Schlafapnoe: 23,5 Millionen Betroffene in den USA wissen nichts davon
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die obstruktive Schlafapnoe gehört weltweit zu den am weitesten verbreiteten, aber oft ĂŒbersehenen Gesundheitsproblemen. Nach Angaben der American Academy of Sleep Medicine leiden allein in den USA fast 30 Millionen Erwachsene an dieser schlafbezogenen Atmungsstörung.
Rund 23,5 Millionen von ihnen sind bislang jedoch undiagnostiziert. Weltweit sind schÀtzungsweise 936 Millionen Menschen von obstruktiver Schlafapnoe betroffen, womit sie die hÀufigste Erkrankung dieser Art darstellt und ein erhöhtes Infarktrisiko birgt.
Symptome, Ursachen und gesundheitliche Folgen
Typische Anzeichen einer obstruktiven Schlafapnoe sind anhaltende MĂŒdigkeit am Tag, morgendliche Kopfschmerzen und starkes Schnarchen. Die Atemaussetzer unterbrechen wiederholt den Nachtschlaf, sodass Betroffene kaum in die erholsame Tiefschlafphase gelangen und sich tagsĂŒber gerĂ€dert fĂŒhlen.
Nach EinschÀtzung von Dr. Martin Gros, Somnologe an der Berliner Charité, ist gewöhnliches Schnarchen zunÀchst kein Krankheitszeichen, sondern bedenklich wird es erst beim Auftreten von Atemaussetzern.
Laut Gros sind rund 80 Prozent der MĂ€nner und 20 Prozent der Frauen vom Schnarchen betroffen. UrsĂ€chlich dafĂŒr seien das Erschlaffen der Hals- und Rachenmuskulatur sowie verengte Atemwege mit vibrierendem Gewebe.
Auch Prof. Dr. Joachim T. Maurer, Schlafmediziner an der UniversitĂ€tsmedizin Mannheim, verweist als Auslöser auf erschlaffte Muskeln und einen verengten Rachenraum. Vor den Wechseljahren schĂŒtze Frauen das Hormon Ăstrogen, danach steige die AnfĂ€lligkeit deutlich. Das Risiko fĂŒr eine Erkrankung nimmt allgemein mit höherem Lebensalter und Ăbergewicht zu; zusĂ€tzliche Risikofaktoren sind Rauchen, Alkoholkonsum, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes.
Die gesundheitlichen Folgewirkungen sind weitreichend: Eine systematische Review ĂŒber 34 Studien in 28 LĂ€ndern belegt Herz-Kreislauf- und weitere Begleiterkrankungen bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Zudem ergab eine systematische Review und Meta-Analyse aus dem Jahr 2022, dass Menschen mit dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ein mehr als doppelt so hohes Risiko fĂŒr VerkehrsunfĂ€lle aufweisen wie Kontrollgruppen.
Wenn die Nacht nicht mehr erholt, sondern Sie tagsĂŒber nur noch mĂŒde zurĂŒcklĂ€sst, lohnt ein zweiter Blick: Fast 30 Millionen Erwachsene allein in den USA leben mit obstruktiver Schlafapnoe â rund 23,5 Millionen davon ohne Diagnose. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die Warnzeichen bei sich selbst einordnen, wie ein Heimtest ohne Schlaflabor ablĂ€uft und welche Behandlungen heute zur VerfĂŒgung stehen. Jetzt kostenlosen Schlafapnoe-Leitfaden anfordern
Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung
Wissenschaftliche Untersuchungen beleuchten verschiedene Facetten der Störung. Eine Studie des Royal National Throat, Nose and Ear Hospital in London zeigte, dass 31 Prozent der MÀnner und 34 Prozent der Frauen in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren dreimal pro Woche schnarchen, wobei der Schallpegel im Extremfall bis zu 100 Dezibel erreichen kann.
An der Wake Forest University School of Medicine untersuchten Forscher im Fachjournal Headache Krankenakten von 687 Frauen aus neurologischen Einrichtungen ĂŒber den Zeitraum von 2017 bis 2024. Bei Patientinnen mit Makromastie wurde Schlafapnoe rund 50 Prozent hĂ€ufiger festgestellt als in der Vergleichsgruppe; die Autoren wiesen dabei auf einen statistischen Zusammenhang hin, der keinen Kausalbeweis darstellt.
Ebenso zeigte eine im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Analyse von 95.559 Erwachsenen aus der britischen UK Biobank, dass vermehrter Tiefschlaf mit einem selteneren Auftreten von sieben Erkrankungen einherging â darunter Schlafapnoe, Typ-2-Diabetes, Depressionen und Parkinson â, wenngleich auch hier kein Ursachenbeweis vorliegt.
Diagnostische Wege und therapeutische Optionen
Um die hohe Dunkelziffer zu senken, gewinnen Verfahren auĂerhalb von Schlaflaboren an Bedeutung: Heimtests und standardisierte Screening-Fragebögen ermöglichen inzwischen eine verlĂ€ssliche Erstdiagnose im hĂ€uslichen Umfeld.
Starkes Schnarchen ist nicht nur laut â es kann ein erhöhtes Herz-Kreislauf- und Unfallrisiko anzeigen, das Betroffene oft jahrelang nicht bemerken. Wer die eigenen NĂ€chte besser verstehen will, findet im kostenlosen Leitfaden einen klaren Selbsttest, die wichtigsten Risikofaktoren von Alter bis Bluthochdruck und einen Ăberblick, welche Therapie-Optionen Ărzte heute einsetzen. Selbsttest und Therapie-Ăberblick jetzt anfordern
Im Bereich der Behandlung existieren neben klassischen Ăberdrucktherapien auch operative Verfahren. So wird etwa das Genio-System des Herstellers Nyxoah als implantierter Neurostimulator eingesetzt, dessen Kosten von den Krankenkassen ĂŒbernommen werden.
Begleitende Anpassungen der Schlafposition können die Beschwerden lindern: Laut dem Schlafforscher Björn Rasch von der UniversitÀt Freiburg und Vorsitzenden des Netzwerks Schlaf Schweiz kann eine erhöhte Kopf- und Oberkörperstellung sowie die Seitenlage begleitend helfen. Dieser Effekt sei jedoch gering und ersetze keine eigenstÀndige medizinische Therapie.
