RĂŒckenschmerzen, Bundestag

RĂŒckenschmerzen: Bundestag beschließt Zweitmeinung vor WirbelsĂ€ulen-OPs

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neues Gesetz verpflichtet zu Zweitmeinung vor WirbelsÀulen-OPs. Zudem bringt es ab 2027 eine Teilkrankschreibung und höhere Zuzahlungen.

RĂŒckenschmerz-Behandlung: Bundestag beschließt Zweitmeinungspflicht
Ein detailliertes, leuchtendes Modell einer menschlichen WirbelsĂ€ule in einer futuristischen, medizinischen Umgebung mit digitalen Datenvisualisierungen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Der Bundestag hat am 10. Juli das Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) verabschiedet. Es fĂŒhrt eine verpflichtende Zweitmeinung vor bestimmten WirbelsĂ€ulen-Eingriffen ein.

Betroffen sind planbare Operationen an Knie, HĂŒfte, Schulter – und jetzt auch an der WirbelsĂ€ule. Ziel: Die Notwendigkeit chirurgischer Eingriffe kritisch prĂŒfen und konservative Alternativen stĂ€rken.

Die Diagnose ist oft knifflig

Aktuelle Analysen zeigen die KomplexitĂ€t von RĂŒckenschmerzen. Bei rund 90 Prozent der FĂ€lle handelt es sich um unspezifische Beschwerden. Eine eindeutige strukturelle Ursache lĂ€sst sich nicht finden.

Nur in 5 bis 10 Prozent der FĂ€lle stecken spezifische Ursachen dahinter: etwa eine Radikulopathie oder eine Spinalkanalstenose. Die PrĂ€valenz steigt mit dem Alter – den Höchststand erreicht sie bei 85-JĂ€hrigen. Frauen sind hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner.

Eine aktuelle Auswertung zeigt zudem die ChronizitĂ€t: Bei 76 Prozent der Betroffenen ist es nicht die erste Episode von Kreuzschmerzen. Als Risikofaktoren gelten neben Alter und Übergewicht auch körperlich belastende Arbeit, Rauchen, psychische Vorerkrankungen und Diabetes.

Wichtig: Bei akuten Schmerzen unter sechs Wochen wird keine routinemĂ€ĂŸige Bildgebung empfohlen. Denn etwa 72 Prozent der Patienten erholen sich innerhalb eines Jahres.

Teilkrankschreibung ab 2027

Das neue Gesetz bringt weitere Änderungen. Ab 2027 gibt es fĂŒr gesetzlich Versicherte die Möglichkeit einer Teilkrankschreibung. Bei Erkrankungen ĂŒber vier Wochen können Patienten zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsunfĂ€hig geschrieben werden.

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Das soll eine schrittweise RĂŒckkehr in den Job ermöglichen. Arbeitgeber haben allerdings ein Widerspruchsrecht – innerhalb von sieben Tagen.

Auch die Zuzahlungen steigen: fĂŒr Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro. Das Sparpaket sieht Einsparungen von insgesamt 18,8 Milliarden Euro vor. HausĂ€rzte warnten am 11. Juli vor möglichen VersorgungslĂŒcken. Besonders in dĂŒnn besiedelten Regionen könnten KĂŒrzungen die ambulante Betreuung von Schmerzpatienten erschweren.

Forschung setzt auf Regeneration

Die klinische Forschung arbeitet an AnsĂ€tzen, die ĂŒber reine Symptombehandlung hinausgehen. Ziel ist die Regeneration von Knorpelgewebe. Viele Studien fokussieren zwar auf Kniegelenksarthrose – die Erkenntnisse lassen sich aber teilweise auf die WirbelsĂ€ule ĂŒbertragen.

Ein vielversprechender Wirkstoff: Sprifermin (FGF-18). Er zeigte eine messbare Verdickung von Knorpelgewebe. Die Auswirkungen auf das Schmerzempfinden fielen in ersten Studien allerdings gering aus.

Ein weiterer Kandidat ist Lorecivivint. Der Wirkstoff hemmt knorpelabbauende Enzyme und befindet sich bereits im Zulassungsverfahren bei der US-Arzneimittelbehörde FDA.

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Die 2022 gegrĂŒndete Organisation ARPA-H fördert zudem Projekte zur Entwicklung biologischer Prothesen und regenerativer Biomaterialien – unter anderem an der Columbia University und der Duke University.

FĂŒr Patienten mit Adipositas als treibendem Faktor rĂŒcken GLP-1-Analoga in den Fokus. Sie unterstĂŒtzen die Gewichtsreduktion und zeigen laut neueren Metaanalysen positive Effekte auf Begleitbeschwerden wie Schlafapnoe.

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