Schichtarbeit, Europa

Schichtarbeit in Europa: 21 Prozent der Erwerbstätigen sind betroffen

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umwelt, Schichtarbeit und digitale Trends beeinträchtigen den Schlaf; die ESRS-Fachleute empfehlen koordinierte Maßnahmen in Europa.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden mit Blick auf eine ruhige, städtische Kulisse. Illustration mit AI erstellt.

Die Schlafgesundheit entwickelt sich in Europa zu einer zunehmenden Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. In einer im Fachblatt Journal of Sleep Research für das Jahr 2026 veröffentlichten Analyse warnen Fachleute der European Sleep Research Society (ESRS) vor den weitreichenden gesellschaftlichen und individuellen Folgen unzureichenden Schlafs.

Das Papier, erarbeitet vom Ausschuss für Gleichstellung, Diversität und Inklusion sowie dem Nachwuchsnetzwerk der Fachgesellschaft, entstand unter der Leitung von Dr. Fran Pilkington-Cheney von der Nottingham Trent University und Dr. Adrian Michalak von der Universität Modena und Reggio Emilia.

Die Forschenden fordern angesichts komplexer Wechselwirkungen ein koordiniertes Eingreifen aus Politik, Gesundheitswesen, Bildung, Stadtplanung sowie von Arbeitgebern und Technologieentwicklern.

Klimawandel und Umweltbelastungen stören die Nachtruhe

Als wesentlichen Treiber identifiziert die Untersuchung Umweltveränderungen und die Folgen der Erderwärmung. Europa gilt der Studie zufolge als der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Heißere Nächte und häufigere Hitzewellen verzögern das Einschlafen und führen zu vermehrtem nächtlichen Erwachen.

Neben steigenden Temperaturen belasten städtische Umweltfaktoren die Ruhephasen erheblich: Verkehrslärm, künstliche Beleuchtung, mangelnde Luftqualität sowie allgemeine Stadtverschmutzung beeinträchtigen die Schlafqualität dauerhaft.

Besonders verwundbar zeigen sich Personen in schlecht isolierten Gebäuden, Haushalte ohne Zugang zu Kühlmöglichkeiten oder Bewohner überfüllter Unterkünfte. Auch Menschen, die durch Konflikte oder klimatische Krisen vertrieben wurden, tragen ein stark erhöhtes Risiko für chronische Schlafprobleme. Hauptautorin Fran Pilkington-Cheney verweist dabei auf das Zusammentreffen zahlreicher ungünstiger Bedingungen, die sich gegenseitig verstärken.

Belastungen durch Arbeitswelt und digitale Trends

Neben den Umweltbedingungen setzt die moderne Arbeitswelt den natürlichen Rhythmus unter Druck. Laut der Studie arbeiten rund 21% der Erwerbstätigen in Europa im Schichtdienst.

Anzeige

Dauerstress, Erschöpfung und schlechter Schlaf hängen oft unmittelbar mit einem überreizten Nervensystem zusammen. Dieser kostenlose Report erklärt, wie Sie mit gezielten Übungen zur Vagusnerv-Aktivierung Ihre innere Ruhe zurückgewinnen und die Schlafqualität verbessern. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur Stressreduktion herunterladen

Die damit verbundene Nachtarbeit stört den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus nachhaltig. Hinzu kommen Fernarbeit und die Erreichbarkeit außerhalb regulärer Zeiten, wodurch die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit zunehmend verschwimmen.

Eine Arbeitskultur permanenter Wachsamkeit sowie sogenannter sozialer Jetlag verschärfen dieses Problem. Die Autoren der ESRS fordern daher verlässlichere Arbeitnehmerschutzmaßnahmen, planbare Einsatzzeiten und gesicherte Ruhephasen.

Zusätzliche Hürden entstehen durch Technologie und Desinformation. Zwar nutzen viele Menschen tragbare Messgeräte, sogenannte Wearables, doch sind diese für medizinische Diagnosen häufig nicht präzise genug.

Anzeige

Wer sich mit den Folgen von permanentem Stress und nächtlicher Unruhe befasst, sucht oft nach Wegen, das Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein kostenloser Ratgeber enthüllt nun, wie Sie den Vagusnerv als natürlichen Gesundheitsschalter für mehr Energie und weniger Erschöpfung nutzen. Gratis-Report zur Vagusnerv-Aktivierung jetzt anfordern

Ungenaue Messungen und ungeprüfte Ratschläge im Internet befeuern Trends wie die zwanghafte Beschäftigung mit der Schlafoptimierung. Diese Entwicklung kann das Phänomen der Orthosomnie begünstigen, bei der die Sorge um perfekte Werte selbst zu Schlafstörungen und rigiden Verhaltensmustern führt.

Forderung nach einer gesamteuropäischen Strategie

Schlafstörungen stehen in direktem Zusammenhang mit schweren chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Stoffwechsels sowie mit psychischen Beeinträchtigungen. Neben Schichtarbeitern sind vor allem sozioökonomisch schlechter gestellte Gruppen, Jugendliche und Migranten betroffen.

Bislang bildet das Thema Schlaf in der staatlichen Gesundheitsvorsorge jedoch selten einen eigenständigen Schwerpunkt; auch Früherkennungsuntersuchungen in der Primärversorgung greifen laut der Analyse zu kurz.

Um den steigenden Belastungen entgegenzuwirken, schlagen die Fachleute eine umfassende europäische Schlafgesundheitsstrategie vor, ergänzt durch Empfehlungen im Rahmen einer PESTEL-Strukturanalyse.

Erforderlich seien zielgerichtete Aufklärungskampagnen, intensivierte klinische Forschung sowie eine fundierte Weiterbildung von Hausärzten. Zudem müssten zirkadiane Aspekte fest in der Stadtplanung und im Arbeitsrecht verankert werden, da die Belastungen ohne gezielte Gegenmaßnahmen in den kommenden Jahren weiter zunehmen dürften.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70389179 |