RĂŒckenschmerzen, Neuroathletik

RĂŒckenschmerzen: Neuroathletik und Faszientraining statt Operation

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neuroathletik, Faszientraining und ergonomische Hilfen ergĂ€nzen die PrĂ€vention von Nacken- und RĂŒckenbeschwerden im Alltag und Beruf.

RĂŒckenbeschwerden: Bewegungskonzepte setzen auf Neuroathletik
Ein geschwungener Waldweg in einer hĂŒgeligen Landschaft bei sanftem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Nacken- und RĂŒckenschmerzen gewinnt angesichts ihrer HĂ€ufigkeit in der medizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. In Deutschland stellen Nackenschmerzen bereits den dritthĂ€ufigsten Anlass fĂŒr Beratungen in hausĂ€rztlichen Praxen dar.

WĂ€hrend bei rund jedem zehnten Patienten strukturelle Ursachen wie altersbedingte Verschleißerscheinungen der Halswirbelkörper diagnostiziert werden, resultieren viele Beschwerden aus Muskelverspannungen oder Fehlhaltungen. Aktuelle Analysen und Fachkongresse zeigen hierbei einen deutlichen Trend hin zu aktiven BewegungsansĂ€tzen wie Neuroathletik und Faszientraining.

Neuroathletik und AlltagsĂŒbungen als neue BehandlungsansĂ€tze

In der therapeutischen Praxis gewinnen Methoden an Einfluss, die ĂŒber klassische Gymnastik hinausgehen. Die Sebastian-Kneipp-Akademie stellte im Rahmen des Bewegungskongresses „Move it – Kneipp macht fit“, der im FrĂŒhjahr in Bad Wörishofen stattfand, verschiedene AnsĂ€tze zur Schmerzlinderung vor.

Laut Claudia Sachon, der stellvertretenden Leiterin der Akademie, wurden dabei Techniken wie die Neuroathletik und die Gehtechnik „Rote Farbe“ thematisiert.

Heike Kirschnek demonstrierte in diesem Zusammenhang, wie alltĂ€gliche GegenstĂ€nde oder TĂ€tigkeiten in das Training integriert werden können. So lasse sich ein einfaches Handtuch als GanzkörpertrainingsgerĂ€t einsetzen, wĂ€hrend selbst ReinigungstĂ€tigkeiten im Haushalt als gezielte Übungen fĂŒr die RĂŒcken- und Bauchmuskulatur fungieren können. Ziel dieser AnsĂ€tze ist es, Bewegung niederschwellig in den Alltag zu integrieren, um chronischen Verspannungen entgegenzuwirken.

Infrastruktur fĂŒr die öffentliche Gesundheitsförderung

Ein Beispiel fĂŒr die Umsetzung moderner Bewegungskonzepte im öffentlichen Raum ist der neu eröffnete Fitnessparcours in Steinach am Brenner in Tirol. Das Areal im Naherholungsgebiet „Herrenwasserl“ umfasst einen 1,5 Kilometer langen Weg mit einer Steigung von etwa 6 bis 10 Prozent. Von den insgesamt 18 Stationen sind 10 barrierefrei zugĂ€nglich, sodass der Parcours auch mit dem Rollstuhl befahrbar ist.

Besonderes Augenmerk liegt auch hier auf der Neuroathletik. An sechs speziell gekennzeichneten Tafeln werden Übungen zur Förderung der Wahrnehmung und der Augenmuskulatur angeboten. BĂŒrgermeister Florian Riedl und der Sportexperte Rudi Geir betonten die Bedeutung solcher Angebote fĂŒr alle Altersgruppen.

Geir setze Neuroathletik bereits seit lÀngerer Zeit im Training mit Kindern, Jugendlichen und Senioren ein. Der neue Parcours ersetzt hölzerne Bewegungsstationen aus den 1970er und 1980er Jahren, die seit der Jahrtausendwende nicht mehr vorhanden waren.

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Faszientraining und funktionelle Mobilisation

Ein weiterer Schwerpunkt in der PrĂ€vention von RĂŒckenleiden ist das Training des Bindegewebes. Faszien umhĂŒllen Muskeln, Nerven und Knochen; Verklebungen in diesem Gewebe gelten oft als Ursache fĂŒr Schmerzen. Formate wie die Sendung „Tele-Gym“ greifen dieses Thema mit speziellen Programmen auf, etwa dem „Happy Balance“-Training, das als sanftes, funktionelles Ganzkörpertraining konzipiert ist.

ErgĂ€nzend dazu finden somatische AnsĂ€tze verbreitung, die Übungen im Sitzen ermöglichen. Diese Methoden, die teilweise Elemente der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson integrieren, zielen auf die Aktivierung des Vagusnervs ab. Sie sollen nicht nur bei Verspannungen, sondern auch bei Spannungskopfschmerzen und MigrĂ€ne unterstĂŒtzend wirken.

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Experten weisen jedoch darauf hin, dass bei akuten, neu auftretenden starken Schmerzen oder neurologischen AusfÀllen wie Kribbeln in den ExtremitÀten eine Àrztliche AbklÀrung zwingend erforderlich ist.

Evidenzbasierte Empfehlungen und Arbeitsplatzgestaltung

Fachleute betonen zunehmend, dass Operationen bei Schmerzen im Bereich der LendenwirbelsĂ€ule in vielen FĂ€llen nicht zwingend erforderlich sind. Gezielte körperliche AktivitĂ€t, wie etwa Pilates, angepasstes Yoga oder bewusstes Gehen auf ebenem Untergrund, könne die LebensqualitĂ€t oft effektiver steigern. Bewegung wirke dabei wie ein Schmiermittel fĂŒr die Gelenke und reduziere den mechanischen Druck auf die Wirbel.

Auch im beruflichen Umfeld besteht erheblicher Handlungsbedarf. Laut einer ErwerbstĂ€tigenbefragung von BIBB und BAuA aus dem Jahr 2018 heben und tragen rund 23 Prozent der BeschĂ€ftigten hĂ€ufig schwere Lasten. Etwa jede sechste Person arbeitet in Zwangshaltungen, was dazu fĂŒhrt, dass rund ein Viertel aller ArbeitsunfĂ€higkeitstage auf Muskel-Skelett-Erkrankungen entfĂ€llt.

Als technische Lösung zur Entlastung werden verstÀrkt Hubtische eingesetzt, die Lasten von 150 Kilogramm bis hin zu mehreren Tonnen auf eine ergonomische Arbeitshöhe bringen können. Die BAuA empfiehlt eine GefÀhrdungsbeurteilung bereits bei Lastgewichten ab drei Kilogramm.

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