Rückenschmerzen: Hochdosierte Opioide erhöhen das Abhängigkeitsrisiko um 147 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Verschreibung hochdosierter Opioide bei neu auftretenden Rückenschmerzen birgt für Patienten erhebliche gesundheitliche Gefahren. Bei erwachsenen Medicaid-Versicherten ist eine hochdosierte Verordnung mit einem um 147 Prozent erhöhten Risiko für das Auftreten einer Opioidkonsumstörung verbunden. Dies ging aus einem Fachbericht vom 20. Oktober 2026 hervor.
Angesichts dieser Gefahr betonen Experten die Notwendigkeit, der Entstehung chronischer Schmerzverläufe frühzeitig vorzubeugen, anstatt primär auf hochpotente Schmerzmittel zu setzen.
Chronische Schmerzen, die als Beschwerden über mehr als drei Monate definiert sind, betreffen mehr als jeden fünften US-Erwachsenen. Schmerzen im unteren Rückenbereich gelten weltweit als die häufigste Ursache für körperliche Beeinträchtigungen und Behinderungen.
Begrenzter Nutzen und Gefahr verstärkter Schmerzempfindlichkeit
Wissenschaftliche Untersuchungen stellen den langfristigen therapeutischen Wert von Opioiden bei Schmerzzuständen zunehmend infrage. Eine systematische Übersichtsarbeit der University of Alberta, die 27 randomisierte kontrollierte Studien umfasste und unter der Leitung von Scott Garrison im British Journal of General Practice erschien, analysierte die Wirksamkeit der Substanzen.
Die Auswertung ergab, dass Opioide bei akuten Schmerzen lediglich in den ersten vier Wochen eine verlässliche Linderung bieten. Bei einer Einnahmedauer darüber hinaus ließ sich kaum ein weiterer Nutzen belegen.
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Bei einer Medikation von mehr als zwölf Wochen Dauer droht zudem eine sogenannte Hyperalgesie, bei der die Behandlung paradoxerweise zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit führen kann.
Vergleichsstudie zeigt funktionelle Veränderungen im Gehirn
Dass eine längerfristige Einnahme das Schmerzniveau oft nicht signifikant senkt, verdeutlicht eine an der Northwestern University durchgeführte und im Fachjournal Brain veröffentlichte Untersuchung.
Das Team um Studienleiter A. Vania Apkarian verglich 70 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die im Durchschnitt seit 7,8 Jahren niedrige bis mittlere Dosen an Opioiden einnahmen, mit einer Kontrollgruppe von 70 opioidnaiven Schmerzpatienten.
Auf einer Skala von 0 bis 10 lag das durchschnittliche Schmerzniveau in beiden Kohorten übereinstimmend bei etwa 5,4. Hinsichtlich der körperlichen Funktionsfähigkeit und der psychischen Gesundheit schnitten die mit Opioiden behandelten Personen jedoch etwas schlechter ab.
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In Magnetresonanztomografien zeigten sich zwar keine dauerhaften anatomischen Hirnveränderungen, wohl aber messbare Unterschiede in der Hirnfunktion und der interregionalen Kommunikation, insbesondere in Arealen für Belohnung und Motivation. Funktionelle Bildgebungen wiesen spezifische molekulare Signaturen auf, vor allem im Bereich der Serotonin- und Opioidrezeptoren.
Auf Basis dieser Erkenntnisse planen die Autoren der Northwestern-Studie nun klinische Tests mit einem an Serotoninrezeptoren ansetzenden Antidepressivum, um chronische Schmerzen zu lindern und das kontrollierte Ausschleichen von Opioiden zu unterstützen.
Zusätzliche Komorbiditäten und Risiken bei Kombinationstherapien
Neben dem Abhängigkeitspotenzial sind Opioide sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) mit weiteren gesundheitlichen Belastungen assoziiert. Bei Patienten mit Osteoarthritis stehen beide Wirkstoffklassen unabhängig voneinander mit neun verschiedenen Komorbiditätstypen in Zusammenhang, darunter kardiovaskuläre, gastrointestinale, renale, hepatische, respiratorische, metabolische, neurologische, onkologische sowie psychologische Begleiterkrankungen.
Im Rahmen statistischer Mediationsanalysen erklärten NSAR etwa 16 Prozent und Opioide etwa 7 Prozent des mit Osteoarthritis verknüpften Risikos für psychologische Begleiterkrankungen.
Zudem erfordern bestimmte Opioide wie Fentanyl, Tramadol, Methadon und Pethidin erhöhte Vorsicht bei medikamentösen Kombinationen. Da diese Substanzen die neuronale Serotonin-Wiederaufnahme hemmen, besteht bei gleichzeitiger Gabe von Lithium das theoretische Risiko eines potenziell lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms, weshalb Fachleute eine engmaschige klinische Beobachtung betroffener Patienten empfehlen.
