Rüstungsindustrie: 8 Monate Wartezeit bei Sicherheitsüberprüfungen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutschen Rüstungsverbände warnen vor massiven Verzögerungen beim Personalaufbau innerhalb der Verteidigungsindustrie. In einem internen Positionspapier, über das die „Welt am Sonntag“ berichtete, kritisieren der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) die schleppende Bearbeitung von Sicherheitsüberprüfungen. Diese administrativen Engpässe gefährden laut den Verbänden die ambitionierten Ziele der Bundesregierung, die Verteidigungsfähigkeit durch Milliardeninvestitionen in die Landesverteidigung kurzfristig zu stärken.
Lange Bearbeitungszeiten bei Behördenabfragen
Ein zentraler Kritikpunkt der Branchenverbände ist die Dauer der behördlichen Verfahren. Die notwendigen Abfragen beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie bei weiteren beteiligten Behörden nehmen im Durchschnitt etwa acht Monate in Anspruch.
Betroffene Unternehmen bestätigten diesen Zeitraum als Mittelwert für die Überprüfung neuer Mitarbeiter. In Einzelfällen können sich die Verzögerungen beim Personalaufbau sogar über Jahre hinwegziehen.
Das Arbeitsaufkommen bei den zuständigen Stellen ist dabei erheblich. Das Bundesamt für Verfassungsschutz führte im Jahr 2025 Sicherheitsüberprüfungen für über 61.000 Mitarbeiter durch. Dennoch sehen die Verbände dringenden Nachbesserungsbedarf, da hochspezialisierte Fachkräfte oft mehrmonatige Prozesse durchlaufen müssen, bevor sie ihre Tätigkeit in den sensiblen Arbeitsbereichen der Rüstungsindustrie aufnehmen können.
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Bürokratische Redundanzen bei Stellenwechseln
Neben der reinen Bearbeitungsdauer kritisieren BDLI und BDSV die mangelnde Effizienz durch Mehrfachprüfungen. Ein besonderes Hindernis stellt der Wechsel von Personal aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung in die Privatwirtschaft dar.
So müssen etwa ehemalige Bundeswehrangehörige, die bereits durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) überprüft wurden, bei einem Wechsel in die Industrie ein komplett neues Verfahren durchlaufen.
Diese fehlende Anerkennung bereits bestehender Sicherheitsfreigaben führt nach Einschätzung der Verbände zu unnötigen Wartezeiten. Die Rüstungsindustrie, in der deutschlandweit rund 100.000 Beschäftigte tätig sind, ist auf einen zügigen Zustrom von Experten angewiesen, um die staatlichen Aufträge zeitgerecht bearbeiten zu können. Die Verbände fordern daher eine Straffung der Prozesse und eine bessere Koordination zwischen den beteiligten Sicherheitsorganen.
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Verantwortung im Bundeswirtschaftsministerium
Die operative Verantwortung für die sogenannte Geheimschutzbetreuung der Unternehmen liegt beim Bundeswirtschaftsministerium. Dieses koordiniert die Sicherheitsinteressen des Bundes gegenüber der gewerblichen Wirtschaft. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage und des damit verbundenen Bedarfs an einer beschleunigten Aufrüstung fordern die Industrievertreter nun politische Initiativen, um die Verfahren zu modernisieren.
Die Verzögerungen betreffen demnach nicht nur einfache Angestellte, sondern insbesondere hochspezialisierte Fachkräfte, deren Expertise für die technologische Weiterentwicklung von Verteidigungssystemen essenziell ist.
Sollten die Bearbeitungszeiten nicht signifikant verkürzt werden, drohe ein dauerhafter Rückstau, der die Transformation der Bundeswehr sowie die Funktionsfähigkeit der heimischen Rüstungsproduktion nachhaltig beeinträchtigen könnte.
