Safe-Hearts-Plan, HerztodesfÀlle

Safe-Hearts-Plan: EU will vorzeitige HerztodesfÀlle bis 2035 um 25 Prozent senken

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein EU-Vorschlag sieht altersabhĂ€ngige Untersuchungen vor; eine neue Kampagne wirbt fĂŒr Kontrollen wichtiger Herz-Kreislauf-Risikowerte.

EU-Kommission schlÀgt gestaffelte Herz-Kreislauf-Checks vor
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer modernen medizinischen Einrichtung mit Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten in der EuropĂ€ischen Union als fĂŒhrende Todesursache. Sie betreffen rund 62 Millionen Menschen und fordern jĂ€hrlich etwa 1,7 Millionen Menschenleben. Neben den gesundheitlichen Belastungen entstehen dadurch jĂ€hrlich Gesamtkosten von ĂŒber 282 Milliarden Euro, wovon rund 47 Milliarden Euro auf ProduktivitĂ€tsverluste entfallen.

Da bis zu 80 Prozent dieser TodesfĂ€lle durch die BekĂ€mpfung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterinspiegel, Blutzucker und Adipositas vermeidbar wĂ€ren, rĂŒckt die EuropĂ€ische Kommission die FrĂŒherkennung ins Zentrum ihrer Gesundheitspolitik.

Neue Empfehlungen fĂŒr strukturierte Herz-Kreislauf-Checks

Die EuropĂ€ische Kommission hat einen Vorschlag fĂŒr eine Ratsempfehlung zu kardiovaskulĂ€ren Untersuchungen vorgelegt und die erste EuropĂ€ische Screening-Woche ins Leben gerufen, die fĂŒr den Zeitraum vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 angesetzt ist. Der Vorstoß reagiert auf ein deutliches Versorgungsdefizit: Bislang verfĂŒgt weniger als die HĂ€lfte der EU-Mitgliedstaaten ĂŒber flĂ€chendeckende Check-Programme.

Die vorgeschlagene Empfehlung sieht gestaffelte Kontrollen nach Altersgruppen vor:
- FĂŒr Personen unter 35 Jahren soll mindestens eine Untersuchung stattfinden.
- FĂŒr die Gruppe der 35- bis 64-JĂ€hrigen wird eine Kontrolle mindestens alle fĂŒnf Jahre empfohlen, bei erhöhtem Risiko auch hĂ€ufiger.
- FĂŒr Personen ab 65 Jahren sind Untersuchungen in Intervallen von drei bis fĂŒnf Jahren vorgesehen.

Um den Zugang fĂŒr BĂŒrger möglichst niedrigschwellig zu gestalten, soll die DurchfĂŒhrung nicht nur in Arztpraxen erfolgen, sondern auch ĂŒber Apotheken, Gemeindezentren und mobile Einheiten abgewickelt werden.

Parallel dazu startete die Kommission am 29. September 2026 anlĂ€sslich des Weltherztags die AufklĂ€rungskampagne „Know Your Numbers“, die sich gezielt der Kontrolle von Blutdruck, Blutfettwerten, Blutzucker und dem Screening auf Adipositas widmet.

Einbettung in den Safe-Hearts-Plan und Finanzierung

Die Initiative ist Bestandteil des im Dezember 2025 vorgestellten Safe-Hearts-Plans. Dieser verfolgt das Ziel, die Zahl der vorzeitigen kardiovaskulĂ€ren TodesfĂ€lle bis zum Jahr 2035 um 25 Prozent zu verringern. Nach Angaben der Kommission zahlt sich PrĂ€vention auch wirtschaftlich aus: Jeder Euro, der in gut konzipierte Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit investiert wird, kann einen Nutzen von bis zu 14 Euro erbringen.

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Zur UnterstĂŒtzung der Vorhaben werden ĂŒber das Programm EU4Health finanzielle Mittel bereitgestellt. Rund 20 Millionen Euro fließen in den Aufbau des European Cardiovascular Health Data and AI Network. Zudem erhalten die OECD und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeweils 2 Millionen Euro. FĂŒr das Projekt LENSES, dessen Start bis Ende 2027 vorgesehen ist, sind 1,6 Millionen Euro eingeplant.

Hohe Dunkelziffer bei kardiovaskulÀren Risikofaktoren

Die Notwendigkeit systematischer Screenings wird durch bestehende epidemiologische Erhebungen unterstrichen. Fast die HĂ€lfte der Bevölkerung in Europa leidet an Bluthochdruck, und etwa jeder vierte Diabetiker weiß nichts von der eigenen Erkrankung.

Auch unter jungen Menschen sind Risikofaktoren weit verbreitet: Rund 20 Prozent der Jugendlichen gelten als ĂŒbergewichtig. Bei den 15- bis 19-JĂ€hrigen gab mehr als jeder Sechste an, im vorangegangenen Monat geraucht zu haben, wĂ€hrend rund ein FĂŒnftel dieser Altersgruppe E-Zigaretten konsumierte.

Im Rahmen der Screening-Initiativen beteiligen sich europaweit ĂŒber 800 Zentren an Untersuchungen. In BrĂŒssel wurden begleitend bis zum 2. Oktober 2026 kostenlose Checks angeboten, bei denen Blutdruck, der HbA1c-Wert zur Blutzuckerkontrolle, das Lipidprofil, der Taillenumfang und der Body-Mass-Index (BMI) ermittelt wurden.

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Fachliche Resonanz auf den europĂ€ischen Vorstoß

In der Fachwelt und Politik stĂ¶ĂŸt das Vorhaben auf breite UnterstĂŒtzung. EU-Gesundheitskommissar Oliver Varhelyi kĂŒndigte an, dass prĂ€ventive kardiovaskulĂ€re Untersuchungen kĂŒnftig in allen Mitgliedstaaten etabliert werden sollen. Die Berichterstatterin des EuropĂ€ischen Parlaments, Romana Jerkovi? Kralji?, stufte das Dokument laut einem Bericht vom 28. September 2026 als historisch wichtig ein.

Thomas F. LĂŒscher, PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Kardiologischen Gesellschaft, hob hervor, dass eine personalisierte PrĂ€vention entlang von drei Altersgruppen sowie ein verstĂ€rkter Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz erforderlich seien.

Davor Mili?i?, PrÀsident der Kroatischen Kardiologischen Gesellschaft, wies auf die bereits gesunkene kardiovaskulÀre Sterblichkeit in Kroatien hin und betonte die Bedeutung einer engen Abstimmung zwischen nationalen Strategien und dem europÀischen Plan.

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