Schluckbare Batterie: MIT entwickelt abbaubare Stromquelle fĂŒr den Darm
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Energieversorgung elektronischer Kapseln im Magen-Darm-Trakt stellt die Medizintechnik vor anhaltende Herausforderungen, da herkömmliche Stromquellen das Risiko von GewebeschĂ€den bergen oder nach dem Einsatz entfernt werden mĂŒssen.
Eine am 21. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature Chemical Engineering veröffentlichte Studie von Forschenden des Massachusetts Institute of Technology (MIT) beschreibt nun einen alternativen Ansatz: die Entwicklung einer biologisch abbaubaren Batterie, die speziell fĂŒr schluckbare medizinische GerĂ€te konzipiert ist.
Aufbau aus resorbierbaren Materialien und Bienenwachs
Die vom MIT vorgestellte Papierbatterie basiert auf einer Magnesium-Anode und einer Kathode aus MolybdÀntrioxid, die im Betrieb eine Leerlaufspannung von 1,84 Volt bereitstellt. ErgÀnzt wird die elektrochemische Zelle durch Cellulosefasern und ein Elektrolytgel. Als Bindemittel kommt Nanocellulose zum Einsatz, wÀhrend eine Beschichtung aus Bienenwachs als Schutzschicht gegen die aggressive MagensÀure dient.
In LaborprĂŒfungen unter Verwendung magensaftĂ€hnlicher SĂ€ure funktionierte die Batterie etwa 3 Tage lang, bevor die elektrische Leistung nachlieĂ. Im simulierten Magensaft erwies sich die Konstruktion bis zu 3 Tage lang als strukturell intakt. Der vollstĂ€ndige biologische Abbau der Batterie vollzieht sich den Untersuchungen zufolge innerhalb eines Zeitraums von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten.
Eine SicherheitsabschĂ€tzung des MIT ergab, dass bei einer vollstĂ€ndigen Freilegung einer lĂ€nglichen Batterie ĂŒber einen Zeitraum von 24 Stunden tĂ€glich rund 3,4 mg Magnesiumverbindungen und unter 1 mg MolybdĂ€n-Lösungsprodukte freigesetzt werden. Beide Mengen liegen unterhalb der geltenden Referenzwerte fĂŒr die tĂ€gliche Aufnahme.
Ergebnisse der prÀklinischen Tierversuche
Die Forschenden erprobten das System in mehreren prĂ€klinischen Versuchen. Bei Tests im Tiermodell versorgte die Stromquelle eine RFID-Kapsel, die Signale ĂŒber eine Reichweite von bis zu 1,5 m aus dem Magen-Darm-Trakt ĂŒbertrug.
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In einem weiteren Versuch trieb eine Batterie ein MagenstimulationsgerĂ€t bis zu 3 Tage lang an. Eine 20 Minuten dauernde elektrische Stimulation fĂŒhrte bei den Versuchstieren zu einem Anstieg des Ghrelinspiegels um etwa 50 %.
In Versuchen an Schweinen blieb der Energiespeicher nach 72 Stunden im Magen funktionsfĂ€hig, wenngleich Spannung und KapazitĂ€t ĂŒber diesen Zeitraum allmĂ€hlich sanken. SchĂ€den an der Magenschleimhaut der Tiere wurden wĂ€hrend der Untersuchungen nicht festgestellt.
Grenzen und geplante klinische Schritte
Trotz der Messergebnisse befindet sich das Projekt in einem frĂŒhen, rein prĂ€klinischen Entwicklungsstadium mit bislang wenigen getesteten Tieren. Zudem ist die Elektronik der eingesetzten Stimulationskapsel gegenwĂ€rtig noch nicht biologisch abbaubar.
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Humanversuche mit den RFID-GerÀten sind bislang nicht gestartet, werden von den Forschenden jedoch in einem Zeitraum von weniger als 2 Jahren erhofft. Eine klinische Studie des RFID-Systems ist nach Angaben des Teams voraussichtlich in etwa 2 Jahren geplant.
Sollten sich Sicherheit und Wirksamkeit kĂŒnftig auch beim Menschen bestĂ€tigen, könnten entsprechende Batterien temporĂ€re GerĂ€te im Darmbereich betreiben und operative Eingriffe zur Entfernung erschöpfter Stromspeicher ĂŒberflĂŒssig machen.
