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SAP Mai 2026: Joule Work ersetzt MenĂĽ-Navigation durch KI

25.05.2026 - 15:22:02 | boerse-global.de

SAP treibt den Wandel zum autonomen Unternehmen mit KI-Assistent Joule Work und optimierter Fiori-Oberfläche voran.

SAP Mai 2026: Joule Work ersetzt MenĂĽ-Navigation durch KI - Foto: ĂĽber boerse-global.de
SAP Mai 2026: Joule Work ersetzt MenĂĽ-Navigation durch KI - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Stattdessen setzt der Softwarekonzern auf künstliche Intelligenz, die Geschäftsprozesse eigenständig ausführt. Der Wandel zum „autonomen Unternehmen" ist in vollem Gange.

Vom Datenfriedhof zum intelligenten Prozessmanager

Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) haben sich grundlegend gewandelt. Was einst als reines Verwaltungswerkzeug für Buchhaltungsdaten begann, ist heute eine intelligente Plattform, die aktiv Geschäftsprozesse steuert. Die jüngsten Ankündigungen auf der SAP-Sapphire-Konferenz im Mai 2026 machen deutlich: Der Fokus liegt auf der Produktivität der Endanwender – und die wird nicht mehr durch Klick-Orgien in Untermenüs erreicht.

Der Treiber dieser Entwicklung ist die Integration generativer KI in Kombination mit einer verfeinerten Fiori-Benutzeroberfläche. Ziel ist es, die kognitive Belastung der Mitarbeiter drastisch zu reduzieren. Ein Blick auf die Nutzerzahlen zeigt die Dringlichkeit: Erstmals liegt die Nutzung der Legacy-Systeme SAP ECC und Business Suite unter der 50-Prozent-Marke. Wer im modernen Arbeitsumfeld bestehen will, muss die neue Oberfläche beherrschen.

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Joule Work: Sprachsteuerung fĂĽr komplexe Workflows

Mit der Einführung von „Joule Work" im Mai 2026 hat SAP einen Paradigmenwechsel vollzogen. Statt mühsam durch verschiedene Anwendungen zu navigieren und Daten manuell in unterschiedliche Masken einzutragen, beschreiben Anwender einfach in natürlicher Sprache, was erreicht werden soll. Die KI orchestriert dann die notwendigen Workflows, Daten und spezialisierten Agenten.

Hinter dieser scheinbar einfachen Bedienung steckt eine beeindruckende technische Infrastruktur: Mehr als 50 domänenspezifische Assistenten für Finanzen, Lieferkette und Personalwesen stehen bereit, unterstützt von über 200 spezialisierten Agenten, die ganze Prozessketten eigenständig abwickeln können.

Für den täglichen Gebrauch bedeutet das handfeste Produktivitätsgewinne. Eine Neuerung aus dem ersten Quartal 2026 ist die „Cross-Thread-Suche" . Sie erlaubt es, über alle bisherigen KI-Konversationen hinweg zu suchen, anstatt sich durch einzelne Chat-Verläufe zu klicken. Ein praktisches „Wissens-Recall"-Tool.

Die Integration mit Google Drive, die Anfang des Jahres abgeschlossen wurde, erweitert den Horizont zusätzlich. Der KI-Assistent kann nun auf externe Dokumente zugreifen. Bis zu zehn Dateien – darunter PDFs und Textdateien mit bis zu 100 Seiten – lassen sich direkt in das Dialogfenster laden, um sie bei komplexen Aufgaben zu referenzieren.

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Fiori-Optimierung: Weniger Klicks, mehr Ăśberblick

Doch die KI übernimmt nicht alles. Die SAP-Fiori-Oberfläche bleibt das visuelle Fundament für die tägliche Arbeit. Branchenanalysen aus den Jahren 2024 und 2025 zeigen, dass der Einsatz von Fiori die Anzahl der benötigten Schritte für Standardaufgaben um bis zu 55 Prozent reduzieren kann – bei einer Zeitersparnis von 50 Prozent.

Experten empfehlen, die „My Home"-Seite als primären Startpunkt zu nutzen. In den aktuellen SAP-S/4HANA-Versionen 2025 und 2026 wurde sie deutlich aufgewertet: Echtzeit-Einblicke und Aufgabenverwaltung sind nun tiefer integriert.

Das Konzept „Spaces and Pages" hat das klassische, gruppenbasierte Launchpad abgelöst. Statt in starren Ordnern zu suchen, werden Anwendungen nach spezifischen Geschäftsrollen organisiert. Der Wechsel zwischen verschiedenen Layouts – etwa einer Übersichtsseite oder einer aufgabenorientierten Ansicht – erfolgt mit wenigen Klicks.

Der „App Finder" ist dabei das zentrale Werkzeug für die Produktivität. Er durchsucht den gesamten Anwendungskatalog und erlaubt es, häufig genutzte Programme direkt in den persönlichen Bereich zu heften. Die „Smart Search" in der oberen Mitte der Fiori-Shell-Bar ermöglicht universelle Suchen über Anwendungen, Berichte und Datenobjekte hinweg – ohne lästige Ordnerhierarchien.

