Salmonellen-Ausbruch: Mindestens 250 Erkrankte nach Essen in Prager Schulkantine
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 15:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein schwerer Fall von Salmonellose an der Masaryk-Grundschule im Prager Stadtteil Újezd nad Lesy hat eine Debatte über die Einhaltung von Hygienestandards in Bildungseinrichtungen ausgelöst.
Nach dem Verzehr einer Mahlzeit in der schuleigenen Kantine erkrankten im September 2026 mindestens 250 Personen. Untersuchungen der zuständigen Behörden und interne Berichte deuten auf gravierende Versäumnisse bei der Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln hin.
Hergang und Umfang der Infektionswelle
Ausgangspunkt der Erkrankungswelle war die Ausgabe von Spaghetti Carbonara am 21. September. Nach Angaben der Hygienestation Prag (HSHMP) wurden für die Zubereitung Eier verwendet, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits am 15. September abgelaufen war.
Da die Vorräte am Tag der Verarbeitung vollständig aufgebraucht wurden, konnten die Kontrolleure vor Ort keine direkten Proben der betroffenen Charge mehr entnehmen. Die Ermittlungen zum Lieferweg dauern an.
Die medizinischen Folgen für die Schulgemeinschaft sind erheblich. Von den rund 1100 Kindern der Schule erkrankten laut Fragebögen 240 Schüler sowie zehn Erwachsene. Die Hygienestation bestätigte bis zum 25. September labortechnisch 22 Fälle von Salmonellose bei Kindern.
Insgesamt mussten 41 Personen hospitalisiert werden, wobei einige Patienten intensivmedizinisch betreut werden mussten. Das Fakultätskrankenhaus Bulovka richtete für die betroffenen Kinder eine spezialisierte Infektionsabteilung ein und schränkte die Besuchsrechte vorübergehend ein.
Vorwürfe systematischer Hygienemängel
Im Zuge der Aufarbeitung wurden Berichte über länger bestehende Missstände in der Kantine laut. Eine Küchenmitarbeiterin, die seit 15 Jahren in der Einrichtung tätig ist, hatte bereits am 9. September eine offizielle Beschwerde bei der Hygienebehörde eingereicht. Sie berichtete von ungewöhnlichen Verfahrensweisen seit Anfang September, bei denen Lebensmittel über den gesamten Tag ungekühlt gelagert und erst am Folgetag weiterverarbeitet worden seien. Eine daraufhin am 15. September durchgeführte Kontrolle führte zunächst nicht zur Abwendung des späteren Ausbruchs.
Die Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendhygiene, Anna Füleová, erklärte dazu, dass der Betreiber bis zuletzt nicht alle geforderten Dokumente vorgelegt habe. Das Kontrollverfahren sei daher noch nicht abgeschlossen. Martina Marešová von der HSHMP betonte, dass die hohe Anzahl der Fälle klinisch und durch Ernährungsanamnesen eindeutig auf die gemeinsame Quelle in der Kantine zurückzuführen sei.
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Personelle Konsequenzen und polizeiliche Ermittlungen
Die Schulleitung unter Direktor Libor Skala reagierte bereits kurz vor dem massiven Ausbruch mit personellen Veränderungen. Am 16. September wurde der bisherige Leiter der Kantine, Mat?j Novotný, auf die Position eines Technologen versetzt und durch eine neue Leiterin ersetzt.
Angesichts der Schwere des Vorfalls und der Forderungen von Eltern sowie des Bürermeisters von Prag 21 nach lückenloser Aufklärung erwägt Skala inzwischen seinen eigenen Rücktritt.
Parallel dazu hat die Prager Polizei Ermittlungen aufgenommen. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Gefährdung der Gesundheit durch schädliche Lebensmittel. Sollte ein Verschulden nachgewiesen werden, drohen den Verantwortlichen laut Polizeisprecher Richard Hrdina Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.
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Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurde die Schule nach dem Vorfall vorübergehend geschlossen. Für die betroffenen Klassen der zweiten Stufe und der Montessori-Zweige wurde schulfrei angeordnet. In der Zwischenzeit erfolgte eine umfassende Sanierung und Desinfektion der gesamten Schule inklusive der Küchen- und Speiseräume.
Die Wiedereröffnung des Lehrbetriebs ist für den 29. September geplant. Laut Schulleitung wird die Verpflegung für das Hauptgebäude und die angeschlossenen Kindergärten vorerst durch einen externen Anbieter sichergestellt. Mitarbeiter, die in den schuleigenen Kücheneinrichtungen tätig sind, müssen vor Arbeitsaufnahme einen negativen Salmonellen-Test vorlegen.
Epidemiologischer Hintergrund
Nach Daten des Staatlichen Gesundheitsinstituts (SZÚ) wurden in Tschechien bis Ende August 2026 bereits mehr als 4000 Fälle von Salmonellose registriert, was einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Etwa 85 Prozent dieser Infektionen sind auf verunreinigte Lebensmittel zurückzuführen.
Fachleute weisen darauf hin, dass Salmonellen erst bei einer Erhitzung auf über 75 Grad Celsius zuverlässig abgetötet werden. Die Inkubationszeit der Erkrankung liegt üblicherweise zwischen 13 und 36 Stunden.
