Schlaftracker, Experten

Schlaftracker: Experten warnen vor ungültigen Daten und Orthosomnie

20.06.2026 - 09:42:47 | boerse-global.de

Experten erklären die Ursachen von Bett-Wachheit und geben Tipps für besseren Schlaf. Neue Leitlinien für RLS und Kritik an Schlaftrackern.

Schlafprobleme verstehen: Ursachen und neue Therapieansätze
Schlaftracker - Eine Person liegt nachts wach im Bett, beleuchtet vom kalten Licht eines Smartphones, während im Hintergrund warmes Morgenlicht durch ein Fenster fällt. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Ursache liegt oft im Tagesablauf.

Experten führen den Zustand auf eine Diskrepanz zurück: Monotone Büroarbeit macht tagsüber müde, abends folgt dann die Reizüberflutung durch Sport oder digitale Medien. Das Gehirn kommt nicht zur Ruhe.

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Der Tag beginnt am Morgen

Die Grundlage für erholsamen Schlaf wird bereits am frühen Morgen gelegt. Der Mediziner Dietrich Grönemeyer betont: Tageslicht in den ersten Stunden und die Klärung mentaler Belastungen während der Arbeit sind essenziell.

Eine DAK-Studie aus dem Jahr 2017 zeigte bereits: Rund 80 Prozent der Erwerbstätigen kehren übermüdet an ihren Arbeitsplatz zurück. Aktuell leidet mehr als ein Drittel der Deutschen unter schlechtem Schlaf, etwa sechs Millionen Menschen haben eine diagnostizierte Schlafstörung.

Kohlenhydrate als Schlafhelfer

Entgegen verbreiteter Annahmen können Kohlenhydrate am Abend das Einschlafen fördern. Der Schlafmediziner Hans-Günter Weess erklärt: Sie unterstützen die Verarbeitung der Aminosäure L-Tryptophan – eine Vorstufe des Schlafhormons Melatonin.

Empfohlen wird ballaststoffreiche, leichte Kost wie Gemüse, Obst oder Nüsse, idealerweise zwei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen. Alkohol hingegen verkürzt die wichtigen Tiefschlafphasen massiv.

Hormone und Schlafqualität

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) thematisierte am 21. Juni die engen Wechselwirkungen zwischen weiblichem Hormonhaushalt und Schlaf. In Lebensphasen wie Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahren beeinflussen schwankende Östrogen- und Progesteronspiegel das Durchschlafvermögen.

Laut der 2025 aktualisierten S3-Leitlinie gilt bei chronischer Insomnie die kognitive Verhaltenstherapie als Mittel der ersten Wahl.

Vorsicht vor Schlaftrackern

Experten bewerten den Trend zur Selbstvermessung per Wearables zunehmend kritisch. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) warnte Mitte Juni 2026: Schlaftracker liefern oft keine validen Daten zur tatsächlichen Schlafqualität.

Bei vielen Nutzern kann die ständige Kontrolle die Probleme sogar verschlimmern – ein Phänomen namens Orthosomnie.

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Neue Leitlinien für RLS

Im Juni 2026 wurden aktualisierte Richtlinien für das Restless Legs Syndrom (RLS) veröffentlicht. Der neue Behandlungsalgorithmus basiert auf Fachliteratur der Jahre 2020 bis 2025 und empfiehlt unter anderem die Prüfung des Eisenstatus. Gabapentinoide gelten als wichtige Therapieoption, bei schweren Verläufen können niedrig dosierte Opioide zum Einsatz kommen.

Auch die Rechtsprechung präzisierte die Bewertung schlafbezogener Erkrankungen. Ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 11. Juni 2026 (Az. B 9 SB 5/24 R) stellt klar: Eine Schlafapnoe rechtfertigt nur unter strengen Voraussetzungen einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 – etwa wenn eine notwendige Überdruckbeatmung objektiv nicht durchführbar ist.

Die perfekte Schlafumgebung

Für die Schlafumgebung empfehlen Experten eine Raumtemperatur zwischen 15 und 20 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Da die Körpertemperatur nachts natürlicherweise absinkt, unterstützt eine kühle Umgebung diesen Prozess.

Zusätzlich raten Fachleute zu natürlichem Licht am Tag und einer konsequenten Handypause vor dem Schlafengehen – Blaulicht hemmt die Melatoninproduktion. Sport sollte mit zeitlichem Abstand zur Nachtruhe stattfinden, moderates Stretching oder Yoga können auch am späten Abend förderlich sein.

de | wissenschaft | 69588369 |