Sarkopenie: Muskelabbau erhöht Demenzrisiko um 42 Prozent
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine umfassende internationale Meta-Analyse liefert neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen körperlicher Verfassung und kognitiver Gesundheit im Alter.
Die wissenschaftliche Untersuchung unter Leitung der australischen Curtin University wertete mehr als 80 Einzelstudien aus. Das zentrale Ergebnis der im International Journal of Food Sciences and Nutrition veröffentlichten Arbeit zeigt: Sarkopenie, der altersbedingte Verlust an Muskelmasse und -funktion, geht mit einem um 42 Prozent erhöhten Demenzrisiko einher.
An der Veröffentlichung wirkten Forscherinnen und Forscher aus Australien, Großbritannien, Kanada, Thailand und Italien mit. Als Hauptautoren zeichnen Uraiporn Booranasuksakul von der thailändischen Burapha University sowie Mario Siervo von der Curtin University verantwortlich. Wie Medien im September 2026 berichteten, unterstreichen die Daten die enge Wechselwirkung zwischen muskulärem Status und neurologischer Degeneration.
Differenzierte Risiken nach Alter und Demenzform
Die statistische Auswertung offenbart deutliche Unterschiede hinsichtlich der Altersgruppen und der Demenzformen. Bei Personen unter 65 Jahren ist das Demenzrisiko infolge einer Sarkopenie um 48 Prozent erhöht.
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Besonders stark ausgeprägt ist die Verbindung zur vaskulären Demenz. Hier ermittelten die Forscher über alle Altersgruppen hinweg ein um 70 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Sarkopenie. Bei Personen ab einem Alter von 65 Jahren steigt dieser Wert sogar auf ein um 74 Prozent höheres Risiko an.
Widersprüchliche Effekte bei Adipositas
Neben dem Muskelabbau untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss von Fettleibigkeit auf die kognitiven Fähigkeiten. Dabei zeigte sich eine altersabhängige Divergenz: Tritt Adipositas vor dem 65. Lebensjahr auf, liegt das Demenzrisiko um 9 Prozent höher.
Bei Menschen ab 65 Jahren kehrte sich dieser Befund jedoch um. In dieser Altersgruppe war ein höherer Körperfettanteil mit einem um 17 Prozent geringeren Demenzrisiko verknüpft. Dieser Effekt ist in der Forschung als Adipositas-Paradoxon bekannt. Demnach besteht jedoch kein Anlass zu einer gezielten Gewichtszunahme im Alter, da Übergewicht zahlreiche andere gesundheitliche Risiken birgt.
Das gemeinsame Auftreten beider Faktoren, die sogenannte sarkopene Adipositas, zeigte in der Gesamtanalyse keine signifikante Assoziation mit dem Demenzrisiko. Allerdings wiesen die Studienleiter darauf hin, dass dieser Teilbereich auf lediglich vier berücksichtigten Studien beruht und somit eine eingeschränkte Datenbasis aufweist.
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Prävention und Forschungsbedarf
Angesichts der Ergebnisse raten Experten zu präventiven Maßnahmen, um dem Verlust von Muskelmasse frühzeitig entgegenzuwirken. Sowohl gezieltes Krafttraining als auch eine ausgewogene Ernährung gelten als zentrale Hebel zur Erhaltung der Muskelgesundheit und zur Demenzprävention.
Professor Mario Siervo von der Curtin University forderte mit Blick auf die Befunde weitere Langzeitstudien, um die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen genauer zu entschlüsseln und fundierte therapeutische Ansätze zu entwickeln.
