Savi Security: KI-Startup sammelt 7 Millionen gegen Smartphone-Betrug
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 11:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer dramatischen Welle digitaler Betrugsfälle steckt ein junges US-Startup Millionen in den Ausbau seiner KI-Schutzplattform.
Das in Los Angeles ansässige Unternehmen Savi Security gab am Wochenende bekannt, dass es in einer Seed-Finanzierungsrunde sieben Millionen Euro eingesammelt hat. Angeführt wurde die Runde von Acrew Capital. Zeitgleich startete die Savi-App für iOS und Android. Gegründet wurde das Unternehmen 2025 von den Brüdern Patrick und Ryan Coughlin.
Milliardenverluste durch Cyberkriminalität
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: In den USA verursachen Betrugsmaschen jährlich Schäden in Höhe von umgerechnet rund 185 Milliarden Euro. Besonders hart trifft es ältere Menschen. Über 60-Jährige verloren allein 2025 rund 75 Milliarden Euro an Cyberkriminelle.
Savs Plattform setzt auf KI, um eingehende Anrufe und Nachrichten in Echtzeit auf Betrug zu prüfen. Dazu gehören ein Spam-Filter für Textnachrichten, die Analyse von Sprachnachrichten und die Live-Überwachung von Telefonaten. Das Unternehmen bietet zudem das kostenlose Tool Scamwise an, das bereits knapp 100.000 Einsendungen verarbeitet hat – mehr als die Hälfte davon erwies sich als betrügerisch.
Das Geschäftsmodell: Für Familien kostet der Dienst 7,49 Euro pro Monat oder 58,99 Euro jährlich. Für den Herbst 2026 ist zudem eine Funktion zur proaktiven Anrufprüfung angekündigt.
Google rüstet Android nach
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Doch nicht nur Drittanbieter ziehen im Kampf gegen Betrug nach. Auch die großen Betriebssysteme integrieren immer mehr Schutzfunktionen direkt in die Hardware. Android 17, das seit dem 16. Juni 2026 auf Pixel-Geräten verfügbar ist, soll im Laufe des Jahres weitere Sicherheits-Updates erhalten. Dazu gehören spezielle App-Sperren und eine Gemini-gestützte KI, die kontextbezogene Betrugsmuster erkennt.
Bereits jetzt nutzt Google KI-basierte Erkennung über die Tools Circle to Search und Google Lens. Nutzer können verdächtige Inhalte einfach einkreisen oder per Screenshot analysieren lassen. Auf Pixel-Geräten übernimmt zudem ein virtueller Assistent die Annahme unbekannter Anrufe und zeigt das Gespräch live als Text an. Die Funktion Call Reason erlaubt es verifizierten Unternehmen, den Grund ihres Anrufs bereits vor dem Abheben zu übermitteln – so werden legitime Gespräche seltener ignoriert.
Behörden schlagen weltweit zurück
Auch Regierungen und Finanzinstitute verstärken ihre Bemühungen, die Infrastruktur der Betrüger zu zerschlagen. In den USA schloss sich der Generalstaatsanwalt von Kansas, Kris Kobach, einem Bündnis von 48 Amtskollegen an. Sie fordern von der US-Kommunikationsbehörde FCC strengere Regeln für den Massenverkauf von Telefonnummern. Der Hintergrund: 2025 wurden Amerikaner mit 29,6 Milliarden betrügerischen Robocalls und Textnachrichten konfrontiert – die Schäden beliefen sich auf knapp zwei Milliarden Euro.
International laufen ebenfalls Maßnahmen:
- Indien: Die Regulierungsbehörde TRAI verbot Call-Management-Apps, Nummern aus der 1600er-Serie zu blockieren oder zu markieren. Diese werden von Regierungs- und Finanzbehörden wie der RBI und SEBI genutzt.
- Südkorea: Die Woori Bank unterzeichnete am 10. Juli 2026 eine Vereinbarung mit der Polizei von Gangbuk. Ziel ist ein Schnellmeldesystem und der Austausch von Echtzeitdaten über Voice-Phishing-Methoden.
- Moldawien: Die Telekom-Aufsicht meldete, dass seit Jahresbeginn 6,4 Millionen potenziell betrügerische Anrufe analysiert wurden. Die Anbieter blockierten rund 1,37 Millionen dieser Versuche.
- Noida, Indien: Die Cyberkriminalitätsabteilung zerschlug kürzlich ein Callcenter, das mit gefälschten Kreditanträgen Daten stahl und Lösegeld erpresste.
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Deepfakes und Passkey-Tricks: Die neue Dimension des Betrugs
Die Dringlichkeit besserer Sicherheitslösungen zeigt sich in der zunehmenden Raffinesse der Angreifer. Sicherheitsforscher von Okta deckten eine sogenannte Vishing-Kampagne der Erpressergruppe Pink (O-UNC-066) auf. Seit April 2026 hat die Gruppe Mitarbeiter aus sechs Branchen – darunter Luftfahrt, Gesundheitswesen und Technologie – ins Visier genommen. Die Täter gaben sich als IT-Mitarbeiter aus, um unbefugte Passkeys in Microsoft-365-Konten einzuschleusen.
Parallel warnt Interpol vor dem Aufkommen KI-generierter Deepfakes. In Südostasien nutzen Betrüger synthetische Versionen von Politikern, um ihre Opfer zu täuschen. In Singapur führte ein Deepfake des Premierministers während einer digitalen Konferenz zum Diebstahl von 3,5 Millionen Euro. Solche Vorfälle trugen dazu bei, dass die weltweiten Verluste durch Cyberkriminalität 2025 auf schätzungsweise 9,7 Billionen Euro anstiegen.
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