Schaeffler-Roboterzellen: Simulation spart rund zwei Wochen Entwicklungszeit
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Industrie- und Automobilzulieferer Schaeffler hat die Entwicklung seiner Roboterzellen grundlegend neu ausgerichtet. Wie aus einem Branchenbericht vom 30. Oktober 2026 hervorgeht, setzt das Unternehmen gemeinsam mit dem Softwareentwickler Wandelbots, dem Technologiekonzern Nvidia und dem Beratungshaus MHP auf einen simulationsbasierten Ansatz.
Im Zentrum des Verfahrens steht das Prinzip, neue Automatisierungslösungen virtuell zu konzipieren und vollständig zu testen, bevor reale Komponenten installiert werden.
Als erster konkreter Anwendungsfall diente der digitale Zwilling einer robotergestützten Verpackungszelle. In dieser virtuellen Umgebung wurden sämtliche Roboterbewegungen, das physische Layout, die Erreichbarkeit von Bauteilen, Zykluszeiten sowie die Positionierung der Kameras vor dem eigentlichen Aufbau validiert. Die Simulation erfolgte dabei unter Einsatz der Nvidia-Omniverse-Plattform und der Nova-Software von Wandelbots.
Verkürzte Entwicklungszyklen und hardwareunabhängige Logik
Der Übergang zum sogenannten Simulation-First-Engineering führte nach Unternehmensangaben zu messbaren Effizienzgewinnen. So ließ sich der gesamte Entwicklungszyklus um rund zwei Wochen verkürzen. Durch die frühzeitige digitale Überprüfung konnten späte, kostenintensive Nacharbeiten am physischen System vollständig vermieden und potenzielle Engpässe im Betriebsablauf rechtzeitig erkannt werden.
Ein weiterer zentraler Vorteil des neuen Ansatzes liegt in der Entkopplung der Steuerungslogik von der physischen Hardware: Die erarbeitete Automatisierungslogik lässt sich flexibel und hardwareunabhängig für künftige Anlagen wiederverwenden, was die Standardisierung innerhalb des Fertigungsnetzwerks erleichtert.
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Partnerschaft für die Roboterplattform NOVA
Flankiert wird die Neuausrichtung durch eine erweiterte Technologiepartnerschaft mit Wandelbots. Wie bereits am 28. Oktober 2026 berichtet wurde, zielt die Kooperation auf die Weiterentwicklung der offenen Plattform NOVA ab, die sowohl für klassische Industrieroboter als auch für humanoide Robotersysteme ausgelegt ist. Die vorbereitenden virtuellen Tests finden auf Plattformen wie Nvidia Omniverse und Nvidia Isaac Sim statt.
Schaeffler verfolgt mit dem Einsatz der NOVA-Plattform ambitionierte wirtschaftliche Ziele. Nach eigenen Angaben strebt das Unternehmen an, die Lebenszykluskosten der Automatisierung in neuen sowie in bereits bestehenden Fertigungsumgebungen um bis zu 40 Prozent zu senken.
Die Software soll künftig als globaler Schaeffler-Standard etabliert und in allen Werken des Konzerns bereitgestellt werden. Ergänzend ist der Aufbau eines modularen Skill-Stores vorgesehen, der anwendungsspezifische Fähigkeiten, Softwaremodelle und technisches Prozesswissen bündelt und zu einem späteren Zeitpunkt auch für externe Anwender geöffnet werden könnte.
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Blaupause für das globale Fertigungsnetzwerk bis 2030
Die digitalisierte Verpackungszelle soll nach den Plänen des Managements als reproduzierbarer Blueprint dienen, um den simulationsbasierten Ansatz weltweit auf weitere Produktionsstandorte zu übertragen. Die langfristige Strategie reicht dabei über einzelne Fertigungszellen hinaus: Bis zum Jahr 2030 plant Schaeffler, die Hälfte seiner weltweiten Produktionswerke in einem industriellen Metaversum digital abzubilden.
Jochen Schröder, Chief Operating Officer (COO) von Schaeffler, unterstrich die Tragweite des Vorhabens. Wer die Fertigung der Zukunft maßgeblich gestalten wolle, müsse Automatisierung grundlegend neu denken und auf durchgängige virtuelle Modelle setzen.