Die Macht der Tastatur: Shortcuts fĂĽr Power-User

Trotz aller KI- und Browser-basierten Innovationen: Für echte Power-User bleiben Tastenkombinationen und Kommandos der schnellste Weg durch SAP-Systeme. Ein Produktivitätsleitfaden aus dem Juni 2025 listet universelle Shortcuts auf, die sowohl in der SAP-GUI als auch in S/4HANA funktionieren:

  • /n: Beendet die aktuelle Transaktion und öffnet eine neue im selben Fenster.
  • /o: Ă–ffnet eine neue Sitzung in einem separaten Fenster – ideal fĂĽr paralleles Arbeiten.
  • /nEX: Der Schnellausstieg – schlieĂźt alle Sitzungen und loggt sofort aus.
  • Strg + Y: Die „Blockauswahl" zum Markieren und Kopieren von Text aus nicht editierbaren Feldern – unverzichtbar fĂĽr das Ăśbertragen von Belegnummern.
  • F1 und F4: F1 liefert feldbezogene Hilfe, F4 öffnet die Wertehilfe. Ein spezieller Trick: Nach F4 die Taste F2 drĂĽcken, um das aktuelle Datum automatisch einzufĂĽgen.
  • F8: FĂĽhrt nach Eingabe der Selektionskriterien einen Bericht aus.
  • Strg + Bild ? / Strg + Bild ?: Navigiert zwischen Fenstern oder Tabs innerhalb einer Sitzung – reduziert die Mausarbeit und schont die Handgelenke bei Massendateneingaben.

Personalisierung: Das System auf den Anwender zuschneiden

Die letzte Säule der Produktivität ist die individuelle Anpassung. Über das „User Actions Menu" und die „Settings" können Anwender Standardwerte für ihr Profil festlegen. Ein Leitfaden aus dem März 2025 betont die Bedeutung von „User Default Values" für häufig genutzte Parameter wie Buchungskreis, Werk oder Kostenstelle. Sind diese Werte korrekt konfiguriert, füllen Fiori-Anwendungen die entsprechenden Felder automatisch vor – weniger Tipparbeit, weniger Fehler.

Fortgeschrittene Nutzer können sogar eigene Tastenkombinationen für bestimmte Transaktionscodes in den Profileinstellungen vergeben. Auf Fiori-Seiten erlaubt der „Action Mode" das Ausblenden irrelevanter Bereiche, das Neuanordnen von Kacheln und die Wahl zwischen fünf verschiedenen Kachelgrößen – von einfachen „Flat Links" bis hin zu „Wide Tiles", die Live-Daten anzeigen. So ist die wichtigste Information sofort nach dem Login sichtbar.

Für die Arbeit mit großen Datenmengen bleibt die Verwendung von Wildcards (etwa das Sternchen *) in Suchfeldern eine mächtige Methode, um auch mit unvollständigen Informationen zu filtern.

Das Ende einer Ära: Legacy-Systeme im freien Fall

Der Druck hin zu diesen modernen Werkzeugen kommt nicht von ungefähr. Die Wartungsfrist für die alten SAP-ECC-Systeme endet 2027. Ein Benchmark-Bericht des Analystenhauses SAPinsider vom Januar 2026 zeigt: Erstmals nutzt weniger als die Hälfte der SAP-Kunden noch die Legacy-Systeme. Die Migration zu S/4HANA hat Fahrt aufgenommen: 30 Prozent der Organisationen sind jetzt vollständig auf der S/4HANA Cloud Private Edition live – ein Anstieg von 19 Prozent im Vorjahr.

Dieser Wechsel ist nicht nur technisch. Er ist eine strategische Neuausrichtung. Eine Studie vom April 2026 zeigt, dass 70 Prozent der Technologieführer operative Effizienz und Kostensenkung als oberste Priorität sehen. Die Folge ist eine „Clean-Core"-Strategie: Unternehmen minimieren individuellen Code und setzen auf Standardfunktionen und KI-gesteuerte Automatisierung. Der Endanwender wird vom manuellen Datentypisten zum Supervisor autonomer Agenten.

Ausblick: Die Zukunft ist konversationell

Der Blick nach vorne zeigt eine klare Richtung: Die Interaktion zwischen Mensch und ERP-System wird noch stärker auf natürlicher Sprache und Ergebnissen basieren. Mit der SAP Business AI Platform, die Daten-Clouds und KI-Fähigkeiten in einer einzigen, kontrollierten Umgebung vereint, können KI-Agenten aus vergangenen Ausnahmen lernen und sich sofort anpassen – der sogenannte „Company Memory"-Kontextgraph.

Branchenanalysten erwarten, dass bis Ende 2026 mehr als die Hälfte der SAP-Anwender die Business Technology Platform (BTP) zumindest für Teile ihres täglichen Workflows nutzen wird.

Für die Anwender bedeutet das: Die „Skills Gap" – die Qualifikationslücke – bleibt die zentrale Herausforderung. Unternehmen, die in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden, setzen auf kontinuierliches Lernen und „Citizen Development" : Geschäftsanwender sollen mit No-Code-Tools eigene kleine Automatisierungen erstellen können. Denn wenn das „Autonome Unternehmen" Realität wird, sind die produktivsten SAP-Nutzer diejenigen, die das System effektiv orchestrieren – nicht nur bedienen.

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