Schlaganfall-Therapie, THUNDERBOLT

Schlaganfall-Therapie: THUNDERBOLT erreicht 87,5% Erfolgsquote

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher entdecken körpereigenen Gerinnungsschutz und neuen Ansatz gegen Arteriosklerose. Ein Aspirationssystem zeigt hohe Erfolgsraten in der Akutversorgung.

Schlaganfall-Forschung: Neue Schutzmechanismen und schnellere Therapie
Wissenschaftler betrachtet ein holografisches Modell von Blutgefäßen in einem modernen medizinischen Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die medizinische Forschung macht gleich mehrere Sprünge nach vorne: Ein körpereigener Schutzschild gegen Blutgerinnsel, ein neuer Angriffspunkt gegen Arteriosklerose und ein schnelleres Aspirationssystem für die Akutversorgung. Laut Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ließen sich mindestens 70 Prozent aller Schlaganfälle durch bessere Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht vermeiden.

Botenstoff als Schutzschild

Ein neuer Forschungsansatz zielt auf den Botenstoff Sphingosin-1-Phosphat (S1P). Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Universitätsklinikums Düsseldorf veröffentlichten ihre Ergebnisse am 23. Juli 2026 in Science Advances. S1P fungiert demnach als biologischer Schutzschild in den Blutgefäßen.

Der Botenstoff aktiviert die Produktion von Thrombomodulin und unterbindet so die Bildung von Blutgerinnseln. Entscheidender Vorteil: Anders als herkömmliche Therapien erhöht dieser Mechanismus das Blutungsrisiko nicht. Die Forscher stützen ihre Erkenntnisse unter anderem auf eine Untersuchung an 74 Patienten – ein höherer S1P-Spiegel war dort mit einer niedrigeren Gerinnungsaktivität verbunden.

Cannabinoid-Rezeptor im Visier

Einen weiteren Ansatzpunkt gegen Arteriosklerose – der Hauptursache für Schlaganfälle – haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in München identifiziert. Ihre Studie in Nature Communications vom 22. Juli 2026 zeigt: Der Cannabinoid-Rezeptor CB1 in den Endothelzellen der Gefäßwand spielt eine entscheidende Rolle bei der Plaquebildung.

Der Rezeptor erleichtert den Transport von LDL-Cholesterin in die Gefäßwand. Mäuse ohne endothelialen CB1-Rezeptor entwickelten deutlich weniger Ablagerungen. Fachleute sehen in peripher wirksamen CB1-Hemmern Potenzial für künftige Therapien – sie könnten Arteriosklerose behandeln, ohne Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem auszulösen.

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Schneller zum Erfolg in der Akutversorgung

Die THUNDER-Studie untersuchte das THUNDERBOLT-System des Herstellers Penumbra bei 216 Patienten an 29 US-Zentren. Die Ergebnisse, präsentiert auf dem SNIS-Kongress 2026, belegen eine erfolgreiche Reperfusion bei 87,5 Prozent der Behandelten.

Besonders beeindruckend: die Geschwindigkeit. Die mediane Revaskularisationszeit betrug 20 Minuten. In 64,8 Prozent der Fälle gelang die Wiedereröffnung des Gefäßes bereits im ersten Versuch (First-Pass). Die Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse lag bei 2,8 Prozent, die 90-Tage-Mortalität bei 11,7 Prozent. Das System besitzt bereits FDA-Zulassung und CE-Kennzeichnung für den europäischen Markt.

Parallel dazu zeigt die AVANT GUARD-Studie Fortschritte bei der Behandlung von persistierendem Vorhofflimmern – einem Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle. Die Pulsed Field Ablation (PFA) erreichte als Erstlinientherapie nach zwölf Monaten eine fast doppelt so hohe Erfolgsrate wie eine rein medikamentöse Rhythmuskontrolle, bei vergleichbarem Sicherheitsprofil.

Kongress setzt auf interprofessionelle Zusammenarbeit

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Trotz aller Technik bleibt die Primärprävention zentral. Mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung und Rauchverzicht – die Botschaft der Mediziner ist alt, aber aktueller denn je. In der Asklepios Klinik Langen werden jährlich rund 1.500 Patienten behandelt, ein Großteil davon nach Schlaganfällen.

Die strategische Weiterentwicklung der Versorgung steht im Fokus des 2. Deutschen Schlaganfallkongresses (DSG26) vom 10. bis 12. September 2026 in Berlin. Erstmals übernimmt eine Vertreterin aus der Pflege das Amt der Kongresssekretärin. Das Programm setzt auf verstärkte interprofessionelle Zusammenarbeit und thematisiert unter anderem delirsensible Stroke Units sowie spezielle Lagerungstechniken in der Rehabilitation.

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