Schizophrenie: Psychodynamische Therapie reduziert Negativsymptome
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der klinischen Versorgung von Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis rĂŒckt die psychodynamische Psychotherapie verstĂ€rkt in den Fokus der wissenschaftlichen Untersuchung.
Die am 10. September 2026 im Fachjournal The Lancet Psychiatry publizierte MPP-S-Studie liefert hierzu neue Daten, die den therapeutischen Nutzen dieser Behandlungsform als ErgÀnzung zur herkömmlichen Versorgung analysieren.
Die Untersuchung konzentrierte sich auf die Auswirkungen einer langfristigen psychotherapeutischen Begleitung auf den Krankheitsverlauf und die soziale Teilhabe der Betroffenen.
Signifikante Fortschritte bei psychosozialen Funktionen und Negativsymptomatik
Die Studie umfasste 130 ambulante Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, bei denen eine Schizophrenie oder eine schizoaffektive Störung diagnostiziert worden war. Im Zentrum der Analyse stand die Frage, inwieweit eine psychodynamische Psychotherapie zusÀtzlich zur psychiatrischen Regelbehandlung, dem sogenannten Treatment as Usual (TAU), das Befinden der Probanden beeinflusst.
Den Ergebnissen der MPP-S-Studie zufolge fĂŒhrte die Kombination aus psychodynamischer Therapie und Regelbehandlung zu einer signifikanten Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus. Die Betroffenen zeigten demnach eine gesteigerte FĂ€higkeit, ihren Alltag zu bewĂ€ltigen und soziale Interaktionen erfolgreich zu gestalten.
Parallel dazu beobachteten die Forscher eine deutliche Reduzierung der sogenannten Negativsymptome. Zu diesen Symptomen zĂ€hlen unter anderem Antriebslosigkeit, Sprachverarmung und ein eingeschrĂ€nkter emotionaler Ausdruck, die oft maĂgeblich zur sozialen Isolation der Patienten beitragen.
Nachhaltigkeit der Therapieeffekte und methodische Anforderungen
Wer Patienten mit Negativsymptomatik behandelt, kennt das Problem: Antriebslosigkeit und sozialer RĂŒckzug sprechen auf die Regelbehandlung oft nur unzureichend an. Die MPP-S-Studie zeigt, dass psychodynamische Psychotherapie zusĂ€tzlich zur Regelbehandlung das psychosoziale Funktionsniveau verbessert und Negativsymptome reduziert â bei mindestens 30 Einzelsitzungen und nachweisbarer Wirkung ĂŒber drei Jahre. Unser kostenloser Leitfaden fasst die Studiendaten zusammen und zeigt, wie Sie den Behandlungsaufbau in Ihrer Praxis umsetzen. Praxis-Leitfaden zur MPP-S-Studie jetzt anfordern
Ein wesentliches Merkmal der vorliegenden Untersuchung ist die Betrachtung der Langzeitwirkung. Die Daten der MPP-S-Studie belegen, dass die erzielten Effekte auch nach einem Follow-up-Zeitraum von drei Jahren noch nachweisbar waren. Dies deutet darauf hin, dass die psychodynamischen Interventionen nachhaltige VerĂ€nderungen in der psychischen Struktur und im Verhalten der Patienten bewirken können, die ĂŒber den unmittelbaren Behandlungszeitraum hinaus Bestand haben.
Hinsichtlich der methodischen Umsetzung der Therapie wurde in der Studie ein MindestmaĂ an therapeutischer IntensitĂ€t definiert. Um die beobachteten Verbesserungen zu erzielen, wurden mindestens 30 Einzelsitzungen im psychodynamischen Rahmen durchgefĂŒhrt. Dieser Umfang unterstreicht den Charakter der Behandlung als Langzeittherapie, die auf eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Erkrankung abzielt.
Grenzen der Wirksamkeit im klinischen Gesamtbild
Trotz der positiven Befunde im Bereich der psychosozialen Integration und der Negativsymptomatik zeigt die Studie vom 10. September 2026 auch klare Grenzen der psychodynamischen Psychotherapie in diesem spezifischen Kontext auf.
In Bezug auf die Positivsymptomatik, zu der unter anderem Halluzinationen und Wahnvorstellungen gehören, konnte kein signifikanter Unterschied zwischen der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe, die lediglich die Regelbehandlung erhielt, festgestellt werden.
Ebenso ergaben sich keine statistisch relevanten Abweichungen bei der AusprÀgung depressiver Symptome oder der Anzahl der stationÀr im Krankenhaus verbrachten Tage.
Die MPP-S-Studie liefert erstmals belastbare Langzeitdaten zur psychodynamischen Psychotherapie bei Schizophrenie â doch sie zeigt auch klar, was sie nicht leistet: Bei Positivsymptomatik, depressiven Symptomen und stationĂ€ren Tagen ergab sich kein signifikanter Unterschied zur reinen Regelbehandlung. Genau daraus lĂ€sst sich ein integrativer Behandlungsplan ableiten, der jedem Symptombereich das passende Verfahren zuordnet. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, welches Verfahren welchen Bereich trĂ€gt. Integrativen Behandlungsplan jetzt herunterladen
Die psychodynamische Therapie fungiert demnach primĂ€r als unterstĂŒtzendes Instrument zur Verbesserung der LebensqualitĂ€t und der funktionalen Gesundheit, wĂ€hrend die Kontrolle der akuten psychotischen Symptome weiterhin maĂgeblich durch andere SĂ€ulen der Regelbehandlung, wie etwa die medikamentöse Therapie, getragen wird.
Die Studienergebnisse verdeutlichen somit die Bedeutung eines integrativen Behandlungsansatzes, der spezifische therapeutische Verfahren gezielt fĂŒr unterschiedliche Symptombereiche einsetzt.
