Salzarme ErnÀhrung: 0,1 Prozent Kochsalz beeintrÀchtigt das MÀusegedÀchtnis
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine ausgewogene Natriumzufuhr gilt seit Langem als zentraler Faktor fĂŒr das Herz-Kreislauf-System. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen richten den Blick nun verstĂ€rkt auf die Wechselwirkungen zwischen dem Salzkonsum, der Darmflora und den kognitiven FĂ€higkeiten.
Eine Forschungsarbeit der Zhejiang University unter Leitung von Prof. Shiguo Chen verdeutlicht, dass sowohl ein ausgeprĂ€gter Mangel als auch ein massiver Ăberschuss an Speisesalz die GedĂ€chtnisleistung beeintrĂ€chtigen können, wie aus einem Bericht vom 11.10.2026 hervorgeht.
Kognitive EinbuĂen bei extremer Zufuhr
Im Rahmen der in der Fachzeitschrift Food Research International veröffentlichten Untersuchung analysierte das Team der Zhejiang University 32 mĂ€nnliche MĂ€use, die mit einer menschlichen Darmflora kolonisiert worden waren. Ăber einen Zeitraum von 14 Wochen erhielten die Tiere entweder eine extrem salzarme Kost mit 0,1 Prozent Kochsalz, eine extrem salzreiche ErnĂ€hrung mit 8,0 Prozent Kochsalz oder Futter mit normaler Salzzufuhr.
In standardisierten Verhaltenstests wie dem Y-Labyrinth sowie dem Objekttest schnitten beide Extremgruppen deutlich schlechter ab als die Kontrollgruppe mit moderater Salzzufuhr.
Die biochemischen Analysen im Hippocampus der betroffenen MĂ€use zeigten bei beiden Extremen messbare Defizite: Die Werte fĂŒr Synapsin I, PSD95 sowie den neurotrophen Faktor BDNF waren verringert. Zudem stellten die Forschenden eine verminderte Aktivierung des Transkriptionsfaktors CREB fest.
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Unterschiedliche Mechanismen im Mikrobiom
Obwohl beide ErnĂ€hrungsformen kognitive EinbuĂen auslösten, unterschieden sich die biologischen Mechanismen grundlegend. Bei beiden Extremen verĂ€nderte sich die Zusammensetzung der Darmflora, und die Konzentrationen der kurzkettigen FettsĂ€uren Propionat und Butyrat sanken.
Bei der salzarmen Gruppe mit 0,1 Prozent Natriumchlorid waren zusĂ€tzlich Acetat und Isobutyrat verringert, wĂ€hrend im Blut keine Zunahme von EntzĂŒndungsbotenstoffen nachgewiesen wurde.
Die stark salzreiche Nahrung mit 8,0 Prozent Kochsalz fĂŒhrte hingegen zu einer Vermehrung von EntzĂŒndungsbakterien sowie zu messbar erhöhten EntzĂŒndungsmarkern im Blut. DarĂŒber hinaus verzeichneten die Wissenschaftler oxidativen Stress, Störungen im Fettstoffwechsel und ein angstĂ€hnliches Verhalten bei den Tieren.
Trotz dieser Beobachtungen betont der Bericht, dass sich aus dem Tiermodell keine sichere Untergrenze fĂŒr den menschlichen Salzkonsum ableiten lasse; bestehende Reduktionsrichtlinien behalten ihre GĂŒltigkeit.
Forschung an Salzersatz und bestehende Richtlinien
Parallel zur Erforschung kognitiver Folgen wird an Strategien zur Verringerung der Salzaufnahme gearbeitet. Ein Team der Gannan Medical University um Mei Ding identifizierte Peptide aus dem Speisepilz Hypsizygus marmoreus, die den Salzeindruck verstĂ€rken können, wie npj Science of Food berichtete. Aus 6.092 Peptidsequenzen wĂ€hlten die Forschenden mittels maschinellem Lernen fĂŒnf synthetische Peptide aus.
In Tests mit 14 geschulten Testpersonen im Alter von 19 bis 34 Jahren steigerte das Peptid ASHGEGF die wahrgenommene SalzintensitĂ€t einer Kochsalzlösung um 70,59 Prozent, wĂ€hrend der Geschmack 105 Sekunden anhielt, verglichen mit 75 Sekunden bei der Kontrolllösung. Ob sich diese Resultate auf verarbeitete Lebensmittel ĂŒbertragen lassen, ist Gegenstand weiterer Forschung.
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Die Relevanz solcher AnsÀtze zeigt sich im Alltag: In Deutschland konsumieren Frauen durchschnittlich 8,4 Gramm und MÀnner 10 Gramm Salz pro Tag, wobei 75 bis 90 Prozent aus industriell verarbeiteten Produkten stammen.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung empfiehlt maximal 6 Gramm und die Weltgesundheitsorganisation maximal 5 Gramm pro Tag, wĂ€hrend der physiologische Mindestbedarf bei etwa 1,4 Gramm liegt.
Eine Reduktion um rund 5 Gramm tĂ€glich kann den systolischen Blutdruck um 6 bis 8 mmHg und den diastolischen um rund 3 mmHg senken. Fachleute weisen darauf hin, dass eine dauerhafte Blutdrucksenkung um 2 mmHg die Schlaganfallsterblichkeit um 10 Prozent und das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 7 Prozent mindert.

