Salzersatz: Studie mit 21.000 Menschen zeigt 14 Prozent weniger Risiken
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Vorbeugung und Behandlung von Bluthochdruck stand über Jahrzehnte vor allem ein Ratschlag im Mittelpunkt: der Verzehr von Kochsalz soll gesenkt werden. Ein im August 2026 im Fachjournal American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichter Übersichtsbeitrag fordert nun jedoch ein Umdenken in der Ernährungsstrategie.
Das Autorenteam um Naomi Fukagawa von der University of Vermont plädiert dafür, die Zufuhr von Natrium und Kalium künftig gemeinsam zu betrachten und beiden Mineralstoffen das gleiche Gewicht beizumessen.
Ungleichgewicht in der täglichen Nährstoffaufnahme
Die Reduktion von Kochsalz bleibt nach Ansicht der Autoren die Basisstrategie im Kampf gegen Hypertonie. Allerdings liege die Natriumaufnahme in weiten Teilen der Bevölkerung über den empfohlenen Grenzwerten, während die Kaliumaufnahme weit unter den Zielwerten bleibe.
Der Übersichtsbeitrag, der von einem Fachausschuss des Institute for the Advancement of Food and Nutrition Sciences (IAFNS) unterstützt wurde, stützt sich auf eine systematische Analyse vorliegender Evidenz, ohne neue Studiendaten oder veränderte Grenzwerte einzuführen.
Nach Angaben der Hochdruckliga leidet weltweit mehr als 1,28 Milliarden Erwachsene an Bluthochdruck, darunter mehr als jeder Dritte im Alter von 30 bis 79 Jahren. In Deutschland ist ebenfalls mehr als jeder Dritte betroffen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt maximal 6 g Salz pro Tag, während der tatsächliche Konsum in Deutschland im Schnitt bei 9 g liegt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Ländern: In Finnland liegt die Aufnahme bei Männern im Mittel bei 9,5 g und bei Frauen bei 7 g pro Tag, womit die Zielvorgabe von 5 g deutlich überschritten wird. In Österreich verzehren Frauen im Schnitt 2245 mg Natrium und Männer 2842 mg, was rund 6 beziehungsweise 7 g Salz entspricht.
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Mechanismen und Potenzial von Kalium
Eine Erhöhung der Kaliumzufuhr kann laut der im American Journal of Clinical Nutrition ausgewerteten Evidenz gezielt zur Blutdruckkontrolle beitragen, insbesondere in Verbindung mit einer reduzierten Natriumaufnahme. Physiologisch fördert ein höheres Kaliumangebot die Ausscheidung von Natrium über die Nieren, verringert Wassereinlagerungen im Gewebe und wirkt gefäßentspannend.
Diesen Zusammenhang stützen auch Simulationsdaten: Ein an der University of Waterloo entwickeltes mathematisches, geschlechtsspezifisches Modell zeigte, dass eine Steigerung von Nahrungskalium kombiniert mit weniger Natrium den Blutdruck effektiver senken könnte als eine isolierte Natriumreduktion.
Dem Modell zufolge entwickeln Männer leichter eine Hypertonie als prämenopausale Frauen, sprechen jedoch zugleich mit höherer Wahrscheinlichkeit positiv auf ein verbessertes Kalium-Natrium-Verhältnis an.
Bezüglich der Zielwerte für Kalium empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 3500 mg pro Tag. Die D-A-CH-Referenzwerte sowie der Schätzwert der DGE liegen bei 4000 mg pro Tag; bei bestehendem Bluthochdruck sieht die DGE einen Bereich von 3500 bis 4700 mg als wirksam an.
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Ernährungsumstellung vor Salzersatz
Fachleute raten dazu, den Kaliumbedarf vorrangig über natürliche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst zu decken statt über Nahrungsergänzungsmittel. Hohe Kaliumgehalte pro 100 g weisen unter anderem Tomatenmark mit 1114 mg, Haselnüsse mit 745 mg, Bitterschokolade mit 700 mg und Erdnüsse mit 687 mg auf, gefolgt von Avocados mit 550 mg sowie Bananen mit 334 mg.
Klinische Untersuchungen belegen auch den Nutzen von Salzersatzprodukten, bei denen Natriumchlorid teilweise durch Kaliumchlorid ausgetauscht wird. In der SSaSS-Studie in China mit rund 21.000 Teilnehmenden senkte eine Mischung aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse sowie das Schlaganfallrisiko bei älteren Menschen mit Hypertonie oder Vorerkrankungen um 14 Prozent. Voraussetzung ist jedoch, dass das Ersatzsalz in maximal gleicher oder geringerer Menge als herkömmliches Salz genutzt wird.
Einschränkungen gelten zudem für spezifische Risikogruppen: Bei eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei der Einnahme von ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) oder kaliumsparenden Diuretika besteht die Gefahr einer Hyperkaliämie. In diesen Fällen sollten kaliumhaltige Salzersatzmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
