Schlafmittel-Warnung: Doxylamin gefĂ€hrlich fĂŒr Prostata-Patienten
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Arzneimitteltherapie bei Ă€lteren Menschen wird immer komplexer. Physiologische VerĂ€nderungen, MultimorbiditĂ€t und aktuelle LieferengpĂ€sse stellen Ărzte und Apotheker vor groĂe Herausforderungen.
Blutdruck: GroĂzĂŒgigere Werte auf Reisen
Tropenmediziner Tomas Jelinek rĂ€t zu einer entspannteren Haltung beim Blutdruck Ă€lterer Reisender. âDer Blutdruck bei Senioren darf wĂ€hrend einer Reise durchaus im höheren Bereich liegen", so der Experte. Das beuge Kreislaufproblemen vor. Eine qualifizierte Reiseberatung sei daher unverzichtbar â sie verbessere nicht nur die Medikation, sondern oft auch die Impfrate.
Doch bei etablierten Blutdruckmitteln gibt es aktuell QualitĂ€tsprobleme. Seit 2024 melden Apotheker mehrfach einen auffĂ€lligen, hopfen- oder cannabisartigen Geruch bei Telmisartan-PrĂ€paraten. Das Zentrallabor Deutscher Apotheker (ZL) fĂŒhrte die Ursache auf RĂŒckstĂ€nde von Ethanol und 2-Ethylhexanol zurĂŒck. Ein QualitĂ€tsmangel sei das nicht â dennoch sollen Apotheker Patienten informieren und gegebenenfalls den Hersteller wechseln.
Noch gravierender: Der Anbieter 089Pharm rief 36 Chargen Ramipril zurĂŒck. Grund waren Probleme mit der Bruchfestigkeit der Tabletten.
Schlafmittel: Gefahr fĂŒr Prostata-Patienten
Bestimmte rezeptfreie Wirkstoffe sind fĂŒr Ă€ltere MĂ€nner mit Prostatahyperplasie tabu. Doxylamin und Diphenhydramin können Miktionsstörungen verstĂ€rken. Fachkreise empfehlen stattdessen pflanzliche Alternativen wie Baldrian.
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Auch bei Gicht ist Vorsicht geboten: Vor einer Allopurinol-Therapie mĂŒssen Ărzte den Serumurat-Wert messen und die Nierenfunktion prĂŒfen. Ziel ist ein Wert unter 6 mg/dL, bei Patienten mit Tophi sogar unter 5 mg/dL.
Bei Multipler Sklerose warnen Experten vor Leberfunktionsstörungen nach der Erstinfusion von Ocrelizumab. Die HĂ€ufigkeit liegt unter 1 zu 10.000 â dennoch sollten Symptome wie Oberbauchschmerzen, Gelbsucht oder Ăbelkeit sofort abgeklĂ€rt werden.
Digitoxinkrise: Engpass bis Jahresende
Ein erhebliches Risiko fĂŒr die Arzneimittelsicherheit im Alter sind LieferengpĂ€sse. Der aktuelle Mangel bei Digitoxin wird von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (DGK) als kritisch eingestuft und soll bis Jahresende anhalten. Alternativen sind rar: Digoxin erfordert bei Niereninsuffizienz höchste Vorsicht. Als Mittel der ersten Wahl gelten Betablocker, Verapamil und Diltiazem; in EinzelfĂ€llen kommt Amiodaron infrage.
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ePA: Elektronischer Medikationsplan startet
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll Medikationsrisiken und Wechselwirkungen besser beherrschbar machen. Seit Mitte Juli 2026 lĂ€uft die Pilotierung des elektronischen Medikationsplans (eMP) in Franken, Hamburg und Teilen Nordrhein-Westfalens. Der bundesweite Roll-out ist fĂŒr Herbst 2026 geplant. Erste Erhebungen zeigen: Rund 90 Prozent der Versicherten stehen dem eMP positiv gegenĂŒber.
Die Apothekerschaft arbeitet zudem an einer nutzerfreundlicheren Gestaltung der ePA. Eine Erleichterung gibt es bereits seit Anfang Juli: Arztpraxen dĂŒrfen Verordnungen und E-Rezept-Zugangsdaten direkt an Apotheken ĂŒbermitteln â sofern ein Heimvertrag vorliegt.
Regulatorik: Zulassungsstopp bis 2028
Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das Ruhen der Zulassungen fĂŒr bestimmte Medikamente, darunter PrĂ€parate mit Irbesartan und Bupropion, bis zum 1. August 2028 verlĂ€ngert. Hintergrund sind unzuverlĂ€ssige Studiendaten der Micro Therapeutic Research Labs aus den Jahren 2012 bis 2016.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) konkretisierte zudem mit BeschlĂŒssen vom 2. Juli 2026 die Einsatzbedingungen fĂŒr neue Onkologika wie Tafasitamab und Toripalimab â ein weiterer Schritt zur Anpassung der Behandlungsstandards an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.
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