Rückenschmerz-Therapie, G-BA

Rückenschmerz-Therapie: G-BA setzt auf Bewegung statt Schonung

20.06.2026 - 13:30:58 | boerse-global.de

Der G-BA aktualisiert das DMP bei Rückenschmerz. Bewegung und multimodale Konzepte ersetzen die reine Symptombekämpfung.

Chronische Schmerzen: Neue Therapie setzt auf Bewegung statt Schonung
Rückenschmerz-Therapie - Hände halten sanft ein leuchtendes, ätherisches Licht, das ganzheitliche Heilung und Wohlbefinden symbolisiert. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt reiner Symptombekämpfung setzen Ärzte und Krankenkassen zunehmend auf multimodale Konzepte und die Eigenaktivität der Patienten.

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Neue Programme gegen das „Angst-Vermeidungs-Verhalten“

Mitte Juni aktualisierte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Anforderungen für das Disease-Management-Programm (DMP) bei chronischem Rückenschmerz. Grundlage war eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das 425 Empfehlungen aus elf Leitlinien untersuchte.

Das Hauptziel: Patienten sollen lernen, sich trotz Schmerzen zu bewegen. Statt Schonung steht körperliche Aktivität im Vordergrund. Das Programm richtet sich an Versicherte, deren Schmerzen länger als zwölf Wochen anhalten. Die vertragliche Umsetzung durch die Krankenkassen steht noch aus – Experten rechnen mit einer Einführung im Laufe des Jahres.

Parallel dazu gewinnen digital gestützte Therapien an Bedeutung. Das dänische Programm GLA:D etwa kombiniert Physiotherapie mit einer digitalen Anwendung. Eine gesetzliche Krankenkasse kündigte an, das Angebot ab Juli zunächst in Berlin-Brandenburg einzuführen. Ziel: Schmerzen reduzieren und Operationen vermeiden.

Osteopathie bleibt umstritten

Trotz ihrer Beliebtheit: Die wissenschaftliche Evidenz für alternative Heilmethoden ist oft dünn. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertete die Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen im Juni erneut als „unklar“. Die Analyse von zehn Studien mit insgesamt 1.160 Teilnehmern ergab keinen eindeutigen Beleg für einen Zusatznutzen gegenüber Standardtherapien.

Die Experten kritisierten methodische Schwächen vieler Untersuchungen. Zudem liegen die Kosten für Selbstzahler meist zwischen 80 und 150 Euro pro Sitzung.

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Das Gehirn als Schmerzverstärker

Die moderne Forschung betont die Rolle des Gehirns bei der Chronifizierung. Fachärzte für Psychosomatik wie Bernd Löwe vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf weisen darauf hin: Psychosomatische Symptome sind keine Einbildung, sondern beruhen auf realen biologischen Prozessen. Das Gehirn kann lernen, Schmerzsignale auch ohne akute Gewebeschädigung zu generieren.

Die Konsequenz: Multimodale Schmerztherapien, bei denen Mediziner verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten. In regionalen Foren, wie sie im Juni im Ruhrgebiet stattfanden, informieren Experten über die Notwendigkeit, körperliche und psychische Aspekte gleichzeitig zu behandeln. Nur so lässt sich das „Schmerzgedächtnis“ positiv beeinflussen.

Wearables und Bewegung im Alltag

Technologische Innovationen unterstützen den neuen Ansatz. Auf der Fachmesse „therapie MÜNCHEN“ wurden im Juni neue Konzepte der Neuro-Physiologie präsentiert, die Koordinationstraining und Rehabilitation verknüpfen. Hersteller bringen Wearables auf den Markt, die speziell für Hybridtraining und die Überwachung von Bewegungsmustern entwickelt wurden.

Die Relevanz solcher Angebote zeigt eine aktuelle US-Studie: Patienten unter GLP-1-Medikation reduzierten ihre tägliche Schrittzahl signifikant. Das verstärkt die Forderung nach begleitenden physiotherapeutischen Maßnahmen – und nach ergonomischen Lösungen im Arbeitsumfeld. Höhenverstellbare Schreibtische oder kompakte Laufbänder fürs Homeoffice sollen die Mobilität sichern und Schmerzen vorbeugen.

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