae-ha vom Wonju College of Medicine der Yonsei University liefert neue Hinweise auf den Erhalt von Muskelmasse im Alter. In der Studie nahmen 51 postmenopausale Frauen ab 50 Jahren über einen Zeitraum von acht Wochen täglich entweder 2 g Roten Ginseng oder ein Placebo ein.
Die Auswertung zeigte beim medianen Muskelmasseverlust deutliche Unterschiede: Während die Teilnehmerinnen in der Ginseng-Gruppe im Median 178 g Muskelmasse verloren, betrug der Verlust in der Placebo-Gruppe 595 g. Zudem stieg die Fettmasse ausschließlich in der Kontrollgruppe signifikant an.
Bei Probandinnen mit einem Body-Mass-Index von unter 25 fiel der Unterschied noch ausgeprägter aus: Der Muskelverlust lag bei 182 g gegenüber 867 g unter Placebo, während die Zunahme an Fettmasse 369 g im Vergleich zu 801 g betrug. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass die Aussagekraft durch die kleine Teilnehmerzahl von 51 Personen begrenzt ist und weitere Untersuchungen erforderlich sind.
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Großstudie zu chronischer Erschöpfung und Schlafqualität
Ergänzend dazu stellte Tan Hong-Sheng von der Shanghai Jiao Tong University die Ergebnisse einer groß angelegten, doppelblinden und placebokontrollierten Untersuchung vor, die unter der Kennung NCT05592093 registriert ist und über die Jahre 2023 bis 2024 lief.
An der Studie nahmen 900 Erwachsene im Alter zwischen 40 und 75 Jahren teil, die unter chronischer Müdigkeit litten. Die tägliche Gabe von 3 g Rotem Ginseng über zwölf Wochen senkte den MDA-Wert – einen etablierten Marker für oxidativen Stress – signifikant, während dieser Wert in der Placebo-Gruppe anstieg. Dieser Effekt zeigte sich besonders bei den 40- bis 60-Jährigen.
Hinsichtlich der Lebensqualität, gemessen über den SF-36-Fragebogen, erzielte die Interventionsgruppe ein Plus von 10,68 Punkten gegenüber 7,13 Punkten in der Kontrollgruppe, insbesondere bei der körperlichen Rollenfunktion und der Vitalität.
Eine sensorbasierte Schlafanalyse bei 512 Teilnehmern ergab zudem einen Zuwachs von 12,5 Minuten Tiefschlaf (ein Plus von 11,5 Prozent) sowie 35,9 Minuten Gesamtschlaf (plus 8,8 Prozent) im Vergleich zu Placebo, begleitet von einer geringeren Schlafvariabilität. Die Autoren betonen, dass es sich hierbei um statistische Gruppendifferenzen handelt, aus denen sich keine individuelle Wirkgarantie ableiten lässt.
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Tiermodelle zu Stoffwechsel und Gehirnfunktion
Neben den Humanstudien standen präklinische Mechanismen im Fokus des Symposiums. Johan Auwerx von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) legte in einem Hauptvortrag dar, dass Roter-Ginseng-Extrakt bei Mäusen mit MASH (einer chronischen Leberentzündung) Merkmale des metabolischen Syndroms sowie Leberschäden verbesserte. Der Extrakt verringerte Körperfett und Leberfibrose, senkte die Marker ALT und TIMP1 und normalisierte Blutzucker sowie Insulinsensitivität.
Weitere Versuchsreihen betrafen neurodegenerative und muskuläre Prozesse. Moon Min-ho und Nam Yun-kwon von der Konyang University beobachteten, dass das KRGP-Polysaccharid in den Alzheimer-Mausmodellen 5XFAD und 3xTg die Ablagerungen von Amyloid-beta sowie Tau-Proteinen reduzierte, Lern- und Gedächtnisleistungen verbesserte und die Neurogenese im Hippocampus förderte.
Park Sang-min von der Chungnam National University berichtete, dass das Ginsenosid Rb2 bei gealterten Mäusen den Muskelkraftverlust minderte sowie Griffkraft und Motorik stärkte, verbunden mit genetischen Veränderungen bei Muskel-, Neurotransmitter- und Leber-Energiestoffwechselgenen.
Methodische Grenzen und Ausblick
Das Tagungsprogramm der Korean Society of Ginseng umfasste darüber hinaus Arbeiten zu Haut- und Sinnesfunktionen, Colitis-Hemmung, Immunregulation und antiviralen Wirkungen sowie eine Sektion zur Ginseng-Industrie in Südkorea, China und Vietnam.
Trotz der vielversprechenden Ansätze mahnte die Korean Society of Ginseng zur sachlichen Einordnung: Studien am Menschen lieferten bislang keinen Nachweis über eine tatsächliche Verlangsamung des menschlichen Alterungsprozesses.
Da viele Erkenntnisse zu Gehirn und Muskulatur bislang vor allem auf Tier- und Zellmodellen beruhen, bleibe eine breite Validierung der Wirkung und Langzeitsicherheit beim Menschen notwendig.
Kim Jong-hoon, Präsident der Fachgesellschaft, erklärte, dass eine fundierte wissenschaftliche Überprüfung künftig neue Anwendungsfelder erschließen solle. Das nächste Symposium ist für das Jahr 2030 vorgesehen.
